Bahnhofsrestaurants und andere Annehmlichkeiten


 

Eine Werbetafel aus den 40er Jahren sollte die Fahrgäste zum Besuch in einer Bahnhofsgaststätte animieren. Ist Bier in großen Mengen genoßen aus medizinischer Sicht nicht unbedingt ratsam, so galt es doch bis in die 70er Jahre als Volksgetränk Nr. 1. Auch wurden Bahnhofsgaststätten beim Umstieg immer wieder besucht, weil es gerade hier eine schmackhafte Biersorte im Bahnhofslokal gab.

Bahnhöfe sind Sehnsuchts- oder Schicksalsorte. Freud und Leid liegen oft eng beeinander. Willkommensfreude, Abschied, Emotionen in vielen Facetten. So galt es auch den Aufenthalt am Bahnhof angenehm zu gestalten. Neben Bahnhofsrestaurants fanden sich noch weitere Annehmlichkeiten am Bahnhof. Abschiedsszene Familienerinnerungen 1929 am Bahnhof Berlin Stettiner Bahnhof.

 

 Diese Ausführungen wurden allgemein gehalten, da sie sich auf jeden Bahnhof in fast gleichen Situationen vergleichen lassen.


Eingangsportalschild einer MITROPA Gaststätte, daß nach seiner Schließung in den 90er Jahren abmontiert wurde.

Sie waren besser als ihr Ruf...

 

...mittlerweile sterben sie aus...


...die Bahnhofswirtschaften...


 

Werbung ist alles. Streichholzschachtel, mit Werbeaufschriften waren die Renner nicht nur bei den Bahnhofswirtschaften jener Zeit.

1932 warb der Saalfelder Pächter der Bahnhofsgaststätte Ernst Zippel auf dieser Postkarte mit einem Saalfelder Stadt- und Gaststättenmotiv.


Auch sie waren Eisenbahngeschichte und Kulturgut.

Oft hörte man ein "Oh" oder abfällige Bemerkungen bei der Erwähnung von Bahnhofsgaststätten. Es ist ungerecht alle über "einen Kamm zu scheren". Ohne Zweifel gab es Gaststätten die Zurecht den Namen "Nahkampfdiele", "Kaschemme" oder "Dreckiger Löffel" hatten.             Es waren ja Gaststätten für Jedermann und mitunter saßen "500 Jahre Knast" verteilt um den Biertisch um dies Vornweg zu nehmen.  Schlägereien, Prostitution, Saufgelage waren durchaus "normal", was auch in den anderen Gasthäusern zahlreicher Ortschaften zu Tage trat ,nicht nur auf den Bahnhöfen. Oft waren die Bahnhofsgaststätten in "Straffer Hand" geführt auch war die Bahnpolizei in unmittelbarer Nähe, so das immer eine gewisse Grundordnung herrschte, man hatte ja auch einen Ruf gegenüber dem normalen Gast zu verteidigen. Schließlich sollten sich der Gast wohlfühlen. Denn an Bahnhöfen und Bahnhofsvierteln versammelten sich Personen aller sozialen Schichten.

Vor allen in Industriezentren gab es oft "tolle Kneipen" mit Bergbaukumpels, Hafen-, Industriearbeiter, u.s.w., da gab es die "Flotte Erna", den "Starken Max", "den Quietscher", "Panzerschrank Paul", "Schienen Willy", "Droschken Kurt", "Karpfen Trude"  u.s.w. alles Originale aus der Bahnhofszene so berichtet man. Gab es Tragödien, lustige Begebenheiten und nicht zu selten Mord und Totschlag. Jeder Schutzmann wie er damals genannt wurde weiß ein Lied über Bahnhofs-, Arbeiter- und Hafenkneipen zu singen. Denoch kannte man und akzeptierte sich. Man half sich auch untereinander und Schutzmänner haben auch mal einen über den Durst getrunken.

Oft schaute man auch mal in die andere Richtung. Aber der größte Teil der Bahnhofsgaststätten und Bahnhofshotels waren zu empfehlen und standen anderen Restaurants in Nichts nach.


1910 stellte sich der Inhaber des Bahnhofshotel`s in Schkeuditz für eine Werbekarte seiner Restauration in den Mittelpunkt, wärend Ehefrau und Tochter im Hintergrund verbleiben mußten nach damaligem Standesritual. Ein gepflegtes Hotel an der Hauptstrecke zwischen Leipzig und Halle was sich durchaus großer Beliebtheit erfreute. Auch die Einrichtung und der gepflegte Zustand stechen ins Auge.

Bahnhofsgaststätte Jena (Saalbf.) 1940 der Wartesaal I. und II. Klasse.
Etwas einfacher eingerichtet der Wartesaal III. Klasse 1940 im Saalbahnhof in Jena.

 

Mit dem Beginn der Bahn-und Streckenbauten bemühte man sich dem Reisenden, den Aufenthalt und die Wartezeit am Bahnsteig so angenehm wie möglich zu machen. Selbst wer sich den Besuch nicht leisten konnte hatte auf Bahnhöfen die Möglichkeit kostenlos Trinkwasser zu erhalten. So befanden sich Trinkwasserbecken oder Erfrischungsräume auf jedem Bahnhof zur "kleinen Körperpflege" und zur Ergänzung der persönlichen Trinkwasservorräte in Feldflaschen. Auch die Toilettenbenutzung war kostenlos möglich,dafür sorgte die Eisenbahn von Grund auf. Auch auf kleinen Stationen und Haltepunkten sorgten Haltepunktwärter und Bedienstete neben ihren dienstlichen Obliegenheiten für Sauberkeit und Annehmlichkeiten "am Bahnhof". So galt doch jeder kleine Haltepunkt auch als "Aushängeschild" für Bahn und den dazugehörigen Ort.

 

Bis in die 90er Jahre fand man noch zahlreiche Bahnhofsgaststätten, die im Zuge der Bahnreform, Streckenstillegungen einfach verschwunden sind. Mitunter unwiderbringliches regionales Kulturgut, tolle Gebäude und Einrichtungen. Dem möchte ich hier ein kleines Denkmal setzen zur Erinnerung. Es wird sicher hier und da noch einige Bahnhofsgaststätten geben, aber sie sterben langsam aus.

 

Neben der Versorgungs-und Beherbergungspflicht wurden die Gaststätten auch zur kostenlosen Beherbergungspflicht herangezogen. In den Nachstunden auf Umsteigebahnhöfen mußten die Räume zugänglich und geöffnet bleiben auch ohne Verzehr. In der Zeit von 00:00 Uhr bis 05:00 Uhr konnten alle Fahrgäste neben dem Warteraum auch das Restaurant benutzen aber nur mit gültiger Fahrkarte. Hier wurde im Winter geheizt und ein kleiner Imbiß wie Bockwurst, belegte Semmeln oder andere Kleinigkeiten und alkoholfreie Getränke standen zum Verkauf. Die Einhaltung des Alkoholverbotes wurde polizeilich kontrolliert. Ab 05:00 Uhr bis 24:00 Uhr wurde die Gaststätte wieder für Jedermann geöffnet zu DDR Zeiten war der Ausschank von Alkohol erst ab 09:00 Uhr erlaubt. Auch bei Witterungsbedingten Störungen oder verpaßten Anschlüßen gerade in der Nachtzeit waren diese Aufenthalte sehr geschätzt.

 

In kleineren Stationen standen dem Fahrgast Übernachtungsmöglichkeiten im Bahnhofshotel zur Verfügung, so konnte man mit gültiger Fahrkarte zu einem stark ermäßigten Tarif in einer einfachen Kammer Pritsche, Kissen, Wolldecke übernachten. Oder man nutzte die Möglichkeit die Zeit in geheizten Warteräumen 1.bis IV. Klasse zu überbrücken, die genau wie die Wagenklasse in den Ausstattungen gestaffelt waren.


Raum ist in der "Kleinsten Hütte", auf Grund des Bescheidenen Reisendenaufkommen der Kleinbahn Stade wurde auch das Bahnhofsrestaurant entsprechend in der Größe angepasst. Sicherlich ein gemütliches und gepflegtes kleines nettes Lokal in der Zeit der 20er Jahre, als dieses Bild entstand.
Auch der dazugehörige Biergarten am Kleinbahnhof lud zum Verweilen ein. Sicherlich nicht nur bei Fahrgästen geschätzt und beliebt, auch bei den Anwohnern (20er Jahre).

 

Bis zur Gründung der Mitropa waren die Restaurants und Hotels privat geführt. Neben der Versorgung von Fahrgästen waren hier gerade auf dem Land noch weitere "Standbeine" der Wirtsleute angesiedelt, z.B. Colonialwarenläden, Metzgereien, Bier-und Faßbrauseausschank (Krugausschank) im Straßenverkauf der gesondert lizensiert war, Brennstoffhandel meist Torf, Pferdeumspanne, Tankstelle mit KFZ Werkstatt, Post-und Bahnstation. Sogenannte Agenturen für den Verkauf von Briefmarken, Paketannahme und Ausgabe sowie Fahrkartenverkauf, Reisegepäck und Expressgut, auch durften unter den Voraussetzungen einer Prüfung Wagenladungen, Frachtbriefe und Güterverkehrsaufgaben ausgeführt werden. Besonders auf Schmalspur-und Nebenbahnen mit geringem Güterverkehrsaufkommen, wo sich der Einsatz eines Bahnbeschäftigten nicht rechnete wurden diese Aufgaben wargenommen. Auch die Annahme und Ausgabe von Stückgut im Güterverkehr konnte durchgeführt werden. Neben den hier aufgeführten "Standbeinen" besaßen die meisten Bahnhofswirte noch eine Land-bzw. Forstwirtschaft zur Eigenversorgung bzw. zur Nutzung der Landwirtschaftsprodukte im Gaststättenbetrieb bzw. Selbstversorgung und dem Holzhandel.


Einen gepflegten Eindruck übermittelt die Bahnhofsgaststätte Kirchenlaibach 1940, auf dem Kreuzungsbahnhof Nürnberg-Eger / Weiden-Bayreuth. Wo es je nach Fahrplanlage der Anschlußzüge oft zu Wartezeiten für die Fahrgäste kam.

 

Neben den eigenen Brauereien am Ort oder der Region wurden in großen Betrieben Unmengen von verschiedenen Bieren, Likören, Schnaps, Wein aus Deutschland und der weiten Welt ausgeschänkt. Wärend kleinere Betriebe die o.g. Verdienstmöglichkeiten nutzten, waren in den Städten größere Zuläufe an Gästen zu verzeichnen. Hier mußte man andere Annehmlichkeiten anbieten als frische Luft oder Blick zu den Bergen bzw. Seen. Kegelbahnen, Kino, Tanz-und Ballsäle, Schwimmbad waren hier gefragt.

 

Auf Grund teilweise großer Anbauten waren die Restaurants-und Hotels oft beliebte Ausflugsziele für Tanz-und Ballveranstaltungen auch auf dem Land. So bot sich die Verkehrsanbindung mit dem Zug, was auch genutzt wurde. So gab es nicht nur Abendveranstaltungen auch Tanznachmittage, Biergärten, Tanztee sorgte für Tagesbetrieb vorallem auf dem Land. Dazu war die Küche des Hauses geschätzt da auf dem Land oft gut, deftig und schmackhaft gekocht wurde. Oft taten es auch ein paar Spiegeleier mit Speck und Brot in jener Zeit.

Denoch war das Speise-und Getränkeangebot sehr vielfältig und schmackhaft, jeder Wirt hatte so sein "kleines Geheimnis" besondere regionale Küche, besondere Getränke, einen Biergarten oder Sonntags Blasmusik Konzerte um Besucher anzulocken. Es gab auch Gäste die einfach nur aus der Stadt heraus wollten und Ruhe sowie Erholung selbst am Bahnhof bekammen.

 

Eine der imposantestes Bahnhofsgaststätten war in Bebra direkt im Bahnhof mit großem Speise-und Ballsaal. Eine Karte von 1901 mit dem Innenraum des Restaurant sowie auch der Bahnanlagen Bebra`s zeugen von der Bedeutung und dem Stellenwert von Bahn und Restaurant in der Eisenbahnerstadt.

Eine Zeitungsanzeige des Bahnhofshotel`s in Groß-Neuhausen 1931 gelegen an der "Pfefferminzbahn" Großheringen-Cölleda-Sömmerda im Thüringer Becken verspricht zahlreiche Annehmlichkeiten.

1952 die Bahnhofsgaststätte mit Bedienung im Dessauer Hbf. Trotz Nachkriegszeit sauber,ordentlich und seriös.

Ebenfalls in den 50er Jahren der Nachkriegszeit entstand dieses Bild vom Bahnhofsrestaurant in Flensburg.

1952 wurde in der Karl-Marx-Städter Bahnhofsgaststätte beim Verzehr von Speisen auf die Abgabe der HO-Marken hingewiesen, da jedem Bürger nur ein gewisses Verpflegungs Budget täglich zustand. Bei einem durchschnittlichen Verdienst von 150,00 bis 200,00 Mark der DDR "stolze Preise".

 

Mit der Gründung der Mitropa, der Mitteleuropäischen Schlaf-und Speisewagen Aktiengesellschaft kamen die ersten Betriebe unter dieses Firmendach. Sie wurden zwar weiter durch ihre alten Besitzer geführt aber Einkauf-, Preisgestaltung, Pacht, Warenlieferanten wurden einheitlich.  Bei der Pacht wurden die Bahnhofsklassen zugrundegelegt die Kategorien der Bahnhöfe von A bis E. Unterschiedliche Pachtzahlungen nach Größe (Kategorie) des Bahnhofes. So zahlte der Bahnhofswirt in Berlin mehr wie der in Lobenstein. Übernommen wurden nur Betriebe auf Bahngelände, Autobahnraststätten und Flughäfen sowie der Speise- und Schlafwagenverkehr. Bezeichnet wurde die Gaststätten auch mit I.und II. Klasse. Z.B. Selbstbedienung wurde als II.Klasse bezeichnet und preiswert sowie Gaststätte mit Bedienung wurde als i.Klasse bezeichnet, gehobener und etwas teurer.


Nach 1945 erfolgte in der DDR die gesamte Verstaatlichung der Bahnhofsgaststätten unter dem Dach der Mitropa. Einige wenige waren Kommisionsgaststätten, halb privat, halb staatlich. Bahnhofsgaststätten und Bahnhofshotels die sich nicht auf Bahngelände befanden wurden vom Konsum bzw. der HO als Hauptträger übernommen und verstaatlicht.


In der Bundesrepublik "kam die DSG zum Zug", beließ alles bei ihren Besitzern, die Eigenwirtschaftlich handeln und wirtschaften mußten. Es gab ebenfalls die Einstufung nach Kategorien aus der DRG Zeit Pacht wurde an die DB bzw. DSG gezahlt. Staatlich auferlegte Zwänge gab es nicht. Meist waren auch Brauereien mit im Bahnhofsgewerbe integriert und finanzierten die Einrichtung mit Vertrag und Abnahme von gewissen Biermengen zur Ablösung des Einrichtungskredites.


Die Bahnhofsgaststätte im Grenzbahnhöf Büchen Strecke Hamburg-Berlin im Stil der 70er Jahre.


Bis in die 90er Jahre gingen die Bahnhofsgaststätten in Deutschland wie überall üblich getrennte Wege. Die Probleme, der Kult, die Sorgen waren überall gleich. Mit der Gründung der DB AG und Weggang vieler Fahrgäste wurden immer mehr Betriebe geschloßen. Teils aus Altersgründen, Wegfall von Strecken und Zügen. Auch auf Grund der Einführung der Taktangebote im Nah-und Fernverkehr mit geringer Umsteigezeit führten zur Schließung. Einige Private überlebten, aber ihre Existenz wird heute durch Imbiß und Fast Food Angebote bestimmt. Cafe to go, Döner, Baguette u.s.w. alles nur Schnell, Schnell. Niveauvolles Essen auf Porzelantellern bzw. das Essen genießen hat heute keinen Platz mehr in der Gesellschaft. Immer mehr Ketten bestimmen den Bahnhofsalltag, auf kleinen Bahnhöfen "gähnende Leere" auf Grund hoher Mietforderungen. Die o.g. Kategoriepacht nach Größe der Bahnhöfe wurde abgeschafft man formulierte es Gleichbehandlung gegenüber allen Mietern.  Es gibt nur noch Einheitsmietpreise mit Mietpreisen bis zu 65,00 € pro Qudratmeter so spricht man unter vorgehaltener Hand egal ob in der Großstadt oder auf dem Dorf. Sowie auch von Mindestanmietflächen die sich dann je nach Miete, Nebenkosten zzgl. gesetzlicher Mehrwertsteuer auf Drei-bis Fünftausend Euro belaufen können. Es entsteht eine Philosophie des Leerstandes, daß sich leere Gebäude ohne Mieter und Unkosten besser rechnen und positiv auf die Bilanz auswirken. Somit stirbt bewußt gewollt die gute alte Bahnhofswirtschaft in Deutschland als Teil unseres Lebens- und Kulturgutes aus.


Klein aber Fein das Bahnhofsrestaurant in Hammelburg an der Fränkischen Saalebahn Bad Kissingen - Gemünden gelegen war im Juni 2012 noch geöffnet. Die Eingangstür zum Lokal aus den 30er Jahren.

Ein Blick in die Kleine Bahnhofswirtschaft in Hammelburg mit einer Einrichtung aus den 60er und 70er Jahren die nostalgische Erinnerungen weckt, und Seriös und Bodenständig wirkt.

Das markante Gebrauchsgeschirr der DDR Gaststätten weiß mit grüner Umrandung aus dem Fabrikationsjahr 1982 war auch bei der Mitropa im Einsatz.

Als noch geraucht werden durfte der Glasaschenbecher aus Mitropa Beständen, Produktionsjahr 1977.

Bierdeckel aus der Saalfelder Bahnhofsgaststätte 1980.

Meist waren es Souvenire Kaffeekannen, Gläser, Aschenbecher e.t.c. mit den Inizialen der Gaststätten oder Hotels. Kaffekanne von 1925 des Bahnhofshotel Rotenburg (Wümme) bei Hannover.Gut besuchte und geführte Häuser konnten sich ihr "Eigenes Inventar" leisten, was von großer Beliebtheit und Zuspruch deutete.

In den 60er Jahren gab der Besitzer des Bahnhofs Hotel in Rotenburg diese Grußkarte für seine Gäste heraus.

Ein recht imposantes Gebäude das Bahnhofshotel in Köthen 1966 aus der Gründerzeit.

Der Ort Mellenbach-Glasbach Strecke Rottenbach-Katzhütte verfügt auch heute noch über ein Bahnhofshotel, gegenüber des Bahnhofes. Auf Grund der geringen Größe des Bahnhofes und der wenigen Fahrgäste der Nebenbahn ergab sich keine Möglichkeit im Bahnhof eine Gaststätte einzurichten. Neben zahlreichen Ausflugszielen der Umgebung gab es auch zahlreiche Annehmlichkeiten im Ort z.B. das Schwimmbad.

Auch im mecklenburgischen Ferdinandshof gab es oben rechts eine Bahnhofsgaststätte im Ambiente der damaligen Gebäudeszene. Aber die Konkurenz zog nach unten links mit einer modernen Speisegaststätte im Neubaugebiet 1973.

Das Angebot der Mitropa in Bad Elster 1989, daß Highlight "Karlsbader Schnitte" mit Ananas für 5,70 M !!!

Der kleine Ort Rabenstein in Sachsen bei Chemnitz verfügte über ein gutgeführtes Bahnhofshotel mit Biergarten, wo es gerade im Sommerhalbjahr turbulent zuging. Der rührige Besitzer sorgte 1936 für Musik, Tanz und angenehme Atmosphäre.

Auf der Rückseite der Postkarte befand sich zusätzlich noch folgende Werbung bzw. Kundeninformation, die auf einen erstklassig geführten Betrieb schließen läßt.

Modernes Ambiente einer MITROPA Speisekarte aus den 80er Jahren.

Nach einer Renovierung und Umbau erhielt man in Lübecker Hbf in den 70er Jahren diese Postkarte vom Bahnhofsrestaurant im Stil jener Zeit.

Ebenfalls in den 70er Jahren stand man in Saßnitz in der Bahnhofsgaststätte im modernen Ambiente in nichts nach. Grund dafür waren Devisenträchtige Geschäfte mit den Fahrgästen der Eisenbahnfähre von Saßnitz nach Schweden.

Neben den Gaststätten und Bahnhofshotels fanden sich auch kleine Läden aller Art in den Bahnhöfen. Dieser kleine Lebensmittelladen befand sich in den 60er Jahren im Bahnhof Berlin Grunewald und war bei Fahrgästen und Anwohnern sehr beliebt. Nicht nur wegen der hübschen Verkäuferin auch wegen seines reichhaltigen Sortimentes und den Wochenend Öffnungszeiten.

Wie hier am U-Bahnhof Zehlendorf luden zahlreiche Geschäfte ihre Kunden mit zahlreichen Annehmlichkeiten ein. Je nach Bahnhofsgröße und Standort befanden sich in solchen Geschäftspassagen zahlreiche Läden mit Waren aller Art, wie hier in Zehlendorf 1934.
Bockwurst war schon immer eines der beliebtesten "Essvergnügen" der Deutschen. So wurde "Bockwurst Scholtze" im Görlitzer Bahnhof in Berlin neben anderen Bockwursthändlern einer der Großen. Gab es doch hier besonders schmackhafte Wurstwaren ob warm oder kalt aller Art. Der Erfolg gab ihm recht, konnte er doch 1920 eine eigene Postkarte mit Eigenwerbung herausgeben. Sicher ein "Schmackhafter Anlaufpunkt" am Görlitzer. Wohl bekommt`s.

Ebenfalls ein "Blitzsauberes Hotel", daß Bahnhofshotel Stralsund in der Epoche IV 1973. Fahrzeuge, Gebäude geben auch Anregung für die Modelleisenbahn.

Aus der selben Epoche 1973 das Modernisierte Bahnhofsrestaurant in Waren an der Müritz mit zeitgemäßem Verkehrsaufkommen.

Selbst auf Neben- und Schmalspurbahnen gab es Bahnhöfe mit Bewirtschaftung. Der Kiosk und die Gaststätte im Bahnhof Drei Annen Hohne erfreute sich bei Touristen und Urlaubern der Harzregion großer Beliebtheit. (1972)

 

 Weitere Annehmlichkeiten für Reisende, was sonst noch dazu gehörte und gehört


In erster Linie waren die Bahnhofsrestaurants der "Mittelpunkt" im Reisegeschehen der Bahn, denoch gab es weitere Annehmlichkeiten auf Reisen. Auf angenehme Art und Weise wurde versucht das Reisen zu überbrücken, nicht nur mit Speisen und Getränken. Es ist sicher unumstößlich, daß auch das wirtschaftliche Interesse und die Vermarktung der Räumlichkeiten nicht von unbedeutenden Interesse war. So mußten doch die Räume sinnvoll genutzt werden. Oft waren es auch nur Kleinigkeiten die das Reisen angenehm machten. Aber nicht nur Reisende nutzten die Annehmlichkeiten auch Laufkundschaft oder Ortsfremde bei ihrer Durchreise suchten und fanden am Bahnhof meist das passende Geschäft. Neben den Bahntypischen Geschäften fanden sich auch gerade in Städten am Bahnhof weitere Einkaufs- und Servicemöglichkeiten.


Der Bahnhof sollte anziehend und optisch Attraktiv sein, ein Willkommens Schild und entsprechend angenehm in Erinnerung bleiben. Höchster Anspruch war Sauberkeit.


Diese prachtvolle Anlage war der Bahnhofsvorplatz des Würzburger Hbf um 1910.

Selbst auch kleinere Stationen bzw. Haltepunkte vermitteln optisch einen sauberen Eindruck wie der "Arnstädter Südbahnhof" an der Strecke Neudietendorf-Schweinfurt um 1912.

Nicht nur größere Anlagen, Bahnhofsvorplätze wurden von den Beschäftigten verschönert. Auch mancher Eisenbahn Pachtgarten erblühte an der Strecke. Dazu zählten nicht nur Gärten und Beete auch Grünflächen, Kleingehölze und Bäume wurden gepflegt. Durch den geringen Pachtbetrag an die Eisenbahn übernahmen die Nutzer die Grundstückspflege und hatten somit eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, Brennholz und Futter für ihre Haustiere. Pachtgarten am Bahnhof Krölpa-Ranis der Bahnhofsbewohner 1974.

Nicht nur Grünanlagen, Wege, Plätze und Straßen mußten von den Bediensteten gepflegt und gereinigt werden, auch wärend der Zugpausen erfolgte Gleis-und Weichenreinigung. Im Gleisbereich wurde Unkraut, Müll und Dreck beseitigt und die Weichen mußten ebenfalls von Dreck, altem Fett und sonstigen Rückständen gereinigt werden. Auch Frauen mußten bei diesen Arbeiten mit ran, Weichenpflege zweier DR Beschäftigten 1978 im Bahnhof Krölpa-Ranis.

 

1.) Zeitungs Kiosk und Telefonzellen


Mit der weiteren Erhöhung des Informations- und Kommunikationsbedürfnisses "schoßen" die Kioske und Öffentlichen Telephon Apparate wie Pilze aus dem Boden. Nicht nur in den Innenstädten auch an Bahnhöfen, Zentralhaltestellen im Nahverkehr fand man sie. Neben Zeitungen, Zeitschriften, Magazinen, Bücher gab es noch weitere Sortimente wie Schreibwaren, Lotto, Süß- und Spielwaren, Filme, Annahme von Fotoarbeiten, Wanderkarten, Fahrpläne, Verkauf von Nahverkehrsfahrscheinen Bus, Strassen, S-,U-Bahn oder Schiffslinien, Tabakwaren, Briefmarken, Postannahme z.B. Briefe und Karten. Meist befanden sich am Bahnhof auch noch Briefkästen der Post.


Kleines Beispiel der Zeitungs Kiosk am Bahnhof mit Telefonzelle aus dem Auhagen Sortiment.

Privatbild, Onkel Paul vor einer Telefonzelle 1930 in Berlin. Zeitgenößisches Dokument vor einem Bahnhof mit einem Telephonhäuschen jener Zeit.

Gepflegter Bahnhofsvorplatz, ein Cigarren Kiosk direkt am Bahnhof Wilhelmshaven 1939. Annehmlichkeiten für Passanten und Fahrgäste.

 

2.) Warter- und Erfrischungsräume, Wasserversorgung


In der Frühzeit der Eisenbahne waren Warteräume nach der Wagenklasse gekennzeichnet beginnend von der Ersten bis zur Vierten Wagenklasse in größeren Stationen. In kleineren Bahnhöfen gab es nur einen Warteraum oder Wartesaal wie sie genannt wurden. Zu den Grundausstattungen zählten Bänke, Tische, Stühle, Garderobenständer, Papierkörbe, Heizungen bzw. Öfen. Meist waren Wartesäle in Bereiche mit und ohne Verzehr geteilt. Denoch wurde auch bedient. Die Nutzung von Wartebereichen in Bahnhofsgaststätten wurde dem Bahnhofswirt honoriert in der Pachtermäßigung auf Grund der Personal-, Heizungs- und Stromkosten. Neben den Warteräumen stellte die Eisenbahn ihren Fahrgästen auch kostenlos Trinkwasser zur Verfügung, im Winter angewärmt. Oft an Empfangsgebäuden ersichtlich Anschlüße von Waschbecken und Wasserhähnen zur Erfrischung, Waschmöglichkeit und Auffüllen der Persönlichen Wasservorräte. In größeren Bahnhöfen gab es auch Erfrischungsräume.

 

Wartesaal des Darmstädter Hbf 1929 links Wartebereich, rechts hinter dem Pfeiler der Verzehrbereich.

Der Bahnhof Waltersdorf in Schlesien um 1936 mit seinem kleinen Wartesaal II.Klasse erweckt einen anständigen und gepflegten Eindruck.

Selbst kleinste Stationen besaßen zumindest eine Handpumpe an der sich Reisende etwas erfrischen konnten, ihre Hände waschen. Auch wenn es kein Trinkwasser war füllte man seine Feld-und Trinkflaschen hier nach. Es galt ein gewisser Grundservice für Reisende. Auch wurde hier das Wasser für Diensträume bzw. Dienstwohnungen entnommen bevor zentrale Leitungen verlegt wurden.

Warteräume, Bahnhofsbänke auf einem Berliner Vorortbahnhof 1930.

Etwas Trinkwasser für die Reisenden. Heute noch teilweise als Relikt an Empfangsgebäuden erkennbar. Trinkwasserbecken zum Teil einfach in Emailie oder auch etwas anspruchsvoller in Stein gehauen wie hier im Bahnhof Jossa am 03.07.2019.

 

3.) Toiletten


Für die persönliche Notdurft wurden in fast allen Bahnhöfen und Haltepunkten WC errichtet, nicht nur wegen der Hygiene die Vorrang hatte auch um Unhygienische Zustände rund um die Bahnanlagen zu vermeiden. So gab es alles vom Groß WC mit Pachtvertrag, Pisoir und Bretterbuden mit Schlüßel beim Wärter aber es gab sie. Entsorgt wurden diese kleineren WC nicht über örtliche Leitungen sondern bis in die 50er Jahre mit Fäkalienwagen der Eisenbahn. Hier wurde mittels Pumpe und Reinigungsschlauch die "Angelegenheit bereinigt". Heute ist es oft nicht mehr selbstverständlich ein WC vorzufinden. Die Anlagen wurden demontiert bzw. finden sich im katastrophalen Zustand. In Großbahnhöfen selbstverständlich aber es geht um die Bahnhöfe in der Fläche.


Sicher nicht das "Top Thema" aber selbst auf kleinsten Stationen war das Verrichten der Notdurft gewährleistet. Pfiff auch der Wind durch manche Bretterbude, egal es war und ist ein nicht unwichtiges Zubehör am Bahnhof. Selbst Kleinbahnstationen verfügten über Gebäude aller Art oft in Zusammenhang mit Neben-oder Stallgebäuden.


4.) Automaten


Auch oft völlig unbeachtet sind Automaten am Bahnhof. Denoch freut sich der Reisende wenn er Nachts wärend der Schließzeiten hier noch ein Getränk oder etwas Essbares findet. Hoch im Kurs stehen Zigarettenautomaten. Ebenso Hygieneautomaten und Automaten zur Befriedung "persönlicher Gelüste", deren Nutzung oft in Anonümität und in den Nachtstunden stattfand. Gab es auch Zeitungs-und Filmautomaten. Hierzu zählen auch Fahrkartenautomaten der Neuzeit, die auf Grund Personaleinsparung hoch im Kurs stehen. Der Automat ist rund um die Uhr im Einsatz, ist nicht Krank und braucht keinen Urlaub.


Nachbildung eines authentischen Fahrkartenautomaten in HO mit Modellen der Firma Faller.


5.) Weitere Geschäfte und Annehmlichkeiten


Durch Fahrplanbedingte längere Aufenthaltszeiten in früheren Jahren entwickelte sich im und um den Bahnhof eine Einkaufs- und Vergnügungsmeile. Neben Geschäften, Restaurants und Automaten waren auf vielen Bahnhöfen unterschiedliche Geschäftszweige vertreten, ja auch das "Vergnügungsgewerbe der Horizontalen Arbeitsstellung", Bar`s, Etablisiements, Puff`s, Striptisbar u.s.w.. Es gab aber durchaus noch mehr, Postgebäude, Banken, Sparkassen, Auto- und Fahrradvermietungen, Kino, Bibiliotheken, Schreibsäle, Apotheken, Reisebüro`s, Bahnhofsmission, Ärzte, Souvenierläden, Blumenläden, Geschäfte mit Lebensmittel, Gemüse und Obst, Getränken, Rauchwaren, Haushalt- und Textilwaren um nur grob das zu nennen was häufig im und um den Bahnhof anzutreffen war. An kleineren Bahnhöfen befanden sich die Geschäfte in der Bahnhofstrasse oder Bahnhofsplatz, so das hier der Aufenthalt für Reisende angenehm überbrückt werden konnte. So lebten diese Geschäfte nicht nur von der Stammkundschaft, sondern auch von zahlreicher Laufkundschaft oder durchreisenden Gästen, und sie lebten gut. Oft galten regionale Waren in damaliger Zeit als "Geheimtip" z.B. gute Wurst, Brot, Fisch oder eingelegtes Gemüse aller Art oder guter Käse, Bier und Schnaps.

Geschäfte auch auf den kleinsten Bahnhöfen und Haltestellen. Selbst da befanden sich Gasthäuser mit Pension, Colonialwarenläden, die von den Fahrgästen der Bahn lebten. Mitunter in ländlichen Regionen befanden sich in diesen Geschäften auch die Billiett und Gepäckagenturen der Bahn und Post.


So war doch der Bahnhof ein eigenständiges Wirtschaftsgebiet mit unterschiedlichen Angeboten und einer vielzahl gutgehender Geschäfte.


Neben den Geschäften und Vergnügungen aller Art, befanden sich auf Knotenbahnhöfen Kino`s, die rund um die Uhr geöffnet hatten. Nicht nur Kino`s in Bahnhofsnähe, sondern selbst im Bahnhof die Bahnhofs- bzw. Zeitkinos. Mitunter auch kleinere Räume mit geringer Sitzplatzkapazität oder in Nebenräumen der Bahnhofsrestaurationen.  Im Leipziger Hbf auf der Sächsischen Seite (Ostseite) befand sich das Zeitkino. In Nürnberg im Ausgangsbereich Westseite / Verkehrsmuseum ebenfalls ein Kino.  Neben den großen Kinosälen bei Land-und Bahnhofsgaststätten gab es auch meist an Wochenenden den Landfilm, Filmvorführer die über Land zogen und ihre Filme neben den Bahnreisenden auch den Ortsbewohnern präsentierten und den Wirten Gäste und Kundschaft brachten.


Unmittelbar am Bahnhof in Bad Berneck im Fichtelgebirge befanden sich Cafe mit Conditorei, Metzgerei und ein Zeitungskiosk. Aufnahme von 1938.

Nicht nur im wahren Leben, auch im Modell gibt es die "Paradies Bar" von Faller in 1:87. Bringt Leben rund um den Bahnhof.

Im Kibri Gebäudesortiment findet sich noch die gute alte Eckkneipe "Zum Stern", eine Bierwirtschaft wie sie vor Jahren noch anzutreffen war und in der sich Passanten und Fahrgäste vom Bahnhof trafen und oft "versackten".

Für angenehmen Aufenthalt und zur Überbrückung der Wartezeiten befand sich in Oldenburg diese Bahnhofsbibiliothek, die mit gültiger Fahrkarte 1940 genutzt werden durfte.

Welche Wertschätzung der Fahrgast bei der Eisenbahn erfuhr wird mit diesem Bild deutlich. So befand sich seit den 20er Jahren in Vorpswede am Bahnhof eine angebaute Veranda für die Fahrgäste. Hell, Gemütlich, Tischdecken und Aschenbecher. Sicherlich gab es auch Verpflegung und Getränke. Heute nennt man es Lounge, dessen Zugang nicht allen Fahrgästen gewährt wird.

Selbst die Post bot seit Anbeginn des Bahnverkehres ihren Service an. Neben Briefkästen, Postämtern, später Automaten, Telefonzellen und Post Kiosken konnte der Fahrgast bzw. jeder Passant seine bereits frankierte Post in Postwagen im Zug einwerfen oder einem Postbediensteten übergeben. Richtungsschild eines Bahnpostwagens im Personenzug Leipzig-Saalfeld 1928.

Selbstverständlich gab es weitere Annehmlichkeiten für Bahnreisende, die auch von Ort zu Ort variierten. So wurde dem Fahrgast das Reisen so angenehm wie möglich gemacht.