"  Holzlandbahn" -

"Die" Querverbindung Frankfurt am Main -

Jena - Chemnitz - Dresden - Breslau / Prag


Eine gewagte These, aber die ihren Ursprung in der Historie findet. Nachdem die damalige im Bau befindliche Strecke Frankfurt - Erfurt - Rudolstadt - Pößneck - Schleiz - Hof - Prag durch Insolvenz nicht mehr weiter gebaut wurde und die begonnenen Arbeiten bei Remda Nähe zu Rudolstadt eingestellt wurden, begann man nach Lösungen zu suchen eine Querverbindung von Hessen über Thüringen, Sachsen nach Böhmen und Schlesien zu erschaffen. Dabei waren die Endpunkte Frankfurt und Breslau bzw Prag von maßgeblicher Bedeutung aus wirtschaftlicher Sicht.


Durch den Bau dieser Fernverbindung kommen links und rechts der Strecke Haupt-, Neben- und Schmalspurbahnen heran die in Art einer "Fischgräte" Wagenladungen und Passagiere zu dieser Linie bringen. Vorerst war Apolda als gedachter Abzweigbahnhof im Gespräch, da die Steigung bzw. das Gefälle in Richtung Jena geringer ausgefallen wäre als bei der heutigen Streckenführung Weimar - Göschwitz. Die Strecke sollte bei Porstendorf an das Netz der "Saalbahn" angeschlossen werden und entweder über Jena, Göschwitz, Stadtroda nach Gera geführt werden oder schon vor Jena in gedachter Streckenführung über Bürgel nach Stadtroda und nach Gera. Der heutige Knoten Göschwitz wäre dann in Porstendorf entstanden.


Aber entsprechende Einsprüche der Stadt Jena und der Jenaer Wirtschaft die eine Tangierung im Stadtgebiet von Jena wünschten, führten zu der Entscheidung die Strecke im Westen von Jena entlang zu führen bis nach Weimar. So entstand der Westbahnhof in Jena und die Stationen Oberweimar und Mellingen. Man konnte somit vom Westbahnhof bequem per Fuß, Droschke oder Strassenbahn in das Zentrum oder die Bahnhöfe Paradies- oder Saalbahnhof erreichen. Entfernung hierzu knapp 3 km. Überlegungen zur Schaffung einer Gleisverbindung vom Westbahnhof zum Saalbahnhof führten zu keinem Ergebnis da die Bahn durch die Stadt hätte geführt werden müßen und rein von der praktischen Überlegung wirtschaftlich nicht sehr sinnvoll gewesen wäre. (Steigungen, Brücken, bereits erbaute Gebäude, Hochbahntrassen) So waren Laufwege der Güterwagen bzw. Fahrplanwege der Reisenden über Göschwitz oder Großheringen vorprogrammiert. Demzufolge war die praktischere Methode der örtliche Nahverkehr oder der Fußmarsch. Der Bau der gesamten Strecke gestaltete sich als sehr schwierig und aufwendig. Hohe Dämme, Steigungen, Einschnitte, Felsarbeiten verteuerten auch den Bau der Linie. Wenn man den gesamten Verlauf betrachtet führt diese Strecke ständig im, am oder um Gebirge herum, nicht nur in Thüringen auch in Hessen und Sachsen. Gesamtheitlich betrachtet berühert diese Strecke innerhalb kurzer Streckenabstände sehr viele Wirtschafts-, Kultur- und Bildungszentren was sich im gesamten Verlauf als sehr positiv herausstellte. Ebenso Anbindungen nach Bayern, Böhmen, Schlesien und Sachsen brachten der gesamten Strecke erheblich gute Ergebnisse. So galten doch Prag / Breslau und Frankfurt als Wirtschaftszentren die es zu verbinden galt und an denen nicht nur die Thüringer Wirtschaft Erfolge verbuchte. Auch die Anbindungen in Gößnitz nach Hof und Regensburg sowie in Dresden nach Dux und Prag waren ebenso sehr bedeutend. Aber auch Hochschulen, Universitäten, Kultur und Tourismus gewannen mit dem Streckenbau, wenn man überlegt wieviel Städte mit Universitäten und höheren Bildungseinrichtung am Streckenverlauf liegen bzw. miteinander verbunden sind.


Als Folge des Baues dieser Querverbindung entstanden auch zahlreiche Knotenbahnhöfe mit Strecken die bereits existierten und meist in grober Nord-Südrichtung verliefen. 

Grundsätzlich zählte diese Strecke nur Abschnittsweise zum Leistungskatalog des Bw Saalfeld mit Ausnahme der Est. Göschwitz. Im Umleiterverkehr kamen Saalfelder Lokomotiven auf den Abschnitt Gera - Göschwitz, dagegen wurde der Abschnitt Göschwitz - Jena West - Weimar planmäßig befahren. Planmäßig kamen Lokomotiven der Bahnbetriebswerke Gera, Greiz, Reichenbach, Glauchau, Karl-Marx-Stadt,Weimar, Erfurt, Eisenach auf diese Strecke. Durchgehende Schnellzugverbindungen vom Ruhrgebiet nach Dresden, sowie zahlreiche Güterzugverbindungen vom Ruhrgebiet nach Breslau und Prag. Die Göschwitzer, Geraer, Weimeraner Lokomotiven fungierten dabei oft als Vorspann- oder Schiebelokomotiven zwischen Weimar, Göschwitz und Gera.


Von vielen Knotenbahnhöfen der Strecke gab es zahlreiche Verbindungen nicht nur innerhalb Deutschlands auch Richtung Balkan, Böhmen, Rußland oder Westeuropa.

Deshalb auch der heutige Beiname "Mitte Deutschlandverbindung". Leider führt und führte diese Strecke immer ein Schattendasein gegenüber vielen anderen Strecken, eigentlich zu Unrecht. Hier gab es keine großen oder legendären Schnellzugverbindungen, Hauptlast der Strecke war der Güterverkehr in alle geographischen Richtungen. Nennenswert wäre noch der durchgehende Güterverkehr aus Richtung Erfurt über Gera, Greiz, Bad Brambach, Eger zur CSD bzw. nach Böhmen, der dieser Strecke ebenfalls zahlreiche Güterzüge bescherte.


Neben dem Durchgangsgüterverkehr waren Jena West, Stadtroda,  Hermsdorf die größeren Verladebahnhöfe der Strecke. Alle anderen Bahnhöfe verfügten über ein bis zwei Ladegleise. Nahgüterzug End- bzw. Anfangsbahnhöfe waren Weimar, Göschwitz, Gera. Der Hauptverkehr bestand aus den unzähligen Durchgangsgüterzügen.

Großteil des Personenverkehres bestand aus dem Berufs- und Schülerverkehr, Schnellzüge hielten nur in Gera, Göschwitz, Jena West und Weimar. Lediglich im Sommerhalbjahr waren rund um Hermsdorf, Stadtroda und Papiermühle zahlreiche Ausflügler und Wanderer unterwegs, die zum großen Teil aus Richtung Erfurt, Jena, Gera hier her kamen und die Strecke belebten.


Weimar


Der Hauptverkehr der Stadt Weimar lag auf der Hauptstrecke Richtung Erfurt und Naumburg, historisch bedingt durch die Industrieentwicklung. Die Geraer Strecke war für die Bevölkerung Richtung Jena auf Grund von Industrie, Universität interessant. Der "große Verkehr" in dieser Richtung blieb aus, eher in der Gegenrichtung war Weimar für zahlreiche Pendler der Streckenregion täglicher Anfahrtsort. Die Weimarer Bahnanlagen waren ebenfalls hauptsächlich auf die Erfurter Strecke ausgerichtet, wärend das Bw Weimar auf der Hauptstrecke Zwischen-, Güterzug- und Füllleistungen übernahm, kamen Richtung Göschwitz / Saalfeld und Richtung Gera auch die Weimarer Lokomotiven oft zum Zuge.


EG Bahnhof Weimar Ende der 50er Jahre

Kartenauszug aus den 30er Jahren über den Streckenverlauf Weimar - Jena.

Bahnhofslageskizze der Weimarer Bahnanlagen wärend des Umbaues in der Zeit von 1910-1915.

Zwischen Weimar und Oberweimar befindet sich dieser Viadukt auf der Strecke, der auch den Streckencharakter dieser Querverbindung erkennen läßt. Im gesamten Streckenprofil führt die Strecke nicht nur in Thüringen auch in Sachsen durch landschaftlich reizvolles Gelände, was aber die Ingenieure jener Zeit vor große Aufgaben stellte. Betrachtet man den Verlauf der Gesamtstrecke von Weimar bis Dresden, so finden sich zahlreiche nennenswerte Bauwerke bzw. Landschaftsabschnitte die mit hervorragender Ingenieurskunst bewältigt wurden. Dazu zählen der gesamte Abschnitt Weimar-Gera, der Hetzdorfer Viadukt und die gesamte Streckenführung ab Flöha bis Dresden entlang des Erzgebirges, dem Tharandter und Plauenschen Grund. Um 1900 überquert ein Zug von Weimar nach Gera den besagten Weimarer Viadukt.


Oberweimar


Knapp 4,5 km von Weimar in östlicher Richtung befindet sich Oberweimar, heute durch Städtische Erweiterungen mit Weimar zusammen gewachsen und ein Stadtteil. Vorortbahnhof mit ehemaligen ländlichem Charakter für Kreuzungen und Überholungen gerade im Güterverkehr, so war die Steigung nicht unerheblich und führte im weiten Bogen bis Oberweimar, wo sich der Bahnhof auf einer Anhöhe befindet. Immerhin beträgt der Höhenunterschied von Bahnhof zu Bahnhof ca. 27 Meter auf 4,5 km. Zum Teil mußten Lokomotiven des Bw Weimar bis hier nachschieben und liefen auch gekuppelt mit bis Göschwitz um einen Zug ab dort wieder zurückzuschieben. Oberweimar war durch eine umfangreiche Landwirtschaft geprägt, worauf rudimentäre nicht mehr zugängliche Restgleisstücken schließen. Neben der Güterabfertigung ein Ladegleis mit Ladestraße und ein seperat geführtes Ladegleis auf denen neben Stückgut das Landwirtschafts Gut, Kohle, Vieh, Düngemittel sowie Saisonfrüchte der Felder verladen wurden. Bedienung erfolgte mit Nahgüterzügen Weimar - Göschwitz - Weimar bzw. bei Ganzzügen mit Kartoffeln, Zuckerrüben, Getreide als Sonderzug. Neben der Versorgung der Zivilbevölkerung hatten die Orte an der Strecke auch die Armee Garnisionen in Weimar, Erfurt und Jena zu versorgen die hier mit einigen hundert Militärangehörigen stationiert waren. Bis 1990 waren in Weimar und Jena Russische Soldaten stationiert und in Weimar-Nohra eine Militär Flugzeugstaffel der Russischen Streitkräfte die für die Sicherung des Luftraumes Richtung "Westgrenze" zuständig waren und imperialistische Kriegsangriffe abwehren sollten.


Der Reiseverkehr beschränkt sich auch heute noch auf den Pendlerverkehr nach Weimar, Erfurt und Jena wie in früheren Jahren. Sonst finden sich auch heute noch um den Ort ansehnliche Feldflächen die der Bezeichnung "Zwiebel-Weimar" alle Ehre machen, da die Landwirtschaft einer der großen Arbeitgeber der Region mit war.  Der Bahnhof liegt relativ weit vom Ortskern entfernt und wird durch den Weimarer Stadtbus bedient. Glücklicher Weise konnte das EG durch Privatpersonen vor dem Verfall gerettet werden und wurde Top saniert. Ein wirkliches Kleinod das noch in seinem Charme an Moderne sowie die gute alte Eisenbahn erinnert. Sonst befinden sich zwei Betonbahnsteige hier an denen die Züge der Erfurter Bahn halten, RE Züge Göttingen - Altenburg / Greiz fahren durch.


Das neu sanierte EG Oberweimar in einem tadelllosen Zustand als Wohnhaus umgebaut. Rechts der ehemalige Warteraum unten Eingang zum Fahrkartenschalter und Gepäckabfertigung, der Stellwerksanbau und links ersichtlich die Güterhalle.Ansicht Gleisseite am 26.05.2019.

EB 80892 rollt am 26.05.2019 von Gera kommend in Oberweimar ein. Sonntagsruhe keine Fahrgäste ländliche Bahnidylle 2019. Ähnlich war es auch in früheren Jahren beschaulicher Verkehr außerhalb der Pendlerzeiten und an Sonntagen.

Irgendwie überlebt, Gleisreste mit Prellbock am zweiten Ladegleis, was zur Beladung von längeren Zügen mit Feldfrüchten benutzt wurde und in dem später die Rbd Erfurt zahlreiche Bauzugwagen bis nach 1990 abstellte.

1991 hat doch ein pflichtbewußter Mitarbeiter in Oberweimar Altbestände an Fahrkarten aufgebraucht. Von Oberweimar nach Jena West für 1,20 DM am 05.10.1991 mit Zangenabdruck und ordnungsgemäßer Eintragung Zone 4.

 

Mellingen


Von Oberweimar steigt die Strecke nochmalig 13 Höhenmeter bis Mellingen auf ca. 240 Meter Bahnhofshöhe. Auch hier war der Bahnhofsalltag größtenteils vom Pendlerverkehr beider Richtungen geprägt. Da sich um Mellingen ebenfalls riesige Feldflächen befinden, gab es auch hier am Bahnhof gerade im Bereich der Verladung von Landwirtschafts Gut viel zu tun. Zu- und Abführung der Wagen mit Nahgüterzügen. Der Ortskern Mellingen befindet sich ca. 1,1 km vom Bahnhof entfernt, was den größeren Fahrgastanteil des Ortes dem Bus nach Weimar zukommen läßt, der Bahnhof ist heute eher schwach frequentiert. Der Ort Mellingen selbst verfügt über einige regional interessante Sehenswürdigkeiten, die heute nicht nur von PKW Touristen bestaunt werden auch der Fahrradtourismus auf der Linie von Weimar nach Jena bzw. weiter über Großschwabhausen Richtung Dornburg, Camburg und weiter der Saale entlang führt über die Höhen hinweg und bietet neben zahlreichen weiteren Touristischen Zielen gepflegte Ortschaften, Wirtshäuser und einen eindrucksvollen Ausblick von den Höhen in alle Himmelsrichtungen. Heute ist Mellingen Haltepunkt für die EB Züge der Strecke Gera-Erfurt ohne nennenswerte Eisenbahn Highlights.

 

Der Ort Mellingen mit seinen Sehenswürdigkeiten und dem Bahnhof in den 20er Jahren.

Das EG Mellingen wurde 2016 / 2017 umbaut. Unterhalb der Verkleidung befindet sich die Grundstruktur des alten EG. Ein riesiger Anbau definiert die ehemalige Güterhalle mit zwei Wohnungen auf zwei Etagen. Ebenso der Stellwerksanbau wirkt riesig. Schön das das Gebäude erhalten wurde aber über den Stil läßt sich streiten.

Mehrfach täglich "sausen" die 612er DB Regio Erfurt durch Mellingen. So auch am 26.05.2019 der 612 036 RE 3659 Göttingen-Glauchau.

Ein Blick auf die Strecke von Mellingen in Richtung Weimar verdeutlicht alle bisherigen Beschreibungen. Neben ländlicher Idylle, Hügellandschaft und großen Feldflächen läßt der Streckenverlauf mit gut sichtbarem Gefälle die anstrengende Arbeit der Lokpersonale insbesondere der Lokheizer sowie das Arbeiten der Dieselmotoren mit schweren Schnell- und Güterzügen erahnen.

Bei km 10,4 östlich von Mellingen befindet sich noch diese imposante Straßenunterführung unter der Holzlandbahn hinweg. Deutlich auch zu sehen der aufgeschüttete Damm nach der Streckensanierung.An der Strecke finden sich noch weitere interessante Hochbauten.

 

Großschwabhausen


Bahnhof Großschwabhausen galt als betrieblicher Mittelpunkt auf der Strecke. In erster Linie als Brechpunkt zwischen Göschwitz und Weimar. So steigt doch die Strecke relativ stark von Göschwitz mit 162 Metern Höhe nach Jena West 172 Meter über die Blockstelle Schlettwein bis Großschwabhausen auf 320 Höhenmeter an mit einer Streckenlänge von knapp 14 km so hat es die Steigung ganz schön in sich. Von hier fällt die Strecke bis Mellingen auf 240 Höhenmeter und weiter über Oberweimar 227 Meter nach Weimar auf 200 Meter. Und das bei relativ kurzen Bahnhofsabständen. Was auch die Schwierigkeiten beim Bahnbau und im Betrieb aufzeigt. So war doch der Streckenabschnitt Göschwitz - Weimar mit 27,5 km Länge nicht "Ohne". Der Ort Großschwabhausen mit seiner Nähe zu Jena tendiert im Verkehrsablauf meist Richtung Jena was im Bezug auf die Pendlerrichtung schließen läßt. Weimar und Erfurt ebenfalls aber mit Abstand. Großteil der Pendler bewegte sich zum Westbahnhof zur Firma Schott und nach Göschwitz. Auch wie bei allen anderen Orten an der Strecke dominierte die Landwirtschaft als größter Arbeitgeber am Ort. So sorgten die ortsansässigen Landwirte mit zur Versorgung der Stadtbevölkerung Jena`s, was sich durch die Nähe zur Stadt auf kurzen Transportwegen mit Pferdefuhrwerken oder zum Teil zu Fuß mit Tragekörben der Marktfrauen ergab. Wer hatte damals schon Geld um mit dem Zug zu fahren bei der Versorgung von mehrköpfigen großen Familien wurde jeder Pfennig gebraucht. Mit dem Ausbau der Landwirtschaft erhielt Großschwabhausen ein ACZ ein Agrochemisches Zentrum mit Gleisanschluß was vornehmlich dem Düngemitteltransport vorbehalten war. Neben der Landwirtschaft wie üblich auf jedem Bahnhof mußte die Bevölkerung und die Industrie mit Kohle versorgt werden, dem Brennstoff Nummer 1. Kohletransport von der Ladestraße und etwas Stückgutverkehr sorgten zusätzlich für Verkehr am Bahnhof sowie die LKW Waage an der Ladestraße für alle Zwecke.


Wie bereits erwähnt galt Großschwabhausen als Brechpunkt im Zugbetrieb zum Teil von Weimar und bei fast allen Güterzügen sorgten Schiebelokomotiven für zusätzlichen Verkehr auf der Strecke, die nach 1945 ebenfalls eingleisig war und somit eine geringe Zugdichte zulies. Meist liefen die Lok`s am Schluß von Weimar bis Göschwitz und zurück um die Strecke zu entlasten. Bis Ende der 50er Jahre waren die Schiebelokomotiven in Jena West stationiert, da Göschwitz keine D-Zugstation war und Güterzüge zum Teil mit den Lokomotiven vom Westbahnhof, Bw Göschwitz und Weimar nachgeschoben wurden. Ab den 60er Jahren kamen die Schublokomotiven in Göschwitz an den Zug bzw. schoben die Maschinen ab Westbahnhof ungekuppelt am Zugschluß von Schnellzügen bis Großschwabhausen und kehrten Lz zurück.  Großschwabhausen verfügte über 4 Hauptgleise ein Ladegleis sowie den ACZ Anschluß.


Der Stückgutverkehr wurde zwischen Göschwitz und Oberweimar Ende der 60er Jahre eingestellt durch geringen Frachtanteil. Oberweimar und Mellingen überführte das Stückgut mit LKW zur GA Weimar und Großschwabhausen zum West oder Saalbahnhof, ebenso die Frachten von Göschwitz gingen zu diesen Güterabfertigungen. Heute ist Großschwabhausen eine Überleitstelle und verfügt noch über ein Abstellgleis. Der Bahnsteig wurde ca. 100 Meter weiter "verrückt" zum Ort hin. Sonst der übliche Zugverkehr.

 

Blick zur Rampe mit Güterabfertigung, Bahnhofsstraße aus Richtung Weimar am 26.05.2019.

Gebäude der alten LKW Waage an der Ladestraße.

Ca. 100 Meter weiter vom EG Richtung Jena befindet sich der Zugangsbereich zum Bahnsteig nach Weimar. Der Bahnsteig nach Jena wird über den anschlißenden Bahnübergang auf der anderen Zugangsseite erreicht.

Blick vom Bahnsteig 2 Richtung Jena. Gut sichtbar das weiterführende Gefälle der Strecke und die Weichen zur Überleitung bei Gleiswechsel.

Aus Richtung Weimar rollt 612 025 am 26.05.2019 durch Großschwabhausen Richtung Jena als RE 3909 / RE 3929 Erfurt-Altenburg / Greiz.

Zugbegegnung in Großschwabhausen rechts rollt RE 3909 / 3929 Richtung Jena und aus dieser Richtung kommt 612 036 als Zwischentakt RE 3958 Göschwitz-Erfurt entgegen.

Eisenbahnidylle zwei noch erhaltene preußische Eisenbahnerwohnhäuser aus der Zeit nach 1900 werden noch zu Wohnzwecken in Großschwabhausen genutzt. Sichtbar noch die Bahnsteigkante des Hausbahnsteiges.

Das EG Großschwabhausen von der Gleisseite am 26.05.2019. Rechts die Bahnhofsgaststätte, links Diensträume mit GA und oben vier Wohnungen für die Beschäftigten.

 

Jena West


Schnellzugstation Ruhrgebiet - Dresden - Breslau und Prag, Anschlußgleise Fa.Schott, Ladegleise, Beheimatung einer Kleinlok Bw Saalfeld. Keine direkte Verbindung zum Saalbahnhof nur über Göschwitz, Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Weiterhin gab es hier zwei stationierte Dampflokomotiven, die in der Hauptsache für den Schiebebetrieb Richtung Weimar zu sorgen hatten. Eine weitere Spezialität war die mit 700 Volt Gleichstrom betriebene Werkbahn der Schott Werke Jena, deren E-Lok für den internen Werkbahnverkehr und zur Übergabe an die DR zu sorgen hatte. Der Bahnhof selbst in der Verbindung stark frequentiert. Fehlender Straßenbahnanschluß zum Saalbahnhof als damalige Schnellzugstation wirkte sich immer negativ auf den Verkehr aus, da zahlreiche Schnellzüge nicht in Göschwitz hielten und somit eine gewisse Disharmonie in das Verkehrsgeschehen Jena`s brachte. Übergänge zwischen Holzland- und Saalbahn waren in Göschwitz oft mit langer Wartezeit bis 50 Minuten verbunden. Der Westbahnhof selbst war ein teil des Jenaer Güterverkehrs und sorgte für Nahgüteraufkommen Richtung Weimar / Erfurt sowie im Übergabeverkehr nach Göschwitz für Güterwagenlaufrichtungen nach Gera / Chemnitz / Dresden sowie Weißenfels / Halle / Leipzig und Saalfeld.


Der "Westbahnhof" in Jena um 1895.

Bahnhof Jena West im Jahre 1941.

Heute nennt man es Sociale Medien, so war das Interesse an Sensationen, Unglücken schon immer groß, den der Mensch ist von Natur aus neugierig. Auch Postkarten mit Eisenbahnunfällen aus vergangenen Tagen sind keine Seltenheit. Wie das Unglück beim Bahnhof Jena West im November 1907 mit hohem Personen- und Materialschaden.

Das EG in Jena West mit abfahrtbereitem RE Glauchau - Göttingen im April 2018.

Lokschuppen des Lokbahnhofes Jena-West, der zur Einsatzstelle Göschwitz gehörte im April 2018. Hier waren einst zwei Lokomotiven stationiert, die den Schiebebetrieb auf der Steigungsreichen Strecke Richtung Weimar bzw. auch in Richtung Gera bei schweren Schnell-und Güterzügen übernahmen.

Mehrfach täglich wurde der Bahnhof Jena West von Göschwitz aus mit Übergabefahrten bedient. Mitunter waren es Füll Leistungen die mit unterschiedlichen Lokomotiven gefahren wurden. Die nächtliche Übergabe mit V 60 sonst eine Göschwitzer 44 und 74484 an Montagen mit einer BR 01. (1978)

 

Kreuzungsbahnhof Göschwitz


Beschreibung auf der Seite der Saalbahn.

 

Denoch ein Relikt aus vergangener Zeit eine DR Computerfahrkarte - Wochenkarte Göschwitz - Gera für 17,40 Mark von 1989.


Neue Schenke


Weit vor den Toren der Stadt Jena lag der Gasthof "Neue Schenke", mit einigen Bauerngehöften und der angrenzenden Ortschaften Zöllnitz, Rutha, Göschwitz, Lobeda und Ilmnitz. Hier führte einst die Handels- und Heeresstraße von Sachsen und Reuß kommend nach Weimar bzw. Erfurt. Der Verlauf glich in etwa dem Verlauf der A 4 führte jedoch durch den Zeitzgrund bei Stadtroda und um einige Erhebungen herum. Von Neue Schenke führten Ortsverbindungswege in die umliegenden Ortschaften mit jeweiliger Entfernung von ca. 2 km. Auf Grund der guten Lage und des hier problemlosen Strecken- und Bahnhofsbaues wurde in Neue Schenke eine Güter- und Personenstation errichtet, obwohl sich der Bahnbau Weimar-Gera als äußerst schwierig und aufwendig gestaltete. Neue Schenke und umliegende Ortschaften sorgten für umfangreichen Güterverkehr von Land- und Forstwirtschaftsprodukten, auch gab es in Jena Arbeit, die mittels Zug erreicht werden konnte, so das auch zahlreiche meist männliche Bewohner bei Schott oder Zeiss und anderen Firmen Arbeit fanden, wärend Frauen die Landwirtschaft, Kinder, Kranke und den Haushalt versorgen mußten. Bevor die Bahn Neue Schenke erreichte fand sich hier ein Gasthof mit Ausspanne, der für alle Annehmlichkeiten der Fuhrleute in jener Zeit sorgte. Mit der Bahn kamen Fuhrleute und Bauern aus umliegenden Dörfern und kehrten zu einem frischgezapften Bier oft in der Neuen Schenke ein. Auch lagen erwähnte Ortschaften wenige Kilometer vor den Toren der Stadt Jena so das zahlreiche Wanderwege aus der Stadt in diese Richtung führten und oft über Ilmnitz, Schöngleina zurück in die Stadt. Mit der Bahn kamen auch die Touristen aus Weimar, Erfurt, Gera und sie führten zahlreiche Wegstrecken nach Jena, in den Zeitzgrund Richtung Papiermühle oder in die umliegenden Wanderziele und auf die Höhen rund um Neue Schenke. Im Nah- und Erholungsbereich vor den Toren der Stadt Jena war die Neue Schenke und umliegende Orte sehr beliebt. Bis Anfang der 70er Jahre führte der Bahnhof ein beschauliches Dasein, bis mit der Stadterweiterung Neu-Lobeda begonnen wurde. Baubeginn war 1966 bis ca. 1970 wurden die Fertigteil Betonplatten per Tieflader gebracht, aber der Nachschub ging sehr langsam, so das der Bahnhof Neue Schenke schnellstmöglichst umgebaut werden mußte zur Entladestation der Neubau Betonplatten. Saalbahnhof, Westbahnhof und Göschwitz boten hierfür keine Kapazitäten, so wurde Neue Schenke kurzer Hand umgebaut und auf der "grünen Wiese" eine Verladestation für die Platten errichtet. Bedient wurde Neue Schenke von Göschwitz mehrfach täglich mittels Übergabezug. Bereitgestellt wurden mit jeder Übergabefahrt ca. 1000 bis 1500 Tonnen. Im Übergabeverkehr waren Weimaraner, Göschwitzer und Geraer Lokomotiven. Bw Weimar mit BR 132, Est. Göschwitz mit BR 44, 41, 119 und Bw Gera mit BR 120. Leere Übergaben oder Wagennachführungen erledigte eine V 100 bzw. V 60 aus Göschwitz. Von hier wurden die per Bahn angelieferten Betonplatten mittels Tieflader zu den Baustellen gebracht. Auch weitere Baustoffe, Stahlträger, Kies, Sand, Karsdorfer Zement wurde hier umgeladen. Lobeda mit ca. 20 000 Einwohnern sorgte dann nicht nur im Innerstädtischen Bereich auch im Eisenbahnverkehr für umfangreiches Reisendenaufkommen. Pläne einer Straßenbahnlinienführung nach Bahnhof Neue Schenke wurden nicht verwirklicht auch in der Zeit nicht, als das Verkehrsaufkommen in den 90er Jahren staknierte und Bahnhöfe geschloßen wurden.  Geplant war die Schließung des Bahnhofes nach 1990 aber die Erweiterung der Straßenbahn hätte mit umfangreichen Kosten durch Dämme und Brückenbauten zu Buche gestanden. So wurde der Bahnhof an Privat verkauft und ein Haltepunkt errichtet, der heute hauptsächlich Wanderer und Bewohner aus Zöllnitz ein- bzw. aussteigen läßt. Neue Schenke in dem Sinne gibt es nicht mehr, da auf den einstigen Flurstücken heute Gewerbe ansässig ist. Aus der alten Ortssubstanz existieren noch 2 Wohnhäuser.


Bahnhof, Gasthof und Lobeburg in und um Neue Schenke auf einer Karte aus der Zeit um 1908.

Blick auf das EG Neue Schenke aus Richtung Gera am 15.04.2018.

Unmittelbar an der Strasse Richtung Jena noch ein Relikt aus alten Bahntagen, km 30,9 markierte auch die Grenze der Bahnanlagen Neue Schenke. 15.04.2018

Einfahrt eines Regionalzuges der Erfurter Bahn im Haltepunkt Neue Schenke am 15.04.2018 von Erfurt nach Gera.

Blick auf die Zufahrt der ehemaligen Verladestation für Betonplatten in Neu-Lobeda aus Richtung EG in Richtung Gera am 15.04.2018.

Gleisreste der Verladestation, rechtes Gleis führte zum Strecken- bzw. Bahnhofsgleis. Links das Zufahrtsgleis zur Kranentladung. Blick aus Richtung EG am 15.04.2018.

Restgleisverlauf vom Anschluß über den Bahnübergang zum Bahnhof Neue Schenke aus dem Anschluß WBK (Wohnungsbau Kombinat) - 15.04.2018

Betonzufahrtsstraße auf den Verladeplatz. Links nicht sichtbar verlief das Ladegleis zum Kran, rechts ein Lade-, bzw. Zufahrtsgleis zum Bahnhof mit provisorischer Ladekante. Das Pförtner Häuschen zur Regelung der Zufahrt und des Betretens des Geländes, dahinter der Lagerplatz, alles aus Beton. - 15.04.2018

Eingewachsene Kranbahn zur Umladung vom Zug zum LKW. Blick in Richtung EG, das Ladegleis verlief parallel hinter den Betonplatten zur Lampe hin. - 15.04.2018

 

 Stadtroda


Neben vielen Kleinbetrieben, Handwerk, der Brauerei sorgte auch der Holzladungsverkehr im Bahnhof für umfangreichen Güterverkehr. In den umliegenden Wäldern Richtung Neustadt (Orla), Kahla und im Roda - sowie Zeitzgrund wurden große Mengen an Holz geschlagen und mittels Bahn ab hier abtransportiert. Besonders auch Harthölzer für das Bau Handwerk. Bedienung der Ladestrasse und der Güterhalle erfolgte mit den Zuglokomotiven der Nahgüterzüge die zwischen Göschwitz und Gera eingesetzt waren. Stadtroda selbst hatte durch ortsansässige Firmen einen großen Pendleranteil im Berufsverkehr, aber viele Stadtrodaer fuhren auch von hier nach Göschwitz, Jena, Hermsdorf, Gera und mit Buslinien nach Eisenberg zu ihren Arbeitsstätten. Ebenso zahlreiche Schüler und Studenten die es nach Jena oder Weimar zog auf Grund der günstigen Bahnverbindung. Der sonstige Alltag in der Kreisstadt war eher beschaulich und lokal.

 

Bereits 1902 erschien diese Karte vom romantischen Zeitzgrund bei (Stadt) Roda, der zahlreiche Wanderer, Ausflügler und Touristen verweilen lies. So läßt auch das Landschaftsensemble die Schwierigkeiten beim Bau und der Trassierung gerade im Zeitzgrund erkennen.

Modellbahn Charakter EG Stadtroda mit angrenzenden Biergarten im Sommer 1956, von der Strassenseite.

Von einstiger einladender Pracht des Bahnhofes Stadtroda mit Biergarten und Bahnhofsrestaurant ist am 28.12.2018 nichts mehr zu spüren. Rudimentäre Reste wie überall erinnern nur noch an den einstigen Glanz dieses Bahnhofes.

Das EG von der Gleisseite 28.12.2018 befindet sich in Privatbesitz zum Glück. Unter großer finanzieller Anstrengung versucht man das Gebäude zu erhalten, an dem zwei Gleise als Haltepunkt an den einstigen Bahnhof mit starken Güterverkehr erinnern.

Bei der Spurensuche finden sich immer noch alte Relikte. Bis 1925 hieß der Ort nebst Bahnhof Roda, auf Grund der Lage am Fluß Roda sowie auch früher vorausgegangen Rodungen von Wäldern, die auf Ortsgründung und Nennung schließen lassen. Nach 1925 erhielten Ort und Bahnhof die Bezeichnung Stadtroda.

Ein Blick in die "City" von Stadtroda im Sommer 1970.

Hinter Stadtroda Richtung Hermsdorf verläuft die Strecke durch den Zeitzgrund, der schon immer zahlreiche Urlauber und Touristen anlockte. Im Bild von 1920 läßt sich die Schwierigkeit des Bahnbaues erkennen, der das Projekt bald scheitern lies. Dämme, Einschnitte die Geländeformation.


  ...aus der Fotokiste 4 Bilder vom Bahnhof Stadtroda vom 09. Juni 1999 vor dem Umbau


Das EG Stadtroda Blickrichtung aus Jena mit zeitgemäßem Bahnhofs WC anno 1999.

Die Güterabfertigung aus der Anfangszeit der Station Roda von der Straßenseite. Zahlreiche Pendler parken rund um den Bahnhof, da die Parkmöglichkeiten in Jena, Weimar und Erfurt eher bescheiden sind.

Vom Hausbahnsteig in Richtung Jena.

...und in Richtung Hermsdorf / Gera.

 

Papiermühle


Mitten im Wald liegt die Papiermühle, einst eine Mühle zur Herstellung des Papieres, später Ferienheim, zwei Wohnhäuser sonst Stille und Ruhe. Papiermühle war der touristische Mittelpunkt der Strecke, da aus allen Richtungen hier Wandersleut, Ausflügler und Erholungssuchende herkamen. Am Anfang nach dem Bahnbau wurde hier noch Holz verladen später nicht mehr. Im Winterhalbjahr und in der Woche lag der Bahnhof im "Dornröschenschlaf". Wochenenden und Sommermonate verursachten mitunter zwei bis drei Minuten Verspätung da sich das ein- bzw. aussteigen ganzer "Völkerscharen" immer etwas verzögerte. Von hier aus wie bereits erwähnt ging es nicht nur durch den Zeitzgrund auch wanderte man von hier zur Eisenberger Strecke durch die Landschaft in Richtung Bürgel, Serba oder Hainspitz bzw. umgekehrt. Der Reiz der Landschaft lockte zahlreiche Besucher hier her. Alten Erzählungen nach zu urteilen fuhren viele der älteren ein bis zweimal in den Zeitzgrund auf Grund seiner Lage, was für sich spricht. Sonst im allgemeinen lebt die Strecke nur vom Nahverkehr, dementsprechend wurden die "Anlagen gestaltet". Ab und zu ein privater Güter- oder Bauzug. Sonst kann man die Ruhe zwischen den Taktzügen im Zeitzgrund genießen.


Der Reiz des kleinen Bahnhofes hat seinen Charme trotz Stillegung noch nicht ganz verloren. EG mit VT 612 175 DB Regio Erfurt am 24.07.2014 mit RE 3708 Altenburg und RE 3628 Greiz - Erfurt ab Gera vereint bei der Durchfahrt.

Planmäßiger Halt der EB 80898 Gera-Weimar am 24.07.2014.

Dreiteilige EB Weimar-Gera im Berufsverkehr am Nachmittag des 24.07.2014, dabei setzt Thüringen auf Umwelt, "die Kraft der sechs Motoren".

Ersichtlich der landschaftliche Reiz der Papiermühle mit Bahnlinie und EG 1938.

Im gleichen Jahr die Papiermühle im Winter 38 / 39. Links im Hintergrund das EG.

Der Zeitzgrund zwischen Papiermühle und Hermsdorf 1900.

 

Hermsdorf - Klosterlausnitz


Ähnliche wirtschaftliche Situation wie im benachbarten Stadtroda. Ebenfalls Holzverladung örtliche Industrie, Gleisanschlüße, Beheimatung einer Kleinlok die zum Bw Gera gehörte. Hermsdorf war Schnellzugstation auf Grund des nahegelegenen Kurortes Bad Klosterlausnitz der schon ab 1810 erwähnt wird und man hier sehr gut "Kuren könne". Gerade in der Nähe zu den Sächsischen Industrieorten Zwickau, Chemnitz, Werdau, Crimmitschau, Leipzig, Zeitz, Leuna e.t.c. setzte Klosterlausnitz auf Grund der Nähe zu diesen Regionen und der guten Erreichbarkeit mit der Bahn bis heute auf Erfolg. Auch wenn ab den 30er Jahren durch die Nähe zur A 4 und A 9 zahlreiche Gäste mit Bus oder PKW anreisen hat die Gegend an Erholwert und Reiz nichts verloren. Auch hier ging es für die Pendler in beide Richtungen Gera, Jena, Weimar sowie per Bus nach Eisenberg und einige muteten sich sogar den Weg nach Zeitz zu, mit der Bahn über Gera ca.57 km. Zumal auch das Einzugsgebiet Hermsdorf / Klosterlausnitz mit ca. 14000 Einwohnern aufwarten kann. Dabei eignet sich der Gleisplan des Bahnhofes zur Umsetzung in ein Modellbahnthema. Gerade als Durchgangsbahnhof für eine stark befahrene Strecke mit Zuggattungen aller Art. Viel Spaß bei der Umsetzung.

 

Lageplan des Bahnhofes Hermsdorf-Klosterlausnitz in den 70er Jahren. Quelle: Günter Fromm, Erfurt

Ausschnitt einer Lithographie mit starker Beschädigung des Hermsdorfer Bahnhofes um 1900, mit einem heraneilenden Zug aus Richtung Jena.

Die Hermsdorfer Bahnhofstrasse im Sommer 1937. Wie in anderen Orten direkt am Bahnhof Gasthäuser, Hotels und gepflegte Gastlichkeit wie es damals hieß. Der Thüringer Hof war eine der beliebtesten Gasthäuser in Hermsdorf jener Zeit. Sonn- und Feiertags mit Gartenlokal, Unterhaltungsmusik und vielen anderen Annehmlichkeiten jener Zeit. Vermerkt auf der Karte ist es gab Vanilie und Schokoeis für 0,05 Pfennig die Kugel.

Hermsdorf 1905 läßt den Erholwert Hermsdorf und Umgebung auf dieser Karte erkennen.

Bahnhof Hermsdorf Blickrichtung Gera im Jahre 1915.

Hermsdorf mit Bahnhof und Busanschluß im Jahr 1965.

Wenige Jahre später vom Bild- und Heimatverlag, Hermsdorf 1968 mit Bahnhof.

Eine Postkarte von 1938 mit einem interessanten Motiv des Bahnhofes Hermsdorf. Neben den Länderbahn Flügelsignalen, Drahtzugleitungen auch ein G 10 der DR zur Beladung an der Güterabfertigung.

Ein gepflegter Eindruck am Bahnhof Hermsdorf Bahnhofsvorplatz wo sich im Sommer 1934 die Bahnhofsgaststätte mit großem Biergarten befand und zum verweilen einlud.

Bahnhof und Ortsansichten um 1900 von Hermsdorf.

Aus der gleichen Zeit um 1900 stammt diese Postkarte mit der Bezeichnung Klosterlausnitz. Rivalitäten zwischen den Orten wären durchaus denkbar. Wer bekommt die meisten Kurgäste.

Die landschaftlich reizvolle Umgebung rund um Hermsdorf erfreute sich bereits schon nach dem Krieg wieder großer Beliebtheit bei Touristen und Wanderern. Man versuchte wieder zur Normalität zurückzukehren. Selbst im Sommer 1951 erweckt der Bahnhof nebst Bahnhofsgaststätte in Hermsdorf eine beschauliche und erholsame Atmospäre.

Glücklicher Weise konnte das Hermsdorfer EG gerettet werden. Ein Privatier errichtete ein modernes Wohn-und Gewerbegebäude in ansprechendem Ambiente der Neuzeit und rettete dies vor dem Verfall. Äußerlich und innerlich hat das Gebäude bis auf seine alten Mauern nichts mehr mit dem alten EG zu tun, auch der Lärm am Bahnhof hält sich in Grenzen. So leiden Bewohner an Hauptstraßen unter größeren Belastungen des PKW und LKW Verkehres gerade in den Innenstädten. Blick auf das modernisiete EG am 26.01.2019.

Der Blick von der Bahnsteigseite auf das EG, daß noch zum Teil modernisiert werden muß. So zeigt sich der Anbau aus den 60er Jahren noch alten DDR Putz, der bis in die Neuzeit über 50 Jahre überlebte. So muß man dem Investor Lob und Anerkennung aussprechen so ein Gebäude zu erhalten und zu modernisieren. Gleis 1 vor dem EG sowie Bahnsteig 1 mit Überdachung wurde im Zuge des Umbaues weggerissen. Blick von der Gleisseite am 26.01.2019.

Es finden sich immer noch Relikte aus vergangenen Tagen. Am Gleis 1 befand sich dieses Nebengebäude, daß zum benachbarten Beamtenwohnhaus des Bahnhofes gehörte und den Charme der alten Zeit nochmal aufleben läßt als Dampflokomotiven in Hermsdorf fuhren. Alte Bahnhofsbeschriftung 26.01.2019.

Mit der Stillegung der Nebenstrecke Porstendorf - Eisenberg, die hauptsächlich für den Abtransport der landwirtschaftlichen Güter an den riesigen Feldflächen der Strecke sorgte, wurde Hermsdorf unmittelbar Umladestation der Güter für die ehemaligen Bahnhöfe Bürgel, Serba-Trotz und Hainspitz. Die Porstendorfer Strecke verlief ca. 8-10 km in nördlicher Richtung parallel zur Holzlandbahn. In den 70er Jahren wurde der Düngemittelschuppen am Bahnhof mit Gleisanschluß errichtet, der für zusätzlichen Güterverkehr aus Richtung Bad Salzungen sowie Mitteldeutschen Chemiefabriken sorgte. Noch erkennbar der Verlauf der Ladestraße und die Lage des Ladegleises. Zustand der Anlagen am 26.01.2019.

   

Kraftsdorf


Am Endes romantischen Zeitzgrundes befindet sich ca. 7 km östlich der Bahnhof Kraftsdorf, der neben Ortsgüteranlagen und Ladegleisen als Kreuzungs- und Überholungsbahnhof genutzt wurde. Auch hier fanden sich noch zahlreiche Wanderer und Touristen die von hier Richtung Klosterlausnitz / Hermsdorf oder über die Käseschenke Richtung Münchenbernsdorf wanderten. Ein Genesungs- und Erholungsheim sowie zahlreiche Villen der Ärzte, Bänker und Industriellen aus Gera fanden sich hier im Ort. Gera befindet sich knapp 10 km weiter, somit auch der Pendlerstrom hauptsächlich Richtung Gera bzw. Ronneburg, Schmölln, Zeitz bzw. nach Hermsdorf verlief.


Mit Eröffnung der Holzlandbahn und der Strecke nach Münchenbernsdorf, war die Käseschenke bei Kraftsdorf beliebtes Ausflugsziel, Sommerpension und lag auf halber Wegstrecke zwischen Kraftsdorf und "Bernsdorf". Gasthaus um 1911

Kartengruss an die liebe Martha von 1905, mit Bahnhof, Genesungsheim und Villenviertel.

Die Kraftsdorfer Dorfstraße in der Zeit um 1913.

Morgentlicher Berufsverkehr in die Bezirkshauptstadt Gera mit der 41 1182 unterwegs mit P 6005 Jena-Gera am Kraftsdorfer Stellwerk "Ko" im Sommer 1982.

Ausfahrt Frei in Kraftsdorf für 41 1036 im Frühjahr 1977. Planmäßige Göschwitzer Leistung P 6019 Gera-Jena.

 

Töppeln


Kreuzungsbahnhof und Vorort der Stadt Gera, von hier fuhren zahlreiche Pendler Richtung Gera, auch Schüler. Ländliche Randlage zu Gera, eher beschauliches und lokales Verkehrsaufkommen außerhalb der Pendlerzeiten am Bahnhof.In Töppeln selbst sowie in den umliegenden Orten befanden sich zahlreiche Landwirtschaftsgüter die für etwas Ladungsverkehr am Bahnhof im beschaulichem Maß sorgten.

 

Töppeln-Ortsteil Niederndorf 1907, was auf Grund der Gebäude und ländlichen Lage auf geringen Verkehr in Bezug zur Eisenbahn auch schließen läßt, da es durch strukturielle Voraussetzung und Beschäftigung in der Landwirtschaft so als von Gott gegeben hingenommen wurde. Auf deutsch gesagt, es war eben so.

Doch eine Aufnahme im Archiv gefunden. 41 1225 beförderte am 02.Juli 1986 den P 6018 Gera-Jena. Hier bei der Ausfahrt in Töppeln nach Sanierung der Bahnsteige mit Betonplatten.


Gera Thieschitz


Zwischen der Überleitstelle Töppeln bei km 62,0 und dem Geraer Hauptbahnhof befindet sich der Vorortbahnhof Thieschitz, der vornehmlich dem Personenverkehr vorbehalten war. Mit etwas Güterverkehr umliegender Firmen und etwas Berufsverkehr ein eher "ruhiger Posten", mit der weiteren Erweiterung der Stadt Gera in Richtung Thieschitz wurden regionale Buslinien verlängert, so das nach 1990 der Verkehrshalt in Thieschitz aufgegeben wurde zu Gunsten des ÖPNV in Stadtrandlage. Durch die nahe Lage zum Geraer Stadtzentrum ca. 3 km wurde der Bahnhof immer unbedeutender und fungierte fast nur noch als Kreuzungs- und Überholungsbahnhof für den Geraer Hbf. Leider fanden sich keine Bilder der Bahnanlagen.

 

Göschwitzer und Geraer 44er teilten sich 1978 die Güterzüge auf der Holzlandbahn. Buchfahrplanauszug mit Bespannung BR 44 und BR 120.

Güterverkehr oft ein "zähes Geschäft", wenn man auf die Fahrzeiten schaut 1984. Auf der teilweise eingleisigen Strecke kam es planmäßig zu Kreuzungen und Überholungen der Güterzüge. Oft langes Warten am Ausfahrtsignal. Problematisch wurde es bei Unregelmäßigkeiten und Verspätungen. So waren mitunter die Thermoskanne und die "Bemm Büchse" die einzigsten Freunde des Lokführers. Eine durchgehende Bespannung der BR 120 von Erfurt bis Zwickau. Lok- und Personalwechsel in Gera um 22:20 / 23:10. Dann kam die Nachtschicht und weiter ging es.In Zwickau wurden weitere Wagen angesetzt, Lokwechsel mit dem "Stromcontainer" BR 250 und weiter ging es nach Dresden Neustadt.