Wenig Industrie, Bergbau, Forst- und Landwirtschaft, Handwerk und Handel die Einkommensquellen in der Zeit vor dem Bahnbau


Die Anfänge der Saalfelder Bahngeschichte reichen bis in die Zeit um 1850 zurück, in jener Zeit als sich Industrielle, Bankkaufleute, Politiker für den Bahnbau stark machten. Erste Eisenbahncomitees wie sie genannt wurden gründeten sich in Jena, Saalfeld und Pößneck. Später in weiteren Orten der Region. Durch bereits bestehende und neugegründete Bahnlinien wurde ein Eisenbahnfieber entfacht. Man sprach vom Fortschritt der Dampfkraft. Zu gleicher Zeit hielt der Dampfwagen auf Rädern und die Dampfmaschine Einzug, einmal zur preiswerten und schnellen Beförderung von Gütern und Menschen.


Bäuerliches Leben um 1890 in der Nähe von Gräfenthal, leider war der Ort nicht näher beschrieben.

Ansicht eines Wohnhauses in Zopten Landkreis Saalfeld um 1906.

 

Waren es doch zum Teil abgelegene Bergdörfer mit bescheidenen Einkommensmöglichkeiten. So herrschte zum großen Teil bitterste Armut, Lange Zeit der einzigste Broterwerb der Bergbau rund um Saalfeld teilweise schon seit dem 13.Jahrhundert. Wasserkraft trieb Hammerwerke und Mühlen an, etwas Land- und Forstwirtschaft, hier und da Steinbrüche, Sägewerke und in nördlicheren Gebieten die Töpfereien sowie zahlreiche Porzelan und Glasbläserwerkstätten.

Etwas Schiefergewerbe, sprich Dachschindel, Schiefertafeln, Griffel, sowie zahlreiche Flößer auf der Saale. Großen Einfluß auf die Wirtschaft übten die Handels Messen und Handelsplätze Leipzig, Nürnberg und Frankfurt auf die Wirtschaftliche Entwicklung der Region aus. Ein Handelsfluß aus der Mittelalterzeit, der mit beginnender Industrialisierung wuchs. So gab es Pferdetransporte um vorallem Bergbauprodukte, Spielwaren, Schieferprodukte, Glaswaren und Christbaumschmuck zu transportieren. Der Ruf nach schnelleren und billigeren Transportmitteln wurde immer lauter. Gerade Spielzeuge aus Holz, "Merbeln", (bunte Murmeln aus einem tonartigem Gemisch), Puppen, Teddy`s wurden oft in Tage- oder Nächtelanger Arbeit per Hand gefertigt und waren beliebt. In vielen kleinen Orten war die Heimarbeit in vielen Branchen oft der einzige Broterwerb im Überlebenskampf des täglichen Lebens.

Per Tragkorb ging es dann meist zu Fuß zu den Märkten und Handelsplätzen. Der Weg war beschwerlich, Wetter, Überfälle durch Räuberisches Gesindel oder gar Trunksucht führten zu menschlichen Tragödien, Unfälle oder gar Tod das war der Preis den manch einer dafür zahlen mußte.

Der geringe Lohn war oft schnell "verjubelt", so nahmen oft Frauen den harten Weg auf sich, sie liefen in Gruppen und oft über Nacht zu den Handelsplätzen um das Geld für die Familie zusammen zu halten.


Überall in der Gegend und in den Wäldern trieb sich räuberisches Gesindel herum, daß Fuhrwerke, Boten oder Heimarbeiter überfiel und alles erbeutete was zu Geld und Schnaps gemacht werden konnte. Viele gingen nur noch mit Geleitschutz und im Treck um sich derer zu erwehren. So lebten rund um in den Wäldern "grausige Gesellen" die in Windeseile Menschen erstachen, Köpfe mit Äxten abschlugen oder Menschen verbluten ließen, die oft auch erst viele Wochen oder Tage später, oft auch im Frühjahr nach der Schneeschmelze gefunden wurden. Selbst vor Kindern machten diese nicht Halt. Auch durch Wilderei mit Schußwaffen, gerieten oft Fuhrleute, Passanten in Bedrängnis und es ereigneten sich "böse Geschichten".


Um 1500 begannen zahlreiche Fuhrleute ihr Geschäft mit Frachtfahrten und auch der Beginn der Postkutschen brachte einige Städte zusammen. Hauptsächlich die Handelsstrasse Nürnberg - Leipzig einmal über Hof, Altenburg und über Bamberg, Saalfeld lies die Region etwas erblühen. Zahlreiche Handelsleute kamen in die Region. Auch war ein "üppiger" Güterverkehr auf den Strassen unterwegs.  Frachtwagen nach Sonneberg, Coburg, Jena und Gera waren ab Saalfeld am häufigsten unterwegs und verbanden die damaligen "Wirtschaftszentren" jener Zeit. Gerade Feingut wie Glas und Porzelan fand auf den großen Handelsplätzen Nürnberg und Leipzig rasanten Absatz.


Beklagenswert waren auch die schlechten Strassen und Wege der Region, ausgewaschen, ausgefahren, bis zu einem Meter tiefe Spurrinnen, so das Wagenböden aufsetzten. Steigungen die an die Substanz von Mensch und Tier gingen. Gab es doch Wege die "Kniebreche", "Marterle" oder "Ochsenschinde" hießen was diesbezüglich alles aussagt. Durch die schlechte Verkehrswege Lage kam es auch zu Unmengen von Unfällen. Auszüge aus Polizeiakten oder Kirchenbüchern belegen dies. So fand sich folgender mundartähnlicher Eintrag mit folgenden Wortlaut um 1620.


" Su sey een Christian Liebermann, vum Woaan foahlen, sey Rahder seyen ihn driber gangen. Zwee Been hat`s ihn abfahr`n, so das er todt liegenbliehm is", er sey sthorm un sie hahn ihn erscht Toage spater im Walde funnen, sey Fraa blieb doa mit sieben Kind...., mor haat nit mahr viel funnen vum Christian, de Fiecher haan viel vorttraan un gefraasen..." (Eintrag in einer Mundartschrift, man schrieb wie man sprach)


Auch einer der wichtigsten Anlaufpunkte der Fuhrleute und Überlandboten war die Kalte Küche an der Abzweigung nach Tettau, Gräfenthal, Spechtsbrunn / Sonneberg. Hier kreuzten sich Fuhrmannswege in alle drei Richtungen. Mit 699 Meter einer der höchsten Punkte auf den beschwerlichen Wegen. Über die Kalte Küche sollte auch einst eine Bahnstrecke von Tettau nach Gräfenthal geführt werden. (1993)

Erinnerung an das Fuhrmannswesen in Gräfenthal.

Neben der "Unteren Juche" befindet sich in Gräfenthal auch die "Obere Juche", deren Existenz aus der Fuhrmannszeit stammt. Waren doch Fuhr-und Handelsleute glücklich und zufrieden wenn sie die steilen Strecken von Reichmannsdorf / Saalfeld sowie von Tettau / Kalte Küche kommend unbeschadet überstanden haben.

Die hinter dem Ort Buchbach b. Gräfenthal beginnende Wegsteigung des Handelsweges nach Sonneberg und Coburg läßt die Belastung und die Schwierigkeiten noch heute erkennen, unter denen Zugtiere und Menschen litten. Von hier steigt der Handelsweg unaufhörlich bis zur Kalten Küche an.

Von der Kalten Küche kommend führte der Handelsweg im Gefälle durch das Fuhrmannsstädtchen Gräfenthal hindurch. Durch die Coburger Straße weiter in die am Ort anschließende starke Steigung nach Reichmannsdorf, Hoheneiche, Arnsgereuth, Saalfeld. Blick am 21.02.2019 auf die Coburger Straße in Gräfenthal und den Gräfenthaler Viadukt, der von rechts nach links weiter nach Sonneberg führte.

 

Die Stadt Gräfenthal kann auf eine Jahrhunderte Geschichte des Fuhrmannswesens zurückblicken, es finden sich noch heute einige Relikte aus jener Zeit. Nicht nur die rund um Gräfenthal verlaufenden Fuhrmannsstraßen auch erinnern heute noch Gedenktafeln an das Gräfenthaler Fuhrmannswesen. So war Gräfenthal ein Drehkreuz des Waren-und Gütertransportes bis 1910. Die Bewohner lebten vom Fuhrmannswesen in verschiedenen Gewerben Pferdestationen, Wirtshäuser, Schmieden, Ausspannen, das örtliche Handwerk.

Örtliche Geschäfte, Schneidereien und Textilhersteller lebten vom Fuhrmannswesen und Warentransport. Ebenso feines Porzelan war gefragt und wurde von hier in alle Richtungen transportiert. Auch Polizei und Gerichtbarkeit hatten ein wachsames Auge auf die Fuhrleute nebst der Entrichtung der Zölle, Fuhrmanns-und Wegegebühr. Auch Trunkenheit, Schlägerei, Zechprellerei Mord und andere Verbrechen wurde hier geahndet mit dem Bau eines Gefängnisses.


Steile Wege führten von Gräfenthal über Creunitz bzw. Buchbach zur Kalten Küche,nach Tettau, Sonneberg und Coburg. Auch der Aufstieg über Großneundorf, Reichmannsdorf, Hoheneiche, Arnsgereuth nach Saalfeld war beschwerlich aber kürzer als über Probstzella, Caulsdorf es sei den die Fuhrwerke gingen über Caulsdorf, Könitz, Pößneck Richtung Gera und Leipzig. Auch der Transport von Holz, Schiefer, Gesteinsmaterial, Erzen ging mittels Fuhrwerken in alle Richtungen.

 

Eine der bekanntesten Rast-und Logierhäuser war das Gasthaus "Zum Roten Hirsch im grünen Wald" in Hoheneiche. Bereits vor 1835 bestand hier eine Fuhrmannsstation auf der Saalfelder Höhe für Fuhrwerke nach Neuhaus, Sonneberg, Coburg, Saalfeld und Leipzig. Auch später war hier ab 1835 eine Post-und Logierstation, in der Postsachen verladen wurden und Fahrgäste der Postkutschen übernachteten. Gerade auf den Saalfelder Höhen ließ der Winter nicht lange auf sich warten, waren doch Wege oft monatelang zugeweht und verschloßen, so das Fuhrwerke pausieren mußten oder Umwege in Kauf nehmen mußten. Heute befindet sich hier eines der gepflegtesten Restaurants und Hotels der Saalfelder Umgebung.

Auf ihrer beschwerliche Reise suchten Passagiere und Fuhrleute auch oft Gotteshäuser auf die am Wege lagen.So auch die kleine Ortschaft Hoheneiche mit ihrer Michaeliskirche. Diese war nicht nur für die Gemeinden der Umgebung ein Zufluchtsort auch suchten die Fremden hier Andacht und Fürbitte auf ihren Reisen, aus Angst vor Überfällen, Räubern, Bitten um Gesundheit sowie Gottes Seegen und eine glückliche Fahrt. In zahlreichen Kirchenbüchern gibt es Eintragungen über Ereignisse in jener Zeit.

Nicht nur das sehr gute Speisen- und Getränkeangebot in der "Hohen Eiche" war bei Einheimischen und Touristen beliebt, auch die malerische Umgebung lud zu Wanderungen und Ausflügen ein. Etwas PKW Tourismus 1939. So ging es doch ab den 30er Jahren mit der Post-und Überlandlinie von Saalfeld Richtung Neuhaus wesentlich bequemer zu dem beliebten Ausflugslokal. Der familiäre Plan sah den Aufstieg mit dem Bus vor und den Rückmarsch ca. 10 km bergab nach Saalfeld, was nicht immer Begeisterungsstürme hervorrief.

 

Auf Grund der zahlreichen Überfälle und sonstigen Ereignisse bot man den Postkutschen und Fuhrwerken Geleitschutz an. Gerade Postkutschen mit Wert- und Geldsendungen oder ihre Passagiere meist guter Mittelstand oder gut Betuchte Fahrgäste wurden erbarmungslos überfallen und getötet.

In den ersten Jahren der Eisenbahn wurden ebenfalls Züge überfalle, Personal überwältigt um in den Post- und Gepäckwagen an wertvolle Frachten zu gelangen. Meist konnte dies aber abgewehrt werden. Solche "Cowboy-Geschichten" spielten sich auch auf vielen Eisenbahnstrecken Deutschlands ab, an Einschnitten, Steigungen oder Stellen an denen langsam gefahren werden mußte fanden oft Überfälle auf Passagiere bzw. Wertsendungen der Post statt. 


Nach 1650 begann auch das Netz von Postkutschenverbindungen ab Saalfeld zu wachsen. Man fand dazu folgende Notiz.

"...in Saalfd (Saalfeld) giehd`s ganz schiehne zu, doe foahrn gar viel sulche Postkutschen rum", dann janzen Tag hin un har. Ei Verkehr auf dan Stroßen, mer muss schu acht gahm, wenn mer auf`s annere Dreddoiere will..., a in der Blankenburscher Strasse is auf dam Briefamt ein Verkehr, Postkutschen, Frachtkarren un viele Leit`, die immer zu zur Post laafen. Mer mecht gern wisse was doa su alles los ist..." Itze kannst vun Saalfd iberall hin foahre sugar bis off Gorndorf mit dr Postkutsche. Doa kannste frih hin und Oahmd zuriecke mit der Beesnecker Post." (Pößnecker Postkutsche) Der damalige Ort Gorndorf liegt zwischen Saalfeld und Unterwellenborn vom Markt in Saalfeld bis zur Kirche Gorndorf ca. 3 km Entfernung. Heute ist Gorndorf ein Saalfelder Stadtteil.

(Geschrieben in einer mundartlichen Glosse in der Saalfelder Zeitung)


Handelsweg Verbindungen für Fuhrwerke


Coburg - Sonneberg - Spechtsbrunn - Gräfenthal - Saalfeld - Pößneck - Gera - Zeitz - Leipzig


Nürnberg - Kronach - Tettau - Gräfenthal - Saalfeld bis Leipzig


Nürnberg - Kronach - Saalfeld


Saalfeld - Jena - Naumburg - Halle


Saalfeld - Gotha - Fulda - Frankfurt


Saalfeld - Erfurt


Saalfeld - Hof - Eger - Prag


Saalfeld - Hof - Marktredwitz - Regensburg


Der östliche Haupthandelsweg von Regensburg bzw. Nürnberg kommend, der über Hof - Schleiz - Gera nach Leipzig führte war ebenfalls für Handelstransporte und Warentransport unverzichtbar. Märkte in Hof und Plauen auf denen Textilwaren und Böhmische Waren gehandelt wurden waren interessant.


Dazu kamen zahlreiche Querverbindungen zwischen den Handelswegen.


Hauptverbindungen waren:


Saalfeld - Kahla - Jena ca. 50 km,

Rudolstadt Umstieg Richtung Erfurt und Weimar, Kahla Umstieg nach Weimar und Jena Umstieg nach Weimar, Camburg-Naumburg diese Orte waren Postkutschen Kreuzungsstationen


Saalfeld - Neustadt (Orla) ca. 33 km mit Umstieg nach Gera, dabei bildete Neustadt ein Kreuzungspunkt der Postkutschenlinien von Hof und Schleiz nach Jena über Stadtroda


Saalfeld - Probstzella - Gräfenthal ca. 35 km

Saalfeld - Königsee - Ilmenau ca. 45 km

Saalfeld - Katzhütte - Ilmenau ca. 52 km

Saalfeld - Arnsgereuth - Neuhaus a.Rwg. ca. 25 km

Saalfeld - Leutenberg ca. 20 km

Saalfeld - Pößneck ca. 19 km als Tagesverbindung


Erinnerungspostkarte an den Postkutschenverkehr in Saalfeld um 1860. Postkutsche in der Saalstraße auf dem Weg zur Posthauptstation in der Blankenburger Straße, dem heutigen Restaurant "Alte Post".

Ab 1870 / 1880 starb die Postkutsche mit der Errichtung zahlreicher Bahnlinien aus. War doch der Passagierzug ein schnelleres Fortbewegungsmittel und konnten Postsendungen schneller, sicherer und komfortabler in Postwagen transportiert werden. Postkutschen Schaffner wurden Postwagenbegleiter und wurden im Eisenbahn Postverkehr eingesetzt. Auch in Saalfeld wurde dies praktiziert Umschulung zum Postwagenschaffner ab 1871 bis 1885. Lediglich Überland Postwagen verkehrten von Saalfeld zu den örtlichen Poststationen ohne Bahnanschluß. Bereits 1850 entstand dieses Bild, das das Ende der einstigen Postkutsche aufzeigte. Gab es doch noch einige Postkutschenlinien, die zunehmenst eingestellt wurden.


Die Fahrzeiten betrugen mitunter Stunden und Tage und verfügten an den Endpunkten über weiterführende Anschlüße.


Einmal wöchentlich bestand die Möglichkeit Fernfahrten nach Bamberg, Altenburg, Sonneberg, Zwickau im Saalfelder Postamt zu buchen. Durchschnittliche Fahrtdauer 2,5 Tage mit Übernachtungen in Posthotels.


Abfahrt vieler Postkutschen am Saalfelder Hauptpostamt, in der Blankenburger Strasse. Dem heutigen Restaurant "Zur alten Post", hier findet der aufmerksame Betrachter auch heute noch Relikte aus jener Zeit. Ein Teil der Gaststube der ehemalige Kutscherkeller mit seiner spartanischen Decke läßt auf eine Gaststube jener Zeit schließen. Dieser Gastraum war den Kutschern und ihren Gehilfen sowie Gefolge vorbehalten. Im heutigen großen Gastraum befanden sich Dienst-, Schalter- und Warteräume und ein weiterer Schankraum. Bereits ab 1780 kamen wöchentliche bzw. tägliche Postkutschenverbindungen in die Stadt Saalfeld. Ab jener Zeit sprach sich unter wohlhabenden Bürgern der Erholungswert der Berge, die frische und gesunde Luft und klare Quellen des Waldes herum. So das auf den Strecken nach Neuhaus, Gräfenthal und Schwarzburg die ersten Sommergäste unterwegs waren. Auch fürchtete man sich in die Tiefe der Berge und Schluchten zu begeben aus Angst vor Überfällen. So das das Land links und rechts oder dahinter wie man es nannte aus Angst gemieden wurde, da den Menschen aus Not und Elend kaum Überlebenschancen oder Verdienstmöglichkeiten blieben.


1878 entstand diese Aufnahme der Saalfelder Überlandpostkutsche auf ihrer Fahrt von Saalfeld Poststation Blankenburger Strasse auf die Saalfelder Höhen nach Arnsgereuth und zurück. Von Arnsgereuth aus wurden die umliegenden Orte per Boten mit Post beliefert. Hier übergibt der Postschaffner einem Anwohner in Garnsdorf seine Post. Bezeichnung am Wagen - "Annahme von Päckchen". Auch war die Pferdedecke mit dem Eigentumsmerkmalen "HM" gekennzeichnet. Postdirektion Herzogtum Meiningen.


Versendung von Nachrichten, Eilpost und wichtigen Informationen erfolgte mit Botenposten zu Fuß oder zu Pferde, ebenfalls ab Saalfeld. Weiterhin verfügten Städte, Gemeinden, Ämter, Gerichte, Polizei und Militär über eigene Boten. Vom umliegenden Land, in denen keine Postkutschenverbindungen bestanden, wurde Briefpost mit Boten von und nach Saalfeld zum Hauptpostamt befördert. Meist nur zweimal wöchentlich und im Winter oft garnicht wenn Wege, Täler, Strassen verweht und zugeschneit waren.


Mit Eröffnung der Bahnlinie Halle / Leipzig - Corbetha - Weißenfels - Erfurt und weiter nach Fulda und Frankfurt rückte der Bahnbau in Saalfeld in greifbare Nähe nicht nur mit gegründeten Eisenbahncomitees sondern auch schon mit Plänen und Projekten. In erster Linie waren es die Bergwerksbesitzer die hier Interesse anmeldeten und die Forstwirtschaft, die ihre Produkte als Industrie- und Baumaterial Weltweit verkaufen wollten. Die Nachfrage diesbezüglich war sehr groß, wuchsen doch ab 1800 mit der Industrialisierung Städte und Gemeinden.


Man staunte, das der Dampfwagen zwei Dutzend "Lori" mit Kohle ziehen konnte wo früher fast vier Dutzend Fuhrwerke notwendig waren, da ein "Lori" ca. das doppelte eines Fuhrwagens erfassen konnte. Auch konnten Baumstämme auf Eisenrädern hinwegrollen, es war unvorstellbar das sich alles mit der Bahnentwicklung und des Bahnbaues schneller bewegte und entwickelte. Zahlreiche Ortschaften haben ihre Entstehung dem Bahnbau und der sich damit verbundenen Industrieansiedlung zu verdanken.

Orte entstanden erst mit der Bahn, wo vorher ein bis zwei Bauernhöfe und eine Mühle standen.


Nicht nur Industrie- und Bergwerksgüter rollten durch die Lande auch fremde Speisen und Delikatesen, Schlachtvieh, Bier und Glasschmuck, Spielwaren wurden befördert und aus anderen Regionen transportiert. Gerade das geliebte Bier war eines der Haupttransportgüter jener Zeit. So schoßen Dampf- und Bierbrauereien "wie Pilze aus dem Boden", auch Mineralbrunnengesellschaften bildeten sich und boten besonders Heilwasser gegen zahlreiche Krankheiten jener Zeit an.


Die große Welle der Industrialisierung begann um 1880 mit der Gründung und dem Bau zahlreicher Fabriken und Gewerke gerade in den Orten entlang der Eisenbahnlinien. Mit dem Industrieausbau begann auch der schrittweise Ausbau vieler Städte und Stadtteile mit den damaligen Hinterhof Wohnhäusern, in denen sich Arbeiterfamilien ansiedelten. Bis weit in die 50er Jahre war der tägliche Fußmarsch von 10-15 km einfache Entfernung keine Seltenheit. Mitunter auch von kleineren Ortschaften zum nächsten Bahnhof oder einer Busstation. Dabei waren Arbeit- und Wegzeiten von 12 bis 16 Stunden durchaus üblich, wenn man am Arbeitsort keine Herberge fand. - also ein überlebtes Phänomän das bis in die heutige Zeit anhält in Bezug auf Arbeit, Arbeits- und Wegezeit.


Allmählich nach 1900 strukturierten sich viele Regionen und Orte so das Wohnung und Arbeitsort relativ nah beieinander lagen. Mit der Schaffung zahlreicher Arbeiterzugverbindungen zu den Früh- und Nachmittagsstunden und Schichtzeiten wuchsen zahlreiche Großbetriebe auf "tausende Arbeitsplätze" an. Maßgeblich für die hohe Arbeitskräftebindung war die "billige Arbeitskraft", wenig Maschinen, viel Handarbeit, Kinder- und Frauenarbeit die noch geringer als Männer bezahlt worden sind. Eine fortschreitende Industrieentwicklung qualifizierte auch die Arbeit und erbrachte immer höhere Gewinne. Was wiederum einen schnelleren Eisenbahntransport und auch umfangreiche Neuerungen im Eisenbahnwesen zur Folge hatte. Gerade nach 1900 bis ca. 1920 verloren viele Bahnhöfe ihr "einfaches Aussehen" aus Zeiten der Eisenbahngründung. Bahnhöfe wurden ausgebaut, modernisiert mit Stellwerken ausgestattet, moderne Signale, moderne Rangierarbeit und auch größere und leistungsfähigere Fahrzeuge wurden entwickelt. Im Bahnbau erfolgte der Streckenausbau auf die Zulassung schwererer, längerer und größerer Fahrzeuge. Die Erhöhung der Tragfähigkeit der Gleise wurde entwickelt, es kam zur Einführung von Streckenklassen (schwer,mittel,leicht) die dem Gleisbau- und Oberbauzustand sowie der Tragfähigkeit von Brücken geschuldet war.


Mit dem Bahnbau entwickelte sich nicht nur die Industrie, auch die Regionen wurden erschlossen mit Sehenswürdigkeiten, Hotels, Pensionen, Kuranstalten was ganze "Heerscharren" von Touristen in alle Regionen Deutschlands brachte die sich auf den Kurgast oder Touristen "spezialisierten".


Insgesamt profitierten ganze Regionen, Städte, Gemeinden vom Bahnbau nicht nur wegen des Personentransportes, auch mit dem Güterverkehr entwickelte sich Kleinindustrie, Kleingewerbe, Handwerk, Handel die zur Belebung vieler Ortsbilder beitrugen, Arbeitsplätze vor Ort binden konnten und auch großen wirtschaftlichen Erfolg verbuchten.


An einem Beispiel des kleinen Ortes Gabe Gottes soll verdeutlicht werden wie sich das Leben mit dem Bahnbau entwickelte in Punkto Gewerbe und Eisenbahn. Die Angaben schwanken mitunter durch ungenaue Aufzeichnungen nach Erreichen des Rentenalters oder Tod, bzw. Zu- und Wegzug, Kündigung oder Krankheit.


Bahnhof Gabe Gottes - Mitarbeiter

1.) Bahnhofsvorstand

2.) Stationsbeamte - Fahrdienstleiter

3.) Fahrkarten und Güterverkehrs Expeditient - Verkauf von Fahrkarten und Abwicklung des Güterverkehres Be- und Entladung, Bereitstellung, Abholung der Wagen

4.) Lehrjungen je nach Einstellung 1. bis 3. Lehrjahr


Personalbestand ca. 10 Mitarbeiter


Schieferbergbau Gabe Gottes ca. 80 Mitarbeiter

Brauerei ca. 20 Mitarbeiter

Gasthof und Pensionen ca. 12 Personen

Poststation ca. 5 Mitarbeiter

Kleingewerbe / Handwerk ca. 5 Personen

Forstwirtschaft ca. 10 Personen

Landwirtschaft ca. 20 Personen


Arbeitsplätze im Ort ca. 162 Arbeitsplätze gegenüber der Einwohnerzahl von ca. 75 Einwohnern im Ort !!! Hinzu kamen noch Saison- bzw. Hilfskräfte über das Jahr verteilt, die in verschiedenen Gewerken Anstellung fanden.


Im Jahr 2017 = 0 Arbeitsplätze am Ort bei ca. 60 Einwohnern


An einem simplen Beispiel läßt sich die Bedeutung des Bahnbaues veranschaulichen in Bezug auf die regionale Entwicklung. Hier nur an einem kleinen Ort der Bahnstrecke Berlin-München. Solche Enwicklungen in größerem Maße waren ab 1880 bis 1920 in den Bahnbaujahren überall zu verzeichnen.


Gebäude- und Anlagen für die "Ewigkeit",

das Leben mit und um den Bahnhof


Jeder Architekt, Baufachmann weiß, wie und unter welchen Umständen vor ca. 150 bis 200 Jahren gebaut wurde, die Anfänge von Bahnbauten reichen ja bis 1835 zurück und einige haben überlebt. Man sprach von Baukunst und Handwerk, jeder Bauherr auch die Eisenbahn achtete streng auf Regeln der Sparsamkeit, der Funktionalität, Ausstrahlung und Bedeutung der Gebäude sowie auch auf Langlebigkeit. Verwendung fanden Materialien die es im nächsten Umkreis gab, Holz, Schiefer, Ton, Lehm, Sand- und Felssteine um die gröbsten Baustoffe zu benennen. Hinzu kamen Veredlungen mit Zement, Kalk, Ziegelsteinen gelb / rot, Kalksteine. Das waren oft die gebrächlichsten Materialien zum Bau der Anlagen. Stahl gab es nur für Gleise, Weichen später Brücken, vor 1900 wurden diese aus Holz und Stein gebaut. Signale gab es mit Holzmasten und Signalmittel waren aus geflechteten Korbmaterialien oder Korbbalons, später aus Metall. Zubehör aus Metall bzw. Metall Legierungen. Z.B. Lampen, Arbeitsgeräte

Gebäude und Anlagen wurden für die Ewigkeit errichtet mit wetterbeständigen Baumaterial, bzw. Materialien, die in der Erneuerung preiswert waren z.B. Lehm für Fachwerke oder Lehmziegel und Fachwerkbauten auch Holz.

Dachkonstruktionen sowie überstehende bzw. überdeckende Dächer schützten das Mauerwerk vor Feuchtigkeit, Schnee und Unwetter, man kannte das Thema Gebäude Drainage noch nicht.

So schützte man Gebäude und Anlagen vor der Feuchtigkeit. Holz wurde meist mit Teer oder Karboleum getränkt um eine lange Haltbarkeit zu erzielen sowie dem "Holzwurm" vorzubeugen, dazu kam der Schutz durch Mauerwerke und Verhinderung das Nässe an Wänden und Gebäuden aufsteigen konnte.

Auch Anstriche, Putze und Verfugungen aus Kalk entzogen den Mauern Feuchtigkeit und sorgten für optimale Verhältnisse innen und außen an den Gebäuden.

Dies sind die Grundgeheimnisse des langen Überlebens der Bahngebäude bis in die heutige Zeit.


Neben der Langlebigkeit, mußten die Gebäude vorallem Empfangsgebäude entsprechend in ihrem Aussehen eine Präsenz ausstrahlen. Mit dem Bahnhof wollte man sich präsentieren. Der Bahnhof war das Aushängeschild der Wirtschaft, der Bevölkerung, des Handwerkes, der Regionalität sowie ein Vorzeigeprojekt für die Reisenden im vorbeifahrenden oder haltenden Zug. Nicht nur in seinen Grundzügen, Schmuckleisen, Verzierungen, Türmchen Anbauten,Erkern oder baulichen Besonderheiten sollte man den Bahnhof schlechthin von weiten schon erkennen, auch zählte die Gestaltung der Anlagen Blumenkästen, Rabatten, Bäume, der Bahnhofsvorplatz, Grünanlagen, Springbrunnen mit zur Präsentation. Mit seiner Entstehung war der Bahnhof ein Gebäude der besonderen Art und trug zum positiven Erscheinungsbild der Region und des jeweiligen Ortes mit bei. Auch Bahnanlagen in Industrieregionen galten in ihren Grundzügen als gepflegt und ordentlich. Hinzu kamen neben den Bahnamtlichen Institutionen wie Dienst- und Warteräume auch Geschäfte, Kioske, Bahnhofsgaststätten, Hotels, Gast-und Logierhäuser oder andere Gewerbe in Bahnhofsnähe. Mitunter bildete sich auch rund um den Bahnhof verschiedene "Institutionen" der "Besonderen Art" auch Kriminalität ,Lustbarkeit und Prostitution heraus. Es gab Bahnhöfe, da gab es einfach alles in schumrigen Seitengassen oder um den Bahnhof, was sich bis in die heutige Zeit nicht verhindern läßt. Auch entwickelten sich hier Bahnhofskneipen deren Ruf nicht der "Beste" war. Das "Milieu" konnte sich zum großen Teil neben persönlicher Veranlagung auch nur durch wirtschaftliche Not, persönliches Schicksal, Armut entwickeln. Keiner wird zum Säufer geboren, keine Frau wird freiwillig zur Prostituierten.

So entwickelte sich rund um den Bahnhof ein vielfältiges Leben von A bis Z und auch wer etwas erleben will oder wollte setzt sich auf eine Bahnhofsbank und beobachtet das Treiben. Man kann so seine Studien machen.

Auch das Leben im Bahnhof florierte, neben dem öffentlichen Teil gab es auch den privaten Teil. Dienstwohnungen der Beschäftigten, gepflegte Gärten am Bahnhof, private Gemächer, Nebengelass, Schuppen für Brennholz, Kleintiere, Waschhäuser, Kantinen, Werkstätten, Kegelbahnen, Sport- und Freizeitanlagen. Mit all diesen Facetten umfangreichen Lebens kann man sich mit der Erforschung von Geschichte und History beschäftigen. Oft sind es kleine Begebenheiten die nicht ins Gewicht fallen und Abseits der großen Strecken passieren und hier und da schon lange in Vergessenheit geraten sind. So aber sei auch nicht die Arbeit der Bahnhofsmissionen unerwähnt sein, die manchem in einer Notsituation weiterhelfen konnten oder dafür sorgten, daß manche Reise einen glücklichen Verlauf nahm.


Sei noch zu bemerken, das Bahnhöfe nicht nur Orte der Sehnsucht, des Abschiedes, der Tränen und der Freude sind und waren. Auch die Geschäfte, die Restaurants, die Gewerke trugen zu einem Gesamtbild in und um den Bahnhof bei. So waren es oft auch Bahnhofsrestaurationen die durch ihre vorzügliche Küche und gute Gastronomie weit hin bekannt waren. So hatte die Saalfelder Bahnhofsrestauration unter einem Pächter Namens Böhme einen so pikant guten Ruf durch die hervorragenden Speisen, daß es oft vorkam, das bei Sonderzügen in Saalfeld ein Extrahalt beantragt wurde um hier mit der Gesellschaft zu Speisen. Weit in die Lande war die Gans aus dem Ofenrohr gefüllt mit Äpfeln sowie Rotkohl und Thüringer Klößen geschätzt und begehrt. Nicht nur Gäste der Sonder- und Extrazüge schätzten die Gans, auch versäumte mancher seinen Zug oder übernachtete wegen der Gans hier in Saalfeld. Natürlich waren solche Speisen oder Besonderheiten in vielen Bahnhofsrestaurationen anzutreffen und begehrt und man schätzte den Aufenthalt auf den Umstiegsstationen. Das die Bahnhofswirtschaft einen hohen Stellenwert besaß läßt sich daraus erkennen, daß viele Wirtsleute mit ihrer Wirtschaft oder Restaurant auch Reklame und Aushängeschild zu gleich für den jeweiligen Bahnhof waren, mit gepflegten Gasträumen, Biergärten und vielen anderen Annehmlichkeiten.


Flößer und Schiffer auf der Saale


Bereits frühzeitig ab dem 17.Jahrhundert wurde die Möglichkeit der Flößerei auf der Saale und Schwarza genutzt. Vom Lobensteiner Oberland und aus dem Schwarzatale wurde Holz bis Jena, Camburg, Naumburg, Weißenfels und Halle geflößt. Die hier ansässigen Holzhändler verbrachten das Holz zuerst mittels Fuhrwerk, später mit dem Bau der Thüringer Bahn Corbetha-Erfurt auf den ersten Bahnstrecken. Wenig überliefert ist auch von der Schiffbarkeit der Saale, hier war ein Warentransport schon frühzeitig möglich in flachen Staakkähnen, die sich ab Saalfeld Stromabwärts bis in nördliche Regionen bewegten. Der Warentransport war sehr gering. Der Ausbau der Saale als schiffbare Wasserstrasse ab Großheringen in Richtung Süden erfolgte nie. Mit Kleinschiffen heute noch befahrbar ab Großheringen bis Halle, ab Halle erfolgt der Einsatz von Schubverbänden nach Norden. Einige Industrielle entlang der Saale machten sich den Fluß zu Nutze, denoch ruhte der Hauptverkehr auf den Fracht- und Postkutschenverbindungen jener Zeit bis zum Bahnbau.


Im Raum Camburg / Großheringen befinden sich noch heute zahlreiche Relikte und Inschriften, die an die Zeit der Flößerei auf der Saale und den blühenden Holzhandel erinnern. Inschrift eines Gebäudes in Großheringen, was an eine Holzgroßhandlung aus früheren Tagen erinnert. Ab 1920 wurde fast alles per Bahn aus den Waldgegenden zu Bauplätzen und Holzlagern abgefahren und die Flößerei wurde eingestellt.

Im Jahre 1941 gab es denoch etwas Flößerei auf der Saale. Hier in Eichicht unmittelbar an der "Blauen Brücke" waren Holzflöße verankert wärend die Flößer einkehrten. Ursprünglich galt aber die Aufmerksamkeit des Fotografen der "Blauen Brücke", auf der die Gleise der Anschlußbahn Eichicht - Hohenwarthe hinüberführten. Die Strecke die zur Versorgung der Baustelle des Pumpspeicherwerkes, der Materialversorgung und dem Transport von Arbeitskräften sowie Ausflüglern gebaut wurde. Im Hintergrund Gebäude erkennbar, die sich in Nähe des Eichichter Bahnhofes befinden wo die Strecke abzweigt. Das Bild entstand von der Uferseite der Saale auf der sich die Verbindungsstraße zur Staumauer befindet.

 

Geographische Lage der Stadt Saalfeld und seiner Ortsteile


Einst durch Mönche gegründet das fruchtbare Feld an der Saale, hier gedeihet gut Pflanz und Wild, auch der Wein sei ein vorzüglicher der hier an der Saale geerntet wurde. Der schöne Fluß der gen Norden fließet birgt Fisch für einen vorzüglichen Verzehr. Mit der Rodung der Waldflächen um Saalfeld und der Ansiedlung der Benediktiner und Franziskaner Mönche Entstehung der Klöster bzw. Abteien. Offenbar muß es den Zeitgenoßen und Mönchen in jener Zeit recht gut hier gefallen haben. Erwähnt wurde auch ein mildes und vortreffliches Klima im Saaletal, was zu einer recht guten Entwicklung der Landwirtschaft führte. Nennenswert sei auch der Weinanbau, der sich an den Hügeln heute zwischen Bahnhof und Ortsteil Gorndorf mit guter Neigung und Südwestlage entlangzog. Gebräuchlichste Bezeichnung bis in die heutige Zeit, "Kellers Weinberg". Neben der Kloster und Stadtgründung, enstanden noch weitere 6 Ortschaften rund um Saalfeld zum Teil mit eigenen evangelischen Kirchgemeinde und Kirchen.


Der Stadtinnenbereich wurde durch den Marktplatz, das Rathaus, ein Kloster und die Stadtkirche später Johanneskirche begründet.

Die Stadtbebauung vollzog sich im Stadtinneren der Stadtmauern, was heute mittels Stadtführung gut nachvollzogen werden kann. Die vier Stadttore führte Wege, Handels-und Heeresstrassen in alle Richtungen. Saalfeld galt mit als eines der Drehkreuze im Deutschen Handels-und Warenverkehr. Nicht wegen des Absatzes der Waren, die Kaufleute untereinander tauschten und verkauften ihre Waren durch sich kreuzende Transporte.


Rund um die Stadt fanden sich sechs Gemeinden (Garnsdorf, Wöhlsdorf, Remschütz, Gorndorf, Köditz und Obernitz). Heute ist das Gebiet vom Stadtzentrum bis zu den damaligen Gemeinden zum großen Teil bebaut und die Ortsteile sind innerhalb der Stadt Saalfeld integriert. Saalfeld selbst kreuzten zwei Handelswege von Caulsdorf kommend die Strassen aus Lobenstein und Kronach / Probstzella / Gräfenthal der südlich herankam und in nördlicher Richtung nach Schwarza und von dort nach Königsee / Stadtilm / Arnstadt / Erfurt bzw. Rudolstadt / Jena / Camburg führte. Der stärker befahrenste Handelsweg kam südwestlich aus Coburg / Sonneberg / Neuhaus im Ortsteil Garnsdorf in die Stadt, führte über den Markt und nordöstlich weiter über Pößneck / Gera / Zeitz nach Leipzig. Zwischen den skizzierten Ortsteilen und der Stadt, befanden sich Wälder, Wiesen und Äcker, da die Ortsteile und die Stadt selbst zum großen Teil durch Land-und Forstwesen geprägt waren.  Das Leben in Saalfeld war vom Handwerk und der Kleinindustrie geprägt. Haupteinnahmequellen waren Bergbau, Sägewerke, etwas Eisenindustrie, Porzelan und kleinere verarbeitende Gewerke.

Unterhalb des Saal Tores soll sich eine Schiffsanlagestelle befunden haben, an der mit Staakkähnen bzw. Flößen Waren nach Jena / Camburg / Halle Saaleabwärts transportiert wurden. Ebenso bis nach 1920 war auf der Saale eine starker Flößerverkehr vom Oberland in Richtung Jena / Camburg. Hier befanden sich größere Holzlagerplätze und mit Errichtung der Thüringer Bahn konnte das Holz ab Großheringen mit der Bahn noch schneller und billiger abtransportiert werden. Saalfeld galt aber auch als Warenumschlagplatz zwischen den jeweiligen Handelsrichtungen. Neben den erwähnten Produkten wurden von hier umfangreiche Mengen an Erzen, Schiefer und anderen Bergbauprodukten verladen und verschickt. Ab 1800 mit Entstehung zahlreicher Gießereien, Schmelzhütten und Eisenwerken waren gerade Zuschlagstoffe und Erze begehrt, die mit Fuhrwerken abtransportiert werden mußten. In der weiteren Entwicklung waren unerläßliche Industriezweige in ihrer Entstehung rund um Saalfeld. Neben dem Bergbau, der Textilindustrie in Pößneck und Neustadt (Orla), zahlreichen Porzellanfabriken, dem Schieferhandwerk, mußten die Produkte immer weiterund schneller abtransportiert werden. Auch die Holzkohle aus einheimischen Wäldern genügte nicht mehr. Kohle aus den Zeitzer Reviren war begehrt zur schnelleren Produktion, auch der Einzug der Dampfmaschine erforderte Unmengen von Kohle. Die Pläne um 1850 eines Bahnhofes am Oberen Tor wurden auf Grund der Lage sowie umfangreicher Zusatzkosten nicht weiter verfolgt, was als teuer empfunden wurde die Weiterführung der Strecke über einen Zahnstangen Abschnitt Richtung Obernitz einer großen Brücke über die Saale und von dort weiter nach Hof. Erster Orientierungspunkt war Hof mit dem Anschluß an Sächsische und Bayerische Linien. Ein weiterer Orientierungspunkt war Sonneberg und Coburg wo ebenfalls zahlreiche Industrien und Handelsplätze entstanden und von dort die Weiterführung nach Bamberg / Nürnberg möglich war. Planer des Saalfelder Bahnhofes erkannten frühzeitig Kosten, teure Streckenführung und die zukünftige Stadtentwicklung und entschieden sich ab 1868 für die heutige Lage des Saalfelder Bahnhofes. Zumal die damalige Lage völlig unverbaut war und sich nach 1871 am Bahnhof zahlreiche Industriefirmen ansiedelten was ab da zu einer weiteren und schnelleren Stadtbebauung am Bahnhof führte. Geplant waren auch Haltestellen in den Ortsteilen Gorndorf (Richtung Gera) und Wöhlsdorf (vorher zur Saalbahn, später Richtung Arnstadt).

Je weiter man von Saalfeld in Richtung Wald, Oberland fuhr, desto ärmer wurden die Bewohner und die Regionen. Nicht nur durch geringe Verdienstmöglichkeiten auch die geographische Lage auf den Höhen mit 4 bis 5 Monaten Winter und Schnee erschwerten das Leben, so waren Ortschaften und Regionen oft längere Zeit von der Außenwelt abgeschnitten. So gab es kaum Verdienstmöglichkeiten auch Hunger und Krankheiten breiteten sich schnell aus. Der erhoffte Aufschwung kam mit der Bahn. Nach 1871 bzw. 1874 sorgte nicht nur der Waren-und Gütertransport Richtung Norden für wirtschaftliche Belebung, auch der Tourismus, Kur-und Badegäste kamen und entdeckten den Erholwert der Region. Das Gast-und Pensionsgewerbe entwickelte sich rasant und sorgte für gute Einnahmen und eine gute wirtschaftliche Entwicklung vieler Orte. Auch die kurze Entfernung zu den Bahnhöfen ermöglichte oft die Gründung vieler kleiner Firmen, die unterschiedliche Produkte herstellten bzw. von Heimarbeitern anfertigen ließen. Einen hohen Stellenwert nahm die Porzelan, Glas und Christbaumkugel Herstellung ein. Auch Spielzeuge, Holzwaren, Haushaltsartikel aus Holz erfreuten sich immer größerer Beliebtheit. Der Warenversand erfolgte nach der Bahneröffnung bereits auch Europa-und Weltweit. Mit dem Zugang zu den Handelsplätzen Nürnberg, Frankfurt, Leipzig, Prag, Breslau, Paris und der Verdichtung des Bahnnetzes auch zu den Ost-und Nordseehäfen setzte eine rasante und nie dagewesene Entwicklung ein.    

 

Lageskizze der Stadt Saalfeld mit seinen Ortsteilen und Bahnhofsplanungen in der Zeit um 1850, sowie späteren erfolgten Bahnbauprojekten.

 

Der Tourismus ab 1780, nur eine bescheidene Auswahl


In unterschiedlichen Quellen werden erste Spuren des Tourismus im Raum Saalfeld bereits durch Rechnungen, Geschäftsaufzeichnungen sowie Gemälde oder Reiseskizzen erwähnt. Wenige konnten sich eine Reise mit der Postkutsche oder zu Fuß entlang staubiger Landstraßen leisten. Erste Übernachtungs- und Logiergäste waren Handwerksburschen auf der Wanderschaft, die über Land zogen und Studenten aus Jena, die meist Saale aufwärts Richtung Saalfeld, Caulsdorf bis hin zum Rennsteig und Frankenwald zogen und hier Forschungen betrieben. Auch Künstler aus Weimar, Studenten aus Leipzig und Halle verbrachten Sommermonate rund um Saalfeld. Hauptsächlich zur Erkundung der Tier- und Pflanzenwelt sowie auch zur Untersuchung der geologischen Verhältnisse in Stein-, Schieferbrüchen oder Bergwerksstollen. Um 1800 konnte man sich einige bereits den Luxus mit der Postkutsche leisten, was gerade auch Beförderungszahlen in den Sommermonaten belegen können.

Handelsreisende, Kaufleute kamen meist mit dem "eigenen Fahrzeug" über Land und boten ihre Waren feil und übernachteten in den damaligen Wirtshäusern. Meist Wirtshäuser an den heutigen Bundesstraßen gelegen wurden schon in dieser Zeit aufgesucht.

Es  fanden sich zahlreiche "Ausspannen" an den Handelsstrassen, Wirtshäuser in denen Pferde gewechselt konnten und  Schmiedewerkstätten zum Wechsel oder Beschlagen von Hufeisen der Pferde oder Reparaturen zu erledigen.

Auch Schreiner, Wagner, Büttner waren hier ansässig und boten ihre Dienste an. Gast- und Logierhäuser hatten oft auch die Funktion der Poststation, eine Metzgerei, Kramladen waren auch mit ansässig.

Durch die Arbeit in Fabriken, Bergwerken, dunklen feuchten, staubigen Räumen kam es auch vermehrt zu vielen Volkskrankheiten. Etwas Linderung war möglich, Heilung weniger auf Grund der Lebens-und Wohnumstände.

Ab 1830 bis 1870 entwickelten sich bereits erste Sanatorien in der Region. Gerade Lungenkrankheiten waren stark im Kommen mit der beginnenden Industrialisierung, den giftigen und gesundheitsschädlichen Gasen, Dämpfen oder Flüßigkeiten die es damals bei der Produktion und industriellen Fertigung auftraten. So wurden Lungen, Imunsystem, Haut oder andere Organe angriffen. Hiermit ergab sich auch eine geringe Lebenserwartung.

Bis zur Schaffung von Sanatorien für Arbeiter und Frauen war es anderen Bevölkerungsschichten vorenthalten zu kuren oder sich zu kurieren.

Die ersten Sanatorien in der Region waren in Saalfeld, Etzelbach, Blankenburg zur Behandlung der damaligen Krankheiten unterschiedlicher Art und Weise eröffnet worden. Mit dem Bahnbau kamen immer mehr Heilorte hinzu, die sich die gute Luft, das Klima und den Erholungswert zu nutze machten. Sehr schnell wurde hier das Sormitztal erschloßen, was mit Kutschverbindungen ab den Stationen Eichicht bzw. Hockeroda seine Gäste empfing.

Gerade der Ort Leutenberg später Bad nutzte die Gelegenheit zum aufstrebenden Kurort. Durch die Eröffnung der Sormitztalbahn explodierten die Gästezahlen schlagartig. Es gäbe zahlreiche weitere Orte, Sanatorien, Gasthäuser oder Hotel`s zu benennen, die in der Zeit nach 1871 mit dem Bahnbau nach Saalfeld entstanden und bis in die heutige Zeit überlebten. Durch Bahnlinien fand man in Droschken- und Kutschverbindungen nun schnell Anschluß an kleine Erholungsorte.

So kamen jährlich in den Saisonmonaten Sommer und Winter die Kurgäste und Urlauber.

Bereits schon nach 1850 sprach es sich in den regionalen Kreiszeitungen schnell herum, daß Orte die einen Bahnanschluß besaßen jetzt mehr Besucher und Touristen zu verzeichnen hatten.

Der Funke sprang sofort über vom Bahnbau der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn Lindau - Hof. So gab es schon von Hof aus Gäste die über den Frankenwald das Oberland besuchten und hier logierten. 

Durch damalige Zeitungsberichte und Informationen drangen Nachrichten über den beginnenden Tourismus auch ins Saaletal vor.

Oberfranken, das Fichtelgebirge und das sächsischen Vogtland wo man wirtschaftliche Beziehungen unterhielt kamen Gäste aus vielen Richtungen mit dem Dampfzug an. Selbst kleine Orte wie Grobau oder Reuth bei Plauen profitierten vom Bahnanschluß auch im Winter.

War es doch der Anschluß an die große Welt.

Natürlich orientierte sich Saalfeld an solchen Meldungen. Der Bahnbau brachte nicht nur Wirtschaftserfolge und Personentransporte, mit ihm erblühte die Erholungsbranche und das damalige Gesundheitssystem.

War es doch nun möglich durch den Bau von Sanatorien und Krankenanstalten Menschen mit dem Dampfzug in die Region zu bringen. Was immer als förderlich galt und Zuspruch fand.

Zu den mondänen und beliebten Kurorten zählte Saalfeld, Bad Blankenburg und Bad Leutenberg. So standen die Städte Bad Blankenburg und Bad Leutenberg in jeglicher Hinsicht hoch im Kurs.

Mondäne Bauten, Sanatorien und Gästehotels zierten die Städte von anbeginn und waren sehr beliebt. So entwickelte sich auch Luxus der sich positiv in jeder Hinsicht auf Wirtschaft und Entwicklung niederschlug. Standen doch kleinere Kurorte den Großen Mondänen in nichts nach.


Bad Blankenburg


Mit dem Bau der Bahnlinie von Schwarza nach Blankenburg strömten jährlich hunderte Sommerfrischler nach Blankenburg, nicht nur selbst die Stadt, die Burg Greifenstein galt als erkundenswert, auch das sich anschließende Schwarzatal, der Weg nach Paulinzella zum Kloster waren eine Reise wert. Bereits schon um 1800 kamen Gäste nach Blankenburg um von hier aus den Weg entlang der Schwarza zu bereisen. Bad Blankenburg galt "als der Kurort" schlechthin. Die Anzahl der Hotels, Restaurants zeugen von dem Einfluß des Tourismus in Zusammenhang mit dem Bahnbau und der Wirtschaftlichen Entwicklung von einem großartigen Aufstieg der Stadt. Lungenkrankheiten, Heilfasten und Körperentschlackung waren die Kurangebote jener Zeit.


Das Hotel Greifenstein unmittelbar in der Stadt gelegen in Bahnhofsnähe im Jahre 1905.

Das Hotel "Kurhaus" im Jahre 1900 warb mit seiner wildromantischen Lage an der Schwarza.

Eines der größten Sanatorien in Bad Blankenburg "Am Goldberg" 1900 auf einem Postkartenmotiv.

Auch zahlreiche Logierhäuser in Blankenburg wurden schon frühzeitig errichtet und waren kleine Schmuckstücke im Ortsbild. Ein Beispiel diese Postkarte von 1928 der Villa "Emilia".

Landschaftsmotive vom Schwarzatal, die "Steinerne Brücke" bei Bad Blankenburg 1928 zogen zahlreiche Sommerfrischler oder Tagestouristen an.

Urlaub auf dem Bauernhof 1934 - heute nennt man es Marketing Strategie. Motiv eines Ziehbrunnens in Böhlscheiben bei Watzdorf / Bad Blankenburg sollte zahlreiche Städter zum Urlaub auf dem Land bewegen. Auch hier waren in Pensionen oder Landgasthäusern zahlreiche Gäste zu verbuchen. So war es doch für die Landbevölkerung eine gute Einnahmequelle. Der Gast bekam deftige Hausmannskost, Speck und Eier was hoch im Kurs stand.

 

Kurheim Etzelbach


Um 1900 wurde in der Region das erste Genesungsheim für Frauen und Mädchen gegründet, was eine Sensation war, da der Schutz, Leben und Gesundheit von Frauen oft denen der Männer untergeordnet war. Ihre Bestimmung war oft nur Haushälterin, Bäuerin, Kindererzieherin und man möge den Ausdruck verzeihen, "Gebärmaschine". Es dauerte Jahrzehnte bis sich in Richtung Gleichbehandlung etwas tat, und so war es für viele Zeitgenossen jener Zeit fast ein Unding, daß sich etwas in dieser Richtung bewegte. Etzelbach und das Sanatorium Weißen, nahmen ihre Gäste in Uhlstädt oder Kirchhasel in Empfang und verabschiedeten sie. Später auch in Rudolstadt mit der Nutzung bestehender Schnellzugverbindungen Richtung Norden bzw. Süden. Auch bot das Saaletal für Tourismus und Erholung einiges. Erster Wassertourismus auf der Saale, so konnte man mit den ersten Fahrrädern entlang der Saale radeln oder auch links und rechts der Saale ausgiebige Wanderungen auf den Höhen unternehmen. Bedeutend für Etzelbach und Weißen sowie die weiteren umliegenden Orte war die Nähe und die Bahnverbindung Richtung Rudolstadt, Saalfeld bzw. Kahla, Jena, Naumburg und die Nähe zur Heide sowie dem Kulm, da von hier aus bzw. den Bahnstationen Kirchhasel und Uhlstädt sämtliche Ausflugsziele gut erreichbar waren und sind. Großer Beliebtheit erfreuten sich Wanderung und Ausflüge in die Heide in Richtung der Orte Friedebach und Hütten, wo man weiter über Schlettwein nach Pößneck bzw. Krölpa gelangte und ab da den Zug wieder besteigen konnte. Weitere beliebte Wanderungen waren über die südliche Heide zum Saalfelder Kulm und dann bergab zum Saalfelder Bahnhof um von hier die Heimreise anzutreten. Wanderungen durchschnittlich mit ca. 15 bis 20 km Länge, die durchaus auch heute noch ihren Reiz haben. Auch das in Etzelbach eröffnete Invalidenheim sorgte für Geschäftsverkehr in den jeweiligen Stationen. Meist waren es Angehörige, die ihre Verwandten oder Freunde hier besuchten und An und Abreise die "Saalbahnzüge" nutzten. Auch waren Versorgung und Warenempfang der zwei Heime über den Stückgut- oder Expressgutverkehr der Abfertigungen in Rudolstadt und Uhlstädt gekoppelt und sorgten zum Teil für bedeutendes Aufkommen.   

 

Das Etzelbacher Genesungsheim 1900 als Postkartenmotiv. Im ortsansässigem Gutshaus befand sich ein Invalidenheim.

Nach 1900 wurde in Etzelbach das Genesungsheim für Frauen und Mädchen errichtet. Gerade aus umliegenden Städten kamen zahlreiche Patientinnen nach Etzelbach.

Fast nebeneinander liegen die Orte Etzelbach und Weißen, die nicht nur frühzeitig Erholungsorte wurden auch konnte man sich hier bei Wanderungen entlang der Saale oder in Richtung Heide entspannen. Heute befinden sich hier noch Kureinrichtungen bzw. Seniorenbetreuung.


Saalfelder "Sommerstein" eines der fortschrittlichsten Sanatorien jener Zeit


Um 1850 bereits gegründet war der Sommerstein ein Sanatorium für Nervenkrankheiten, außerhalb der ehemaligen Stadtgrenzen von Saalfeld, Nahe der Ortschaft Garnsdorf in guter Lage an der Post- und Handelsstraße nach Sonneberg und Nürnberg gelegen wurde eine für damalige Verhältnisse sensationelle moderne Einrichtung eröffnet.

Sie diente nicht nur der Erholung auch der Behandlung und der Therapie von Nervenerkrankungen. Nicht nur Menschen mit angeborenen Erkrankungen wurden hier behandelt auch traumatisierte Menschen die durch Erlebnisse wie Brand, Unglücke oder damalige Kriegsfolgen an verschiedenen Symptomen erkrankten kamen ab 1871 nach Saalfeld, der Saalfelder Sommerstein hatte auf Grund sehr guter Therapie und Behandlungserfolge einen sehr guten Ruf. Ausgezeichnete Ärzte, Pflegekräfte und Personal sowie moderne Behandlungen sorgten für einen großartigen Erfolg auf diesem Medizingebiet. Auch die Lage in Ortsnähe zu Garnsdorf, Wander- und Erholungsmöglichkeiten auf die Saalfelder Höhen sowie in das Umland waren hoch geschätzt. So bot auch die Stadt Saalfeld selbst zahlreiche Vergnügungsmöglichkeiten, Cafe`s und Restaurants. 


Eine Karte vom Kurbad Sommerstein in der Zeit um 1897.

Die komplette Anlage des Sommersteins mit seinen unterschiedlichen Gebäuden, rechts oben ein Heizhaus, links unten führt die Strasse nach Arnsgereuth am Klinik Gelände vorbei. Motiv aus der Zeit um 1925.

1930 die ersten Touristen mit dem Automobil als Besucher der Feengrotten. Ein Motiv mit Blick vom Schaubergwerk Feengrotten zur Klinik auf den Sommerstein.

 

Luftkurort Bad Leutenberg


Stellvertretend für die zahlreichen Urlaubs- und Touristen orte soll hier an dieser Stelle der Ort Leutenberg erwähnt werden. Bereits nach 1871 dem Erreichen der Bahnlinie aus Gera im Orte Eichicht fing der erste Tourismus in der Region bereits an sich zu entwickeln, so waren es nur ca. 6 bis 7 Kilometer um vom Bahnhofe in Eichicht das Sormitztal zu Fuß oder mit der Kutsche zu erreichen. Frühzeitig wurde die gute Lage, die Luft auch das kalte und heilende Sormitzwasser als touristische Attraktion erkannt und schon ab 1885 gut vermarktet. Die wunderbare Lage, hohe Berge Wander- und Ausflugsmöglichkeiten sprachen sich schnell herum. Ein herrlicher Wanderweg führte entlang der Sormitz vorbei am Hockerodaer Hammer mit einem guten Wirtshause hinauf zu dem Ort mit herrlicher frischer Bergluft. Gerade Menschen mit Luft- und Atemwegserkrankungen fänden hier Erholung, Ruhe und Genesung. So warb man in Zeitungsartikeln für den Ort Leutenberg. Bereits nach dem Bahnbau begann sich Leutenberg im Stadtgebiet mit Gast- und Pensionshäusern zu entwickeln. Nach 1885 begann ein weiterer Boom in Leutenberg in Punkto Tourismus, es bestanden mehrfach täglich Postkutschenverbindungen vom Bahnhof Hockerodaer Hammer nach Leutenberg bis zur Bahneröffnung 1907. Als Leutenberg den ersehnten Bahnanschluß erhielt. Leutenberg galt als eine der ersten "Tourismus Hochburgen" jener Zeit, die sich Sommer wie Winter großer Beliebtheit erfreute. Gerade auch im Winter boten die umliegenden Berge und erste Schlittenwege Winterspaß. Wanderungen in die umliegenden Ortschaften auf große Höhen sorgten auch in den Gasthäusern und Pensionen abseits von Leutenberg für eine touristische gute Entwicklung. So war eine der beliebtesten Wanderungen in Richtung der Ortschaft Schweinbach, wo der Besucher einen Blick über Leutenberg und die Friedensburg hatte. Auch kam frühzeitig der Ort Leutenberg zu einem Schwimmbad, nicht nur der zahlreichen Gäste, so galt das klare und kalte Bergwasser der Sormitz auch als Gesundheitsförderlich. Bis Anfang der 90er Jahre war Leutenberg einer der meistbesuchtesten Ferienorte.


Karte aus Leutenberg von 1898 mit zahlreichen touristischen Attraktionen jener Zeit.

Bad Leutenberg 1901, der Leutenberger Hof schon vor dem Bahnbau ein mondänes und stattliches Hotel der gehobenen Klasse.

Blick auf Leutenberg, das Sormitztal und die Bahnlinie aus südlicher Richtung um 1910.

Die meistvermarkteste Ansicht von Leutenberg mit Blick zur Stadt, Kirche und Friedensburg um 1918.

Leutenberg 1930 entlang der Hauptstrasse und der Bahnlinie etablierten sich zahlreiche Pensionen, Gasthäuser, deren Vielzahl auf boomenden Tourismus setzten.

In den 30er Jahren warb das Touristenparadies Leutenberg mit dieser Karte und dem passenden Spruch.

Blick auf den Leutenberger Markt mit Cafe im Sommer 1963.

Das Leutenberger "Cafe am Markt" zu meiner Kinderzeit im Sommer 1975.

Bereits vor und nach 1900 entstanden in Leutenberg wie in anderen Luftkurorten auch "Mondäne Großbauten" zur Unterbringung zahlreicher Gäste. Das Leutenberger Erholungsheim in der Zeit um 1928.

Ein Blick in den Speisesaal des Leutenberger Genesungsheimes auf einer Postkarte von 1924, mit vorzüglicher Ausstattung und Fürsorge wie es im Text auf der Rückseite beschrieben wird.

Der Leutenberger "Felsenkeller" warb bereits 1899 mit seinen damaligen Vergnügungen der besonderen Art. Neben Musik und Tanz gab es Spiele, Billiard, Spaß und Zerstreuung in diesem als Vergnügungs Gasthaus bekannten Etablisiment.

In den 70er Jahren ließ der FDGB in Leutenberg sogar ein neues Erholungsheim "Katja Niederkirchner" errichten. Im Stadtgebiet und Bahnhofsnähe. Motiv von 1982.

Bereits 1920 gab es von Leutenberg und seinen Sehenswürdigkeiten farbige Künstlerkarten, hier ein Motiv der "Friedensburg".

Sommer 1930 Autotouristen in der Leutenberger Innenstadt am Gasthof "Lamm".

Das Leutenberger Bad erfreute sich schon seit vielen Jahren großer Beliebtheit. Ein Postkartengruß vom Sommer 1930.

Waldrand und Schwimmbad Lage die Pension Beez in Leutenberg, mit zahlreichen Übernachtungsmöglichkeiten. Eine Aufnahme vom Frühjahr 1932.

Pension Lina Schmitt in Leutenberg in den 50er Jahren mit Postkartenmotiv. Gerade in den Nachkriegsjahren suchten viele Ruhe, Erholung und Entspannung. Sommer 1951

Auch die umliegenden Gemeinden rund um Leutenberg profitierten gerade nach dem Bahnbau vom Tourismus. Stellvertretend hierfür eine Postkarte des Ortes Schweinbach bei Leutenberg in ca. 560 Meter Höhe bot der Ort neben einem gut geführten Wirtshaus , auch eine herrliche Sicht nach Franken und Thüringen. Gerade solche Orte waren oft begehrte Ziele, konnte man doch die Welt von oben betrachten. Dank der Touristen und Gäste konnte der Wirt in den 30er Jahren nicht nur den Ort Schweinbach sondern auch sein Wirtshaus mit Pension überall bekannt machen.

Auch eine neuzeitliche Bildaufnahme vom 07.Juli 2018 oberhalb der Ortschaft Schweinbach bei Leutenberg mit Blick in Nordwestlicher Richtung zu den Saalebergen am Hohenwarthe Stausee zeugt auch in der heutigen Zeit vom Erholwert der Region, die Ruhe und Entspannung vom Alltag verspricht.


 Rund um Saalfeld ...und Umgebung


 Die einstige Bedeutung Saalfeld`s in vielerlei Punkten bleibt unumstritten. Handelswege, Bergbau, Verkehr, zentrale Lage, Tourismus und einheimische Wirtschaft prägten das Bild der Stadt und der Umgebung bereits ab 1500 mit dem beginnenden Bergbau und dem Hüttenwesen. Auch Flößerei und Holzhandel brachten Einkünfte. Man wurde nach 1700 neugierig auf die Stadt an der Saale mit ihrer Wirtschaft den Sehenswürdigkeiten und dem Umland, die sich in den Saalfelder Höhenzügen und den angrenzenden Flußtälern rund um Saalfeld erschloßen. Ein kleiner Streifzug rund um Saalfeld und die Umgebung sowie die Saalfelder Wirtschaft.


Arnsgereuth auf den Saalfelder Höhen, einst durchzogen Handels-und Postwege den Ort. Ging es doch von Nürnberg nach Leipzig über die Höhen. Fracht-, Handels-, Holzfuhrwerke kamen hier durch aus Sonneberg, dem Coburger Land und der Region um Neuhaus. Mit ihrer Fracht ging es nach Saalfeld, Jena, Gera, Leipzig. Bergbau-, Holz-, Schiefer-, Glas-,Spielwaren waren die meistbefördertsten Frachten. Ein Blick in das Jahr 1960 mitten durch den Ort führt die heutige B 281 in Richtung Neuhaus / Sonneberg / Coburg. Großer Erholungswert, Schneesicherheit bescherten den Orten rund um Arnsgereuth mit knapp 600 Höhenmetern zahlreiche Touristen. So ging es doch im einstündigen Fußmarsch hinab nach Saalfeld.

1916 warb die Gemeinde Crösten bei Saalfeld mit ihrem Ausflugslokal. Wenige Kilometer von Saalfeld entfernt suchten vor allem die Saalfelder Ruhe und Entspannung im ortsansässigem Lokal, mit Kaffeemusik, dem angepriesenen Orchestrion und guten Getränken und Speisen. Der Ort Crösten befindet sich unmittelbar an der Strecke Saalfeld - Arnstadt am Haltepunkt Wöhlsdorf, wo in jener Zeit auch zahlreiche Gäste mit dem Zug Ort und Restauration besuchten.

Ortsteil Gorndorf direkt an der Rampenstrecke nach Unterwellenborn gelegen leider ohne Haltestelle trotz begehrlichen Wunsches der Gemeinde. Ortsansichten 1930

Ortsteil Gorndorf einst ein kleiner Ort an der Handelsstraße von Saalfeld nach Pößneck gelegen. Auch führte parallel zum Ort die Geraer - Eichichter Bahn ab 1871 vorbei. Immerhin 3 Kilometer Weg bis Saalfeld führten nicht zur Errichtung einer Haltestelle am Ort. So war es Fußmarsch nach Saalfeld oder Unterwellenborn mit je 3 km Weglänge. Gorndorf wurde ab den 50er Jahren modernisiert. "Auf der Grünen Wiese" entstanden erste Wohnblock`s für die Beschäftigten der Maxhütte Unterwellenborn. Später ab den 70er Jahren entstanden moderne Neubauten und es erfolgte eine Erweiterung des Stadtbusnetzes. Gorndorf 1959.

Die ersten modernen Neubauten 1969 in Saalfeld Gorndorf. (Privatbild)

Neu erbaut das Saalfelder Neubaugebiet in Gorndorf 1973.

Postkartenauszug Saalfeld-Gorndorf mit der neuen "A-Linie" des Stadtverkehres Saalfeld Ikarus 66 im Jahre 1970, vom VEB Kraftverkehr Saalfeld.

Auch in weiteren Stadtgebieten und Straßenzügen der Stadt Saalfeld entstanden neue Wohnungen und Wohnblöcke. Waren viele Gebäude und Wohnungen in der Nachkriegszeit marode ohne Wasserversorgung. Hinterhöfe, Toiletten über den Hof und zum Teil unbeheizbar. Waren doch diese Nachkriegsbauten auch wenn sie heute "belächelt" werden ein großer Fortschritt. Nicht nur wegen der niedrigen Mietkosten auch wegen dem Wohnkomfort jener Zeit. Man war froh eine Wohnung in dieser Art zu besitzen. So wurden in der Saalfelder Grobestraße durch die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt diese Wohnblöcke in den 50er Jahren errichtet und eine Postkarte 1962 gedruckt.

Blick auf Saalfeld 1915 aus Richtung Heide / Kulm.

Technik für Industrie und Handwerk aus Saalfeld. Werbeplakat von 1938.

Die Saalfelder Feengrotten bis heute ein Besuchermagnet. Postkarte des hier befindlichen "Märchendomes" aus dem Jahre 1959.

Der Blick 1916 vom "Roten Berg" auf die Stadt. In der Bildmitte befindet sich der Bahnhof mit seinen Anlagen, der aber nicht mit eingezeichnet wurde.

Vergrößerter Postkartenausschnitt vom Saalfelder Bahnhof 1926.

Der Blick zum Saalfelder Kulm über den Bahnhofsvorplatz- , Rechte Bildecke ein Wohngebäude am Bahnhof Kaiserstraße, später die Post am Bahnhof. Erkennbar das Dach des Bahnhofshotel "Scheibe", Halbrechts im Hintergrund das Bw Saalfeld. verschiedene Fabrikanlagen zum Teil noch heute erhalten, sonst unbebautes Gelände. Links die Fabrikantenvilla wurde nach Kriegsende als Sitz der Saalfelder Bahnhofsmission genutzt und 1994 abgerissen. Postkarte mit Bahnpoststempel 1922.

In der Bildmitte verläuft die "Saalbahn" 1958. Auf der in der Mitte erkennbaren Fläche der Felder und Wiesen sollte in den 30er Jahren das Saalfelder Groß Bw entstehen. Im Vordergrund wäre das Verbindungsgleis von links aus Unterwellenborn kommend nach Remschütz / Saalfeld zur Saalbahn geführt worden. Ebenfalls hier wäre ein Haltepunkt zum Bw, eine Wohnsiedlung und Zufahrtsgleise von der Strecke zum Bw erbaut worden.

Der südwestlich von Saalfeld befindliche Ortsteil Garnsdorf, in dem sich die Feengrotten, das Sanatorium Sommerstein und Haus "Auerbach" befinden 1906. Die Straße links die heutige B 281 von Saalfeld über Arnsgereuth, Hohen Eiche nach Neuhaus am Rennweg.

1935 feierte das in Saalfeld um 1860 gegründete Nähmaschinen Werk Knoch sein 75-jähriges Jubiläum. Von Anbeginn zählten die Saalfelder Knoch Nähmaschinen zu den Verkaufsschlagern im Haushaltgewerbe und waren sehr begehrt. Fa. Knoch zählte mit zu den Großkunden im Saalfelder Stückgutverkehr.

Auch in Saalfeld gab es Textilfirmen, die Firma Carl Anschütz produzierte feinste Textilwaren bis 1945. Eine Vertreter Karte aus den 30er Jahren. Die Firma bezog zum großen Teil ihre Garne sowie Stoff- und Textilballen aus dem Vogtland und aus Hof, die mittels ganzer Wagenladung in Güterwagen nach Saalfeld verschickt wurden. Auch wurden feinste Textilwaren in saubere Holzkisten verpackt und als Stückgut per Bahn an die Textilhäuser in Europa verschickt. Man sprach von exquisiten Strumpf- und Textilwaren die sehr geschätzt waren, auch für den kleinen Geldbeutel.

Der in nördlicher Richtung liegende Saalfelder Hausberg der Kulm war bereits schon im 17.Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel. 1884 errichtete die Königin Marienhütte aus Zwickau Cainsdorf den Aussichtsturm auf dem 482 Meter hohen Berg, der dann mit seiner Aussichtsplattform auf eine Höhe von 500 Meter kam. Vom Anbeginn des Bahnbaues 1871 war der Kulm beliebtes Ausflugsziel. Wanderungen von Saalfeld über den Kulm nach Rudolstadt oder in der Gegenrichtung mit 20 km Streckenlänge waren sehr beliebt. Auch Wanderungen nach Langenschade oder über die Heide nach Etzelbach und Uhlstädt waren sehr beliebt.

Das Alte Kulmberghaus 1952 für die Verpflegung der Wanderer im Sommerhalbjahr geöffnet.

In den 70er Jahren wurde das Neue Kulmberghaus errichtet im modernen Baustil. Mit Restaurant und unverbauten Blick auf Saalfeld mit Sommer-und Winterterasse sowie Hotel. Postkarte von 1978.

Saalfelder Marktplatz 1906 Blick in östliche Richtung zur Saalstraße und Bahnhof. Der Markt war von zahlreichen Hotels, Restaurants sowie Wohn-und Geschäftshäusern und dem Rathaus bebaut.

Blick über den Saalfelder Markt in westliche Richtung. Neben dem Obelisk der nach 1945 abgerissen wurde, befindet sich der Markt auch heute noch in einem historisch ansprechenden Zustand. Im Hintergrund die Saalfelder Höhen Richtung Arnsgereuth, Neuhaus und aller weiteren umliegender Orte.

Buntes Markttreiben wie in jeder deutschen Stadt, so auch in Saalfeld im Mai 1965. Im Hintergrund der Saalfelder Kulm.

Der Blick auf das tägliche Stadtleben 1937 in Saalfeld. Das Saalfelder Rathaus in jener Zeit, links das Hotel "Anker", Marktbetrieb, Taxi`s jener Zeit und eine "Telephonzelle" die als Errungenschaft jener Zeit galt.

Der Blick aus der Oberen Straße über den Marktplatz zur Blankenburger Straße 1907. Im Hintergrund das Blankenburger Tor, die Johanniskirche. Links der "Rote Hirsch" sowie zahlreiche Wohn-und Geschäftshäuser die bis in die heutige Zeit erhalten sind.

Eine erstklassige Künstlerkarte als Werbung für das Saalfelder "Mauxion Hotel Roter Hirsch" von 1934. Man kann sagen "das erste Haus am Platz", das zahlreiche gutbetuchte Gäste der Stadt, die fast ausschließlich in Sonderwagen bzw. Sonderzügen nach Saalfeld reisten. Saalfeld war besonders auserkoren auf Grund seiner zentralen Lage zwischen Berlin / München und Nürnberg / Leipzig. Besonders die Wirtschaft nutzte die zentrale günstige Lage. Neben dem Arbeitspensum gab es auch Ausflüge in die nähere Umgebung der Stadt, was die Besucher sehr schätzten. Der "Rote Hirsch" warb im Bahnhof Saalfeld mit einer riesigen Reklametafel und unterhielt eigene Droschken, später PKW für den Gästeverkehr.

Eine Werbeanzeige von 1935 des Hotel "Anker" am Marktplatz, daß sich genau gegenüber des Maucxion Hotel`s befand.

Die "Mauxion-Werke" in Saalfeld im Sommer 1939. Rechts parallel zur Saale die Hauptstrecke Berlin-München, die gerade unterhalb vom "Saalfelder Bohlen" aus dem Bahnhof führt.

Ein Gründungsbeispiel für den wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Bahnbau ist z.B. die Firma Merzdorf & Frosch. Herstellung von Druckerzeugnissen weltweit. Neben normalen Druckerzeugnissen waren die ersten Ideen Versandhausblätter, später Kataloge für Waren aller Art. Die Firma transportierte täglich ca. 5 Tonnen Papier-, Druck- und Grafikwaren, was sich nicht viel anhört aber alles per Hand und mit großer körperlicher Anstrengung erledigt wurde. Der Erfolg wurde durch schnelle Lieferung und schnellen Bahntransport noch beflügelt.

Der Blick von der heutigen Südstadtbrücke über die Saale in Richtung Obernitz 1902. Links die damalige Bahnstrecke nach München sowie die heutige B 85 Richtung Kronach. Beim Bahnhofsumbau 1910 wurde die Strecke ca. 2,00 Meter höher auf einen Damm gesetzt zum Schutz vor dem Saalehochwasser.

Ein Blick aus gleicher Perspektive 1897 auf das Schloß Obernitz, daß sich am südlichen Bahnhofsende befindet. Links die B 85 und dahinter die Bahnlinie mit angrenzendem Felsmassiv "Bohlen".

Ein ungewöhnlicher Blick zum Saalfelder Bohlen aus Blickrichtung der Gemeinde Obernitz. Die rechts in der Steigung verlaufende Straße ist heute die B 85 nach Kronach. Dahinter befindet sich die Bahnstrecke. 1940 säumten einige Passanten und ein Fuhrwerk die heutige Ortsstraße.

Obernitz vom Bohlen gesehen 1911. Bahnlinie, B 85 Richtung Süden, Schloß und Ortsansicht.

Das Obere Tor mit dem Gasthof Bürgerbräu, dem späteren Jugendclubhaus 1914. Vor 1900 hätte sich links im Bild der Saalfelder Stadtbahnhof befunden. Die rechts bergab führende Straße war vor ihrem Bau als Bahntrasse für den geplanten Gleisanschluß zum Städtischen Schlachthof geplant, der nach ersten Entwürfen als Zahnradstrecke gebaut werden sollte.

An einem Sonntag im Jahr 1906 konnten die Saalfelder auf der Saalstraße und Saalbrücke noch gemütlich bummeln gehen. Heute ist diese Straße die Hauttangende durch die Stadt. Die sich im Hintergrund befindlichen Prachtbauten wurden 1945 beim Bombenangriff komplett zerstört und es wurden Wohngebäude errichtet. Das in der Bildmitte befindliche Gebäude war ein Hotel. Erhalten sind nur die Sächsische Kaffestube helles Gebäude und das Saaltor. Die Brücke wurde 1945 komplett zerstört.

Süd-Westlich vom Saalfelder Stadtzentrum befand sich umgeben von Wäldern und Wiesen das Saalfelder Kur- und Erholungsheim Steiger. Idyllische Ruhe und Entspannung.

Bereits 1950 bewarb man wieder die Saalfelder Heilquellen und "das grüne Herz" um alte Verbindungen Deutschlandweit wieder aufleben zu lassen, die bis 1945 bestanden. Ein Werbeprospekt das in einer Hessischen Regionalzeitung als Beilage zu finden war.

Inhaltsteil des Prospektes mit der landschaftlich reizvollen Umgebung rund um Saalfeld in einer damals graphischen Darstellung.

Auf Grund der umfangreichen Kriegsschäden sowie unterbrochenen Bahnverbindungen setzte man im Prospekt 1950 auf den Individual Verkehr. Auszug der Thüringer Autokarte mit den wichtigsten Straßen rund um Saalfeld. Bemerkenswert, es ist noch die stillgelegte Bahnlinie Ludwigsstadt-Lehesten eingezeichnet.

Aus einem privaten Fotoalbum, Bild der Saalfelder Schokoladenfabrik "Mauxion" im Sommer 1938.

Selten sind Postkarten der Saalbrücke aus südlicher Richtung mit ihrer Gesamtansicht. Hier eine Aufnahme von 1932. Im Hintergrund die späteren "Zeiss-Werke".

Landschaftspanorama der Gemeinde Dittersdorf auf den Saalfelder Höhen 1934.

Nicht nur historische Aufnahmen vom Kulm auf die Stadt Saalfeld haben ihren Reiz. Auch eine Aufnahme neueren Datums vom 02.05.2015 zeigen Alt und Neu in Harmonie.

Lange Tradition in der Garnsdorfer Ortsgeschichte, das Gasthaus "Bellevue", gleich das erste Haus am Ortseingang von Neuhaus kommend. Begründet seinen Ursprung durch die Postkutschenverbindung Saalfeld - Neuhaus als Poststation, Gast- und Logierhaus. Später galt es als weithin bekanntes Hotel am Waldesrand und in der Nähe der Feengrotten für Besucher und Gäste. Heute wird das Gebäude als Wohnhaus genutzt und täglich "rauschen" hunderte Fahrzeuge hier auf der B 281 vorbei. Galt das Gebäude als Ruhe Ort 1934 als dieses Bild entstand, befand sich das Sanatorium "Sommerstein" gegenüber.
Blick zur Saalbrücke 1911 mit Holzlagerplatz an der Saale. Hier wurde das Holz vom Oberland gesammelt und zum Teil weitergeflößt bis in die 30er Jahre bzw. umgeladen zum Bahnhof transportiert und weiterbefördert. Der Güterbahnhof befindet sich ca. 500 Meter Luftlinie vom Fotostandort entfernt. Wie bereits erwähnt war dies der Standort eines kleinen Hafens an der Saale vor der Bahneröffnung. Von hier transportierte man mit kleinen Kähnen Waren und Rohstoffe von und nach Saalfeld.
"Rush Hower" 1915 in der Saalstraße. Die Haupt- und Geschäftsstraße, die direkt vom Bahnhof zum Marktplatz führt.
Warenhaus "Sallinger" 1922 in der Saalstraße mit moderner Straßenbeleuchtung.
Das spätere Warenhaus Becker und Sallinger mit Saalstraße 1936.
Das Saalfelder "Bunte Lädchen" eine Institution in jeder Zeit. Begehrtes und Beliebtes Einkaufsdomizil für Frauen. Gab es doch seit den 20er Jahren viele "kleine und hübsche Dinge" zur Wohnungsausgestaltung. Aufnahme aus den 50er Jahren.
Eine weitere Einkaufsstraße die östlich vom Marktplatz weiterführende Blankenburger Straße mit Blankenburger Tor um 1916.
Auch die in westliche Richtung führende Obere Straße in Saalfeld war eine florierende Wirtschaftsader der Stadt. Hier befanden sich viele Einzelhandelsgeschäfte, kleine Cafe`s, die zum Bummeln in der Stadt Saalfeld einluden. Blick vom Oberen Tor zur Johaniskirche um 1938.
Werbung der Waschmaschinenfabrik Adam Schmidt in Saalfeld 1936.
Widmung zur Verlobung 1932. War doch das Verlobungsgeschenk eine "Viktoria" aus Saalfeld für unsere Großmütter und Urgroßmütter in jener Zeit ein Gottes Segen. Sie erleichterte die Hausarbeit und wer eine hatte verdiente sich manchen Groschen nebenher wenn mal irgendetwas genäht werden mußte. Auch Handwerksmeister der Schneider Innung schwörten auf "ihre Viktoria".
Zahlreiche kleine Gassen führten vom Markt in alle Richtungen im Stadtgebiet. Wohnsiedlungen für die einfachen und armen Bewohner der Stadt Saalfeld. Hier schien nicht nur die Sonne. Herrschte neben der Armut auch rohe Gewalt in den Gassen. Ein Bild aus der Saalfelder Brudergasse 1912 vor dem großen Brand.
Saalfelder Kinderreichtum Anfang der 20er Jahre nach dem ersten Weltkrieg. Die parallel zur Johaniskirche verlaufende Blankenburger Straße mit einer Großfamilie jener Zeit, was nicht ungewöhnlich war.
Ebenfalls ein Warzeichen der Stadt Saalfeld die Johanneskirche mit seinen beiden 64 Meter hohen Kirchtürmen. Der Ursprung geht bis in die Jahre nach 12hdt. zurück. 1314 niedergebrannt und zwischen 1380 und 1514 in zahlreichen Bauabschnitten erbaut. Auch überstand die Kirche zahlreiche Feldzüge und Kriege bis in die heutige Zeit. Gilt sie doch heute als Ort der Ruhe und Besinnung sowie auch als Touristenmagnet für Besucher der Stadt Saalfeld. Wer diese Kirche einmal besucht hat ist erstaunt und überwältigt von diesem Bauwerk, was man so in dieser Form nicht vermutet. Die Johanneskirche im Jahre 1905 auf einer Postkarte.

 

In Orten ohne Bahnanschluß bestand auch florrierender Touristenverkehr


In erster Linie war der Gütertransport vorherrschend, der Schnellverkehr zwischen Großstädten und der Berufsverkehr als Massentransport. Aber kleinere Ortschaften profitierten durch den Bahnbau, Wanderwege, Wanderziele und kleine Wirtshäuser konnten sich in der Saison oft kaum vor Besuchern retten. Suchte man Erholung, Fernsicht von den Bergen oder durchwanderte Täler und Höhen.

Gehörte es doch dazu an Sonntagen auf das Land zu fahren, zu wandern und einzukehren mit den günstigen Sonntagsbillietten der Bahn, die vornehmlich dem Wochenendausflug galten. An zwei Beispielen selbst, wie durch den Bahnbau der Tourismus und das Gastgewerbe gefördert wurden, und Ortschaften ohne einen Bahnhof selbst davon profitierten seien hier erwähnt. Bucha bei Unterwellenborn mit seiner Lage an den Saalebergen profitierte seit 1871 vom Bahnbau und war ein beliebtes Ausflugsziel. So wurden hier Gäste mit dem Pferdewagen im Sommer oder Pferdeschlitten im Winter abgeholt. Auch war es manchmal der einfache Handwagen der dem Gepäcktransport der Hausgäste von und zum Bahnhof diente. Nächstgelegener Bahnhof war Könitz.


Der Wirt der "Güldenen Gabel" in Bucha gab 1930 diese Karte heraus. Bemerkenswert der Lauf der Saale und die Landschaft vor ihrer Flutung und dem Talsperrenbau. Das Gasthaus war sehr beliebt bei Touristen, so ließ doch der Wirt seine Gäste vom 3 km entfernten Bahnhof Könitz von den aus Saalfeld oder Leipzig eintreffenden Passagierzügen mittels Fuhrwerk oder Schlitten abholen. Ein Service jener Zeit.


Und im gleichnamigen Ort Bucha bei Knau profitierte der Wirt vom Bau der Linie Triptis - Marxgrün. 


Der Tourismus war weit verbreitet, so kamen zahlreiche Postkartenmotive auf den Markt, jeder wollte etwas vom Kuchen abhaben. Gerade auf dem Land. In der kleinen Gemeinde Bucha bei Knau warb der Wirt mit deftiger Hausmannskost, Gänsebraten aus dem Ofenrohr und Thüringer Klößen sowie anderen Spezialitäten. Und zugegeben war er auch froh darüber das der "Bummelzug" von Triptis nach Marxgrün ihm Gäste brachte und gute Geschäfte bescherte. Eine idyllische Aufnahme des Ortskern von 1931.

 

Selbst auch das Waldgebiet Heide das sich parallel zwischen der Geraer Strecke und der Saalbahn als kleines Bergmassiv wie eine Trennlinie hindurchzieht profitierten kleinere Orte vom Bahnbau. Als Bahnhöfe die sich in der Nähe zu den Orten in der Heide befanden zählte Krölpa-Ranis ca. 8 km sowie Zeutsch ca. 6 km. Als zentraler Ort wurde hier oft der Ort Friedebach mit seiner Umgebung und den unerschöpflichen Wander- und Ausflugsmöglichkeiten benannt. Auch befanden sich hier zahlreiche Gasthäuser und Pensionen. Das Durchwandern der Heide von Krölpa über Friedebach nach Zeutsch oder in der Gegenrichtung zählte für viele Städter zu den beliebtesten Ausflügen jener Zeit.


Friedebach hatte nie einen Bahnhof, nur wenn die Strecke Erfurt-Pößneck-Schönberg (Vogtl.) hier durch die Heide geführt hätte, dann hätte der Ort vom Bahnbau profitiert. Denoch war Friedebach sehr bekannt bei Touristen. (30er Jahre)