Anschlußbahn Eichicht - Hohenwarte


Die in den 30er Jahren errichtete Anschlußbahn soll in Zusammenhang mit den Saalfelder Eisenbahnstrecken nicht unerwähnt bleiben. Einige Aufzeichnungen eines Lokführers halfen, daß Puzzel um diese Strecke etwas zu lösen, da sich hierzu fast kaum Aufzeichnungen und Pläne in offiziellen Quellen finden lassen.

Laut Bahnbau und Betriebsordnung wurde 1935 in Vorbereitung zum Talsperrenbau in Hohenwarte eine ca. 4,5 km lange Anschlußbahn geplant und errichtet, die nördlich vom Bahnhof Eichicht abzweigte, über die damalige Reichsstrasse 85 durch den Ort weiter im Bogen über die Saale führte. Die heutige Kreisstrasse Kaulsdorf - Hohenwarte - Bucha die parallel zur Saale Flußaufwärts führt, war damals ein Feldweg und wurde mit dem Talsperrenbau erst als Straße erbaut. Ab 1936 wurde die Straße weiter in den Fels bergauf zur Ortschaft Bucha verlängert. Oberhalb der Staumauer begannen 1936 die Bauarbeiten zum Hotel "Günthers Heil" später Gasthaus "Aktivist" bzw. heute Waldhotel "Am Stausee". Vom Hotel aus gibt es einen faszinierenden Blick über den Stausee. Feldwege führten von Eichicht bzw. Kaulsdorf kommend entlang der Saale bis Preßwitz und in den Portengrund zur Linkenmühle und weiter nach Ziegenrück, wo links und rechts steile Wege in die oberhalb des "Saaletales" liegenden Ortschaften führten, deren Bewohner meist von Land- und Forstwirtschaft, etwas Steinbrucharbeit oder Arbeit im Sägewerk lebten. Die Ortschaften waren weit abgelegen und im Winterhalbjahr kaum erreichbar. Über die Krone der Staumauer wurde eine neue Landstraße Richtung Altenbeuthen und Drognitz errichtet und ab den 40er Jahren wurden diese Ortschaften mittels Buslinien ab Saalfeld bedient. Ebenfalls auch im Schichtverkehr waren hier Busse zur Maxhütte, nach Saalfeld unterwegs. So das zahlreiche Bewohner der Region ab dieser Zeit in der Industrie Arbeit fanden.


In Anbetracht des Baues dieser Anschlußbahn waren bereits Pläne "in der Schublade" diese Bahn ab Eichicht nach Inbetriebnahme 1941 zu elektrifizieren , da man sich hier des preiswerten Stromes bedienen konnte. Angedacht war die Stationierung einer E-Lok (Bauartähnlich E 69) der Siemens Werke mit Mittelführerstand und einer Einfachfahrleitung (ähnlich einer Straßenbahn). Auch der Werkpersonenverkehr bzw. Ausflugsverkehr sollte in Bauartgleichen E-Triebwagen wie sie an der weiter oben gelegenen Bleilochtalsperre verkehrten bezeichnet als ET 188 (Strecke Schleiz-Saalburg) weitergeführt werden. Stationierung der Fahrzeuge ebenfalls in einer Kleinbahn AG, deren Sitz in Hohenwarte sein sollte. Auf dem Gelände des neuen Pumpspeicherwerkes waren Lokschuppen und Anlagen geplant. Auf Grund des entsprechenden Oberbaues konnten E-Lokomotiven - E 44 auch die Strecke befahren, was den Sinn der geplanten Sonderzugfahrten hatte, wie sie vorher mittels Dampf durchgeführt wurden. So waren Sonderzüge von Nürnberg und Leipzig zur Hohenwarte Talsperre geplant, die mittels E 44 bis zur Staumauer hätten fahren können. Durch die Kriegseinwirkungen nach 1941 wurden alle weiteren Pläne um diese Strecke vorerst "auf Eis gelegt".


Ein- und Ausfahrten wurden in Eichicht vom Wärterstellwerk mittels Ausfahrtsignal geregelt, an der Einfahrt war eine Trapeztafel zur Kennzeichnung des Einfahrtsignales vorhanden. Vor dem Gelände des heutigen Pumpspeicherwerkes führte die Strecke wieder über die Strasse und gelangte weiter unterhalb des Berges der Ortschaft Hohenwarte bis an die heute noch existierende Staumauer heran.

Hier befanden sich in erster Linie Rampen und Verladeanlagen zum entladen von Güterwagen mitt Baumaterial. Im Lokschuppen des Bahnhofes Eichicht war hierzu eine Dampflokomotive des Bw Probstzella eine BR 86 stationiert, die hier den Dienst übernahm.

In Hohenwarte soll sich auch in Nähe der Staumauer ein Schüttbahnsteig befunden haben für den Personentransport.

Montag bis Samstag wurden hier ein Personenzugpaar Morgens und Abends von Eichicht nach Hohenwarte und zurück gefahren in erster Linie zum Transport der Bauarbeiter und späteren Arbeitskräfte.

In Eichicht bestand Anschluß an die Züge Richtung Saalfeld / Leutenberg / Probstzella. Mehrfach täglich pendelte die BR 86 zwischen den Endpunkten der Strecke mit Baumaterial zur Errichtung der Staumauer, Gebäude und Anlagen. Eingesetzt waren Lokomotiven der BR 93 und BR 57 wärend der Bauarbeiten und in den Einsatzjahren. Wärend der Bauphase und später nach Fertigstellung wurden im Sommerfahrplanabschnitt von Mai bis September an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen zahlreiche planmäßig verkehrende Sonderzüge auf die Strecke geleitet. Somit konnten Interessierte und Schaulustige sich ein Bild über den Bauzustand in der Zeit von 1936 bis 1941 machen. Auch nach Fertigstellung wurde der Verkehr auf der Strecke weiter betrieben mit dem täglichen Personenzugpaar, einem täglichen Güterzugpaar zur Versorgung und am Wochenende mit Touristen, die in Hohenwarte aussteigen konnten, und hier zu Fuß den Ort die Umgebung erkundeten bzw. auch schon die Fahrgastschiffe auf der Saale als Ausflugsziel nutzten. Der Ort Hohenwarte profitierte in hohem Maße an dem Tourismusangebot und am Bahnanschluß.

Die Wochenendzüge wurden ebenfalls mit der stationierten BR 86 gefahren. Gerade an den Maifeiertagen war auf dieser Strecke die "Hölle los", zahlreiche Sonderzüge aus Weißenfels, Gera, Bamberg kamen hier an. Die Gleiskapazitäten in Eichicht und Hohenwarte waren ausgenutzt bis an ihre Grenze. Zur Unterstützung an diesen Tagen war eine zweite Lok des Bw Saalfeld in Eichicht vorhanden. So wurde diese Lok bei den eintreffenden Zügen bereits in Saalfeld am Zugschluß angehängt schob bis Eichicht nach, machte Kopf und fuhr dann den Zug weiter nach Hohenwarte. Die Zuglokomotiven der Sonderzüge verkehrten leer zum Bw Saalfeld wurden am Tage restauriert ,gedreht und kehrten am Nachmittag nach Eichicht zurück um von dort ihre Sonderzüge zu übernehmen. Die Weißenfelser und Geraer Lokomotiven wurden im Preußischen Bw in Saalfeld behandelt, wärend die Bamberger Lok in Saalfeld das Bayerische Bw aufsuchte und hier behandelt wurde. Güterzüge mit Baumaterialien kamen zum großen Teil aus Weißenfels. Nach Überlieferungen waren von Weißenfels meist 44er Dampflokomotiven eingesetzt.Baumaterial aus Richtung Gera Süd kam der Güterzug oft mit einer G 12 BR 58. Die Güterzüge aus Lichtenfels / Bamberg kamen mit Lokomotiven der BR 50 des Bw Lichtenfels oder mit Pressiger 44ern.  


Der Werktagsfahrplan sah folgenden Umlauf vor:

- Werkspersonenzug Stunde 6 Eichicht - Hohenwarte

- Rangierarbeiten Anschluß Hohenwarte- Nahgüterzug Hohenwarte -

  Eichicht - Saalfeld mit Übernahme von Güterwagen in Eichicht

- Bekohlung, Ausschlacken, Technische Arbeiten an der Dampflok im

  Bw Saalfeld

- Nahgüterzug Saalfeld - Eichicht - Hohenwarte mit Übergabe von

  Güterwagen in Eichicht

- Rangierarbeiten Anschluß Hohenwarte

- Werkspersonenzug Hohenwarte - Eichicht Stunde 17

- Abstellen der Lok, Anlegen eines Ruhefeuers


Eichicht 1930 rechts der Bahnhof, über die Saalebrücke führt die heutige B 85 Saalfeld - Kronach. Parallel dahinter verlief die Strecke der Anschlußbahn nach Hohenwarte, die parallel zur Saale verlief in Richtung Bildhintergrund.


Nach dem Krieg, wurde der Anschluß weiter bis nach Fertigstellung des neuen Pumpspeicherwerkes betrieben ebenfalls als Anschlußbahn zum Transport der Baustoffe. Ab 1953 übernahmen Busse den Transport der Arbeitskräfte und es verkehrte ein direkter Bus vom Bahnhof Saalfeld zur Staumauer nach Hohenwarte. Ende der 50er Jahre wurde die Strecke abgerissen. 


Blick auf die "Blaue Brücke" 1941, die von Eichicht im Bogen über die Saale führte, dahinter die Strasse nach Hohenwarte überquerte und von dort aus zum Pumpspeicherwerk und zur Staumauer weiter lief.

Innenansicht des Krafthauses in Hohenwarte auf einer Postkarte des Jahres 1944.

Im Sommer 1940 waren die Anlagen in Hohenwarte soweit errichtett, daß der Betrieb kurze Zeit später schon zur Probe aufgenommen wurde. Blick von der Staumauer auf das Krafthaus, bis hierher führten die Anschlußgleise zur Versorgung des Werkes, die sich rechts unterhalb hinter dem Felsvorsprung befanden.

Blick auf den Ort Hohenwarte 1970, der erkennbare Verlauf der Strasse unmittelbar entlang der Saale kennzeichnet den Streckenverlauf der Anschlußbahn.

Bild aus der Zeit um 1932, der Ort Preßwitz, der mit dem Bau der Talsperre überflutet wurde. Von hier wurden ca. 250 Bewohner in andere Ortschaften vor dem Bau umgesiedelt.

Mit dem Bau der Talsperre und dem Bau des Ortes Hohenwarte zog zunehmend der Tourismus ein. Neben zahlreichen Pensionen und Gaststätten war das Gasthaus Müller in Hohenwarte ein beliebtes Ausflugsziel. Bereits 1950 erschien diese Postkarte aus der Nachkriegszeit.

Errichtung der Baustelle an der Staumauer im Jahre 1936.

Ausflug zum "Vatertag" auf die Baustelle in Hohenwarte Mai 1938.Im Hintergrund ein Dampfbagger vermutlich der Firma O&K.

Hohenwarte Sommer 1950, man versuchte wieder allmählich zum normalen Alltag überzugehen in den Nachkriegsjahren. Urlaubskarte einer "ausgebombten Familie", die hier Ruhe und Entspannung fand.

Die Saaletalsperre 1960, Blick auf das überflutete Tal, in dem sich bis zum Bau der Ort Preßwitz befand.

1965 erschien diese Postkarte mit einem Abschiedsgedicht über den in der Saale versunkenen Ort Preßwitz. Deren Bewohner 1938 in die umliegenden Orte umgesiedelt worden sind, die aber voller Wehmut und Trauer ihren Heimatort verlassen mußten.

Ein Blick vom Oberen Staubecken auf das neue Pumpspeicherwerk, den Ort Hohenwarte 1976.

 

Im beigefügten Download finden Sie Vorschläge, die einer etwaigen Zugbildung jener Zeit mit Dampf entsprochen haben können und die sich bei Interesse auch im Modell umsetzen lassen.