Pressig Rothenkirchen - Tettau - 14 Mal von Thüringen nach Bayern über die Landesgrenze, die eigentliche geplante Linie von Bayern nach Thüringen, deshalb gehört sie mit dazu...


Streckendaten


Eröffnet am 23.Juni 1903

Streckenstillegung am 28.05.1952


Streckenlänge ca.17 km


Von der Frankenwaldbahn abzweigend die Nebenstrecke durch den Sattelgrund bis nach Tettau, ständig zwischen Franken und Thüringen wechselnd. Der Hauptgedanke war die Versorgung der Tettauer Glasindustrie mit Rohstoffen und die Abfuhr ihrer Produkte. Hinzu kamen noch Holz des Frankenwaldes und der  in Nähe zur Bahnlinie abgebaute Schiefer. Eine Verlängerung der Strecke nach Schmiedefeld, Gräfenthal oder Lichte war gedanklich im Gespräch mit Anbindung der Orte  Spechtsbrunn und Piesau an das Eisenbahnnetz. Rampen, Viadukte, Einschnitte, Tunnel wären erforderlich gewesen, so das dieses Projekt aus Kostengründen auf "Eis" gelegt wurde. Generelles Interesse oder Notwendigkeiten bestanden nicht, da in den Dörfern keine große Industrie war ausser Heimarbeit und Kleingewerbe. Die Heimarbeitsgüter wurden zu Fuß oder mittels Fuhrwerk nach Lichte bzw. nach Tettau gebracht und als Stückgüter verladen. Das Frachtaufkommen war denoch sehr stark . Trotz intensiver Bemühungen blieb es bei der Stichbahn, die den Ansprüchen jener Zeit völlig genügte. Zwei Lokomotiven waren täglich auf der Tettauer Strecke im Einsatz ihre Heimat war das Bw Rothenkirchen. Eine Lok blieb über Nacht in Tettau und wurde hier abgestellt. Neben den Tettauer Glaswerken war das Tettauer Porzelan ein gefragter Artikel jener Zeit. Hier boomte regelrecht das Stückgutgeschäft am Bahnhof mit Porzelankisten. Ein positiver Effekt war die Nähe zur Stockheimer Kohle ca. 24 km Entfernung, so konnte die hier ansässige Industrie unmittelbar beliefert werden, was auch alle anderen Firmen in Franken und Thüringen nutzten. Der kurze Transportweg der Kohle hatte enorme Vorteile.


Auf der Postkarte von 1957 ist unten rechts noch der Ort Tettau eingezeichnet. Was für Ortsfremde die Lage und die Optische Ergänzung von geplanten und ausgeführten Eisenbahnprojekten nachvollziehen läßt.



















Der Bahnknoten Tettau, sollte nördlichster Bahnhof der Frankenwaldbahn werden. Mit der Projektierung der Frankenwaldbahn um 1875 gab es Projekte den Lückenschlußes zwischen Stockheim und Eichicht mit dem dem Bau einer Linie von Stockheim über Welitsch, Sattelgrund, Tettau einem Tunnel bis Gräfenthal und die Weiterführung über Probstzella nach Eichicht zu projektieren. In Tettau sollte ein größerer Bahnhof mit Bw für Schiebelokomotiven entstehen. Es war auch Rampenbetrieb von beiden Seite vorgesehen. Das schwierigste Problem war der Bau des Tunnels ab Tettau Richtung Gräfenthal sowie der Bau von Gleiswendeln, Rampen und hohen Dämmen, hinunter über Spechtsbrunn, Piesau und mittels Damm und Tunnel Richtung Buchbach bei Gräfenthal, Meernach und nach Gräfenthal in den Ort wo ebenfalls ein größerer Bahnhof mit Bw angedacht war in der Variante 2 der Streckenplanung. Notwendig waren lange Rampen und Gleiswendeln um mit mindestens 40 km/h und 400 Tonnen pro Lok an Höhe zu gewinnen. Die Strecke hätte ab Probstzella bis Tettau von ca. 340 Meter auf 638 Meter hätte ansteigen müßen und wäre mit der oberen Linienführung ca. 27 km lang gewesen. Von Probstzella nach Steinbach nur 13 km. So entschloß man sich für die günstigere und sanftere Linienführung über Steinbach am Wald mit einer Höhe von nur !!! 595 Metern über den Rennsteig in der Streckenführung. Zwar nur 43 Meter weniger aber der Bau ab Gräfenthal wäre zu aufwendig und teuer gewesen auch schon zu dieser Zeit. Auch fehlte die Bauerfahrungen bei Gebirgsstrecken. Auch auf Grund zur Heimatnähe ist diese Strecke als Modul- oder kleinere Heimanlage durchaus geeignet. Wer auf der Suche ist nach einer Nebenbahn ohne große Aufwendungen findet hier genau das Richtige, verfügte die Strecke über keine großartigen Kunstbauten und keine großen Gleisanlagen und eignet sich auch im fortgeschrittenen Stadium des Modellbahnlebens als kleine schöne Heimanlage. Mit vier Zugpaaren ging es gemütlich zu und es fuhren nur PmG Züge. Bei Bedarf mal ein reiner Güterzug, sonst ging es eher gemütlich zu. Der Reisendenstrom ging Richtung Tettau und die an der Strecke liegenden Orte profitierten vom Erfolg der Tettauer Industrie.


Eine weitere Diskusion zur Variante 1 erfolgte aus Kostengründen nicht weiter und wäre auch ohne den Bau von Zahnradabschnitten nicht möglich gewesen.


Die Zuführung der Strecke wäre ab Heinersdorf über Welitsch nach Stockheim erfolgt. Von Stockheim plante man eine Nebenbahn nach Förtschendorf auf Grund der Erschließung der Förtschendorfer Hartsteinwerke.


Um den damaligen Ideen von 1875 bis 1880 zu folgen wäre der Bau einer Bahn über den Rennsteig von Tettau nach Steinbach am Wald möglich und diese könnte über Lauenhain (oberhalb von Ludwigsstadt) vor Lehesten an die Linie Probstzella - Lehesten - Naila - Hof angebunden werden. Auch kam die Linienführung von Steinbach am Wald über die Ziegelhütte in Richtung Staatsbruch Lehesten zur Sprache mit dem Bau eines Werkbahnhofes am Staatsbruch und Weiterführung zum Bahnhof Lehesten mit der dortigen Vereinigung der Linie Probstzella - Hof. Der Verlauf der Strecke wäre in etwa dem heutigen Strassenverlauf von Tettau bis Lehesten gleichzusetzen.


Diese Linien und Streckenideen beziehen sich auf veröffentlichte Zeitungsartikel jener Zeit. Man verfasste in der Zeit des "Bahnbau Fieber`s" manch kühne Idee die entweder an der technischen und baulichen Durchführung oder an der Finanzierung scheiterte.

 

Erläuternde Skizze zu den ersten Planungen der Linie Hochstadt-Eichicht über Tettau-Gräfenthal - Probstzella von 1878 in zwei Varianten.


Variante 1 eine Streckenführung von Tettau nach Probstzella über Lichtenhain bei Gräfenthal und Ebersdorf mit Anbindung unterhalb von Ludwigsstadt an den heutigen Streckenverlauf nach Probstzella. Mit Planung einer Linie Probstzella - Ludwigsstadt - Lehesten - Wurzbach - Naila - Hof.Hier sprach man von aufwendigen Tunnel-, und Stützmauer- und Rampenbauten.


Variante 2 von Tettau weiter nach Spechtsbrunn im weiten Bogen über das Tal mit einer Gleiswendel runter nach Buchbach bei Gräfenthal. Einleitung der Strecke in Gräfenthal-Meernach sowie Führung der Linie in Richtung Stadtmitte. Errichtung des Gräfenthaler Bahnhofes in der Nähe zum Rathaus und Marktplatz. Weiterführung im Taleinschnitt von Gräfenthal über Zopten nach Probstzella und von hier nach Eichicht.


Nach 1945 bis 1952 verkehrten zwar die Züge noch auf dieser Strecke, aber es wurde alles Unternommen den Betrieb auf der Strecke zu erschweren. In jeglicher Form wurde der Betrieb gestört oder Fahrgäste schikaniert durch die russischen Soldaten und die Genossen der Polizei der Länder später Volkspolizei. Obwohl man sich kannte früher zur Schule ging, Fußball spielte wurden jetzt alle verfügbaren Daumenschrauben angezogen. Was dazu führte das Züge stundenlang in Heinersdorf (Kreis Sonneberg) zurückgehalten wurden und nicht Richtung Tettau oder Pressig weiterfahren konnten. Bei Güterwagen kam es ebenfalls zu Plünderungen, Diebstählen und Transportunregelmäßigkeiten, so das kurzfristig alle Güter per LKW nach Ludwigsstadt bzw. Steinbach am Wald gebracht und umgeladen worden. Viele Fahrgäste hatten Angst und gingen lieber zu Fuß. Berüchtigt waren auch Übergriffe auf weibliche Fahrgäste in jener Zeit durch Militärpersonal.


Mit Schreiben vom Oktober 1952 wurde sofortigst über Nacht der Verkehr der Linie eingestellt. Es durften nicht einmal in Tettau abgestellte Wagen und Lokomotiven nach Pressig gebracht werden. Dies ging alles später mit dem Culemeyer zurück. Die BD Nürnberg führte sofort einen Bus Notverkehr von Pressig über Langenau, Sattelgrund, Alexanderhütte nach Tettau ein. Weiter wurden Buslinien von Tettau nach Ludwigsstadt über Ebersdorf und Teuschnitz über Steinbach am Wald eröffnet. Hauptsächlich für den Arbeiter- und Schichtverkehr.


Werbeanzeige der Firma Oertel auch für Lieferungen von Bahnschotter aus den 30er Jahren. Es ist zu vermuten, daß auch der Schotter zum Streckenbau direkt vor Ort von der Firma geliefert wurde.











Haltepunkt Welitsch bei Pressig


Nach der Abfahrt im Bahnhof Pressig führte die Strecke direkt am Bw Pressig vorbei. Hindurch zwischen dem Bw Gebäude und dessen Wohnhaus für Beamte. Tangierte die Eisenbahnergärten und führte über die Ortsverbindungsstrasse Pressig-Welitsch-Heinersdorf. In südlicher Richtung im Bogen verlaufend führte die Linie am Rauhen Berg weiter westlich nach Welitsch. Vor Welitsch am Haus "Hubertus" tangierte die Strecke nochmals die Verbindungsstrasse Pressig - Heinersdorf am Ortsanfang von Welitsch und verlief nun rechts in Fahrtrichtung Heinersdorf parallel zur Strasse in einer leichten Steigung zum Haltepunkt Welitsch.


Bis 1922 war der Haltepunkt Welitsch bei km 1,38 noch in Betrieb. Aber die Nähe zum Bahnhof Pressig sowie das ganz geringe Fahrgastaufkommen führte schon zu einer baldigen Schließung der Station.


Die letzten Gleisreste zwischen Pressig und Heinersdorf wurden zwischen dem 15.05. und 23.05.2018 abgebaut für eine Zufahrtsstraße. Am 19.05.2018 befand sich bei Pressig die letzten Meter Gleis und der für den damaligen Streckenbau künstlich angelegte Bahndamm kurz vor seinem Abriß.


Bahnhof Heinersdorf bei Welitsch


Weiter am Berg führte die Strecke leicht erhöht zum Kreuzungsbahnhof Heinersdorf, der durch Personal besetzt war. Dessen Mitarbeiter zur Direktion Nürnberg gehörten auf Grund der Streckenlage. Vorgesetzter Bahnhof war Pressig. Zwei Kreuzungs- und ein Ladegleis mit GA gehörten zum Bahnhof. Der Bahnhof hatte die Lage Kilometer 2,95 und davor lag die Landesgrenze ca. bei km 2,6. Der Bahnhof lag am südlichen Ortsrand und die Strecke führte nun östlich am Ort am dortigen Berg durch das Tettautal zum HP Räppoldsburg. Wenige hundert Meter östlich verlief parallel zum Ort und zur Bahnlinie die Landesgrenze.


Die Heinersdorfer Dorfstrasse 1932, rechts hinter den Häusern am Berg verlief die Bahnlinie.

Ortsansicht Heinersdorf Landkreis Sonneberg nach dem ersten Weltkrieg.

Auszug aus dem Schreiben der BD Nürnberg an den Bahnhof Pressig-Rothenkirchen 1952.

Sammlerpostkarten von 1935 zum 100-jährigen Jubiläum der Deutschen Eisenbahn. Lok 98 497 Bw Rothenkirchen unterwegs mit einem Personenzug von Tettau nach Pressig wärend des Haltes im Bahnhof Heinersdorf bei Pressig, so die offizielle Bahnhofsbezeichnung. Das Thüringer Bahnpersonal gehörte mit zur Direktion Nürnberg.

Der Blick von Welitsch in den Bahnhof Heinersdorf bei Welitsch in den 50er Jahren. Unmittelbar an der Einfahrt von Pressig kommend tangierte die Landesgrenze die Bahnlinie. Die ab dort durch Thüringen verlief und hinter Räppoldsburg Richtung Schauberg wieder nach Bayern führt. Vor Heinersdorf wurden bereits Grenzanlagen in der Nachkriegszeit montiert um die Trennlinie zwischen Sozialismus und Kapitalismus zu kennzeichnen. Ausserdem war Heinersdorf ein brisant bewachter Ort durch die Sowjetarmee, da Ort und Bahnhof einfach zu nah an der Grenze lagen. Zumal in drei Richtungen die Möglichkeit zur Flucht in den Westen bestand. Südlich Richtung Welitsch, Östlich Richtung Friedersdorf / Rothenkirchen und Nördlich Richtung Tettau / Schauberg.

Postkarte aus den 70er Jahren, Grenze bei Heinersdorf (Sonneberg).


Haltepunkt Räppoldsburg


Hinter Heinersdorf befand sich ein Bahnübergang am Ortsende, hier führte die Strecke über die Landstrasse nach Schauberg. Entlang der Tettau über mehrere kleine Brücken dampfte der Zug durch den Tettaugrund dem Haltepunkt Räppoldsburg entgegen. Hier lag die Grundmühle und ein Sägewerk sowie einige Wohnhäuser im Talabschnitt. Nach Westen führen Strassen und Wege nach Judenbach und Jagdshof und von dort weiter nach Sonneberg. Nach Überlieferungen lebten hier ca. 25 Einwohner, die Zugehörigkeit war zur Gemeinde Judenbach. Die Strecke führt in einem Bogen von Heinersdorf kommend in nördliche Richtung wieder zur Landesgrenze Bayern / Thüringen. 

Der Haltepunkt befand sich bei km 8,39. Ca. 200 Meter war die Landesgrenze und bei km 9,48 wurde bereits der Haltepunkt Schauberg erreicht.


Zwischen Heinersdorf bei Welitsch und Schauberg lag der HP Räppoldsburg, Mitten an der Landesgrenze zu Bayern. Wenige hunderte Meter zuvor wurde in den 50er Jahren das Gleis gekappt und die wenigen Wohnhäuser abgerissen. Der Abstand bis zum "Vorderen Sperrelement" wie es hieß war maximal 200 Meter und die Angst vor Fluchtgefahren lies das gesamte Bahn und Häuserareal einebnen. Bereits in der Nachkriegszeit wurden die Gleise unterbrochen um auch ein Eindringen der Bundesbahn Kleinlok aus Tettau in das Hoheitsgebiet der DDR zu verhindern. Wahnsinnige Argumente aus der Zeit des Kalten Krieges.

In etwa der Bildmitte verlief die Bahnlinie nach Tettau hier kurz hinter der Haltestelle Räppoldsburg die Mitten im Wald lag. Blick auf die DDR Grenzanlagen im September 1990 auf der Thüringer Seite. Links befand sich der Haltepunkt Räppoldsburg.

Und der Blick auf die Grenzanlagen von der fränkischen Seite aus gesehen.

Erster Notfahrplan des Jahres 1952

Festlegung der Haltestellen für den DB Bus 1952

Der vorläufige Fahrzeug und Personaleinsatz. Gefahren wurde ein Bus mit Anhänger.

Im Sattelgrund zwischen Heinersdorf und Schauberg wechselte die Bahnlinie oft zwischen Thüringen und Franken. Im September 1990 existierten noch zwei Deutsche Staaten. DDR Grenzsäule im Sattelgrund bei Schauberg.

Fahrplan des DB Bahnbus OVF Coburg von 1967 für diese Strecke.

Teilauszug des Schreibens zur Umstellung des Schienenverkehrs auf den Straßenroller zwischen Tettau und Steinbach am Wald. Das Schreiben datierte vom 25.06.1952 zum allsbaldigen Beginn am 01.07.1952, da die Glasindustrie dringend auf den Rohstofftransport angewiesen war.

Blick auf Tettau und seinen Bahnhof sowie die Porzelanfabrik 1904.

Tettau die Eisenbahn und das Porzellan. Nicht die wirtschaftliche Bedeutung des Bahnanschlußes der Tettautalbahn wirkte sich positiv auf die regionale Wirtschaft aus. So kam auch manches "Schmanker`l" in den 60er Jahren aus Tettau. In ihrer Hochblütezeit ließ der Nürnberger Modellbahnhersteller Trix eine Sammelserie zahlreicher Bayerischer Local- und Länderbahnlokomotiven als Sammelteller in Tettau anfertigen, die dann zum entsprechendem Modell in 1:87 bei Trix erhältlich waren. Sie sind heute begehrte und geschätzte Sammelobjekte.

Tettau im Sommer 1914 mit Bahnhof, Ort und Porzelanfabrik.

Privatbild 1902, die Herkunft des Fotos ist etwas unklar, wird es doch als Fahrt nach Tettau bezeichnet. Ein Lehrer der in die Sommerfrische unterwegs ist und sich über "freche und ungehorsame Buben" seiner Pensionswirtin beklagt. Ob es aus der Tettauer Gegend stammt ist ungewiß, denoch ein schönes und auch unterhaltsames Zeitdokument nicht nur wegen des Localbahnwagens auch wegen des Textes auf der Rückseite.

Fotografischer Blick 1929 auf den Bahnhof Tettau links Bildmitte und dem größten Arbeitgeber am Ort die Königlich Bayerische Porzellanfabrik. Der Endpunkt der Linie aus Pressig versorgte die Frankenwaldbahn mit zahlreichen Gütern die entweder über Saalfeld, Stockheim / Sonneberg / Eisenach und Lichtenfels abgefahren oder herangekommen sind.


Haltestellen Schauberg km 9,48, Sattelgrund bei km 11,98


Schauberg war wirtschaftlich gesehen schon lange bekannt durch zwei Schmelzhütten, eine Blaufarbenfabrik und seine Schneidemühle. So wurde hier auch ein Ladegleis errichtet für den Güterverkehr. Die günstigste Abfuhr der Produkte war schon immer der Weg über Heinersdorf nach Stockheim da diese Strecke relativ flach verläuft. Schwere Anstiege gab es über Judenbach nach Sonneberg und über Tettau und Gräfenthal weiter nach Reichmannsdorf und dann nach Saalfeld für die Fuhrleute. Schwere und unwegsame Handelsstrassen führten hier entlang und verband die Wirtschaftszentren. Die Abfuhr mit der Bahn brachte erhebliche Erleichterung. Auch wenn die Waren über Pressig, Stockheim, Neuhaus Schierschnitz nach Sonneberg und Coburg gefahren wurden war es denoch eine Ersparnis in jeglicher Hinsicht. Ab den 30er Jahren gab es erhebliche Konkurrenz durch die Kraftwagen Speditionen, die schnell über die Landstrasse zu Zulieferfirmen, Produzenten und Absatzmärkten führten. Was auch der Bahnlinie Abbruch tat. So war bereits ab den 20er Jahren der Güterverkehr auf drei Zugpaare wöchentlich beschränkt, bzw. die Mitnahme der Güterwagen erfolgte am Zugschluß der Personenzüge.


Der Sattelgrund 1909 in der Bildmitte verläuft die Strecke Rothenkirchen - Tettau.


Sattelgrund hatte lediglich wie Räppoldsburg nur die Bedeutung des Reiseverkehres, da hier ebenfalls nur ein geringes Reisendenaufkommen existierte. Die wenigen Bewohner waren so arm, daß sie bei Wind und Wetter zu Fuß meist nach Tettau oder Alexanderhütte liefen um zu arbeiten. 


Haltestelle Alexanderhütte km 15,75


Ein Hammerwerk und eine Stuhlglashütte am Ort sorgten für wirtschaftliches Leben. Mit Eröffnung der Bahnlinie wurden Waren und Produkte sowie Brennstoffe mittels Pferdefuhrwerk zum 1,5 km weiter entfernten Bahnhof Tettau gefahren. Bis heute hält sich hier die Glasindustrie am Ort und ist einer der größten Arbeitgeber der Region.


Endbahnhof Tettau km 16,85


Immerhin steigt die Strecke von Pressig bis Tettau von 377 auf 620 Meter an. Immerhin 243 an mit knapp 17 km Streckenlänge. Tettau war schon frühzeitig ein lebendiger kleiner Ort mit hoch angesehener Porzellanindustrie. Mit dem Bau von Bahnlinien in Bayern und Thüringen konnte die Porzellanindustrie ihre Waren und Absatzmärkte schneller und kostengünstiger transportieren. So führte die Strecke ab Räppoldsburg immer westlich am Berg entlang bis Tettau. Mehrfach wurde die Tettau und auch auf wenige Meter immer wieder die Grenze von Bayern nach Thüringen und wieder nach Bayern überquert. Man sprach von 16 Überquerungen der Landesgrenze. In Tettau gab es alle erdenklichen Einrichtungen für den Bahnbetrieb wie EG, GA, Lokschuppen, Wasserkran, Bekohlung und Ladegleise. Mit der Grenzschließung schon in den 50er Jahren gab es einen Inselbetrieb der Deutschen Bundesbahn von Tettau nach Alexanderhütte auf 1,1 km Streckenlänge. In Tettau wurde eine DB Kleinlok stationiert, die zum Bw Pressig, später zum Bw Lichtenfels gehörte. Güterwagen wurden mittels "Culemeyer" von Steinbach am Wald nach Tettau 13 km auf der Landstrasse überführt.  Meist E-Wagen mit Kohle und Silowagen für Quarzsand. Andre Güter wurden oft mit Speditionen transportiert. Im Inselbetrieb wurde das Ladegleis in Tettau und das Streckengleis bis Alexanderhütte bedient. Auf dem Streckengleis und dem alten Bahnsteig wurden Wagen Be- und Entladen, bzw. auch auf der Tettauer Ladestrasse.

Der Tagesablauf des Tettauer DB Mitarbeiters sah die Lokpflege und Betankung der Kleinlok vor, Rangierarbeiten in Tettau, Fahrt zum Werk Alexanderhütte, Bereitstellung und Abholung der Wagen von und zum Culemeyer, Weichenpflege, Bahnhofspflege und Stundenweise Fahrkartenverkauf für Reisende, die von Tettau nach Pressig den Bahnbus als Ersatz für den Zug nutzen mußten. Reparaturarbeiten und Bremse nachstellen an der Kleinlok besorgten Schlosser des Bw Pressig später Lichtenfels mit einem DB T1 Vw Bus. Bei größeren Reparaturen wurde die Lok mitttels Culemeyer zum Bahnhof Pressig und später nach Steinbach am Wald überführt. Von Steinbach a.W. fand der Loktausch mittels V 60 bzw. V 100 über die Frankenwaldbahn statt. Neue Lok mit 30 km/h von Lichtenfels nach Steinbach ca. 2,5 Std. Fahrzeit inklusive Kreuzung und Überholung. In Steinbach Loktausch und wieder mit 30 km/h zurück nach Lichtenfels zum Bw.  Vor 1990 wurde der Kleinlokbetrieb in Tettau eingestellt und die Wagen mittels Seilwinden und LKW nur noch in Tettau und seperat in Alexanderhütte bewegt. Ende der 90er Jahre war der Strassenroller in Tettau Geschichte.

 

Fahren Sie nocheinmal mit dem "Tettauer Bähnlè" mit von Tettau nach Pressig auf einer Spurensuche am 21.Februar 2019 , Gute Fahrt


Aus südlicher Richtung kommend Blick auf das Planum des Bahnhofes Tettau, auf dem sich heute der Kindergarten befindet.

Der letzte Gebäuderest, diese Lagerhalle, die einst am Tettauer Bahnhof mit für Rangierbetrieb sorgte. Im Hintergrund das Gelände der Porzellanfabrik.

Von Tettau kommend führte die Strecke rechts über den Bahnübergang nach Pressig vorbei am Eisenbahnerwohnhaus des Bahnhofes.

In Alexanderhütte noch sichtbar Gleisreste eines Bahnübergangs Ri.Tettau im Bild festgehalten.

Vom BÜ Alexanderhütte gut erkennbar das Streckenplanum nach Tettau, vorbei an den Glaswerken, die einst im Güterverkehr der Strecke mit bedient wurden.

Vom BÜ Alexanderhütte führt die Strecke im sanften Gefälle nach Pressig.

Zwischen Alexanderhütte und Sattelgrund führt die Strecke auf einem künstlich angelegten Damm durch den Wald. Streckenblick Richtung Tettau.

Parallel zur Strasse im Gefälle auf einem Damm nach Pressig bei Sattelgrund.

Richtung Pressig Haltestelle Sattelgrund.

Der künstlich errichtete Bahndamm von Sattelgrund nach Tettau.

Hinter Sattelgrund überquerte die Strecke die Tettau. Hier befand sich auch eine Ladestelle des Sägewerkes Rebhan, an der zahlreiche Güterwagen mit Schnitt-, Bauholz und Holzwaren aller Art versandt wurden. Der Transport des Holzes erfolgte mittels Fuhrwerk aus den umliegenden Wäldern.

Zwischen Sattelgrund und Schauberg verlief die Strecke neben der Strasse bzw. auf dem Planum derer. Mit der Straßenverbreiterung verschwand der Damm, so das sich an den Resten der Verlauf noch erkennen läßt. Ri.Pressig

Ca. bei km 10 nahe der Station Schauberg Reste eines Kilometersteines.

Gleisreste vor Schauberg.

Dahinter die kleine Brücke für die Überquerung der Tettau unmittelbar vor Schauberg.

Von km 10 Richtung Schauberg befinden sich noch ca. 250 Meter Gleis auf der Strecke zur Erinnerung an den Bahnbetrieb.

Vor Schauberg führte die Strecke Ri.Pressig wiederholt über die Tettau.

Ehemaliger Standort der Haltestelle Schauberg mit Ladegleis, an der hauptsächlich Stammholz und etwas Stückgut sowie Landwirtschaftliche Produkte be- bzw. entladen wurden. Der ortsansässige Gasthof Steiner am Bahnhof erfreute sich großer Beliebtheit bei den Touristen und Gästen des Ortes. Rechts parallel führte wenige Meter der Grenzzaun in Blickrichtung.

Blick nach Schauberg. Der Weg führte auf bayerischen Gebiet parallel zur Tettau entlang, wärend sich hinter dem Fluß die Grenzanlagen erstreckten.

Blick von Bayern nach Thüringen. Im Zuge der Grenzerrichtung wurde die Brücke hinter Tettau abgerissen um Fluchtversuche zu verhindern. Weiterführung der Strecke nach Pressig. Unmittelbar dahinter befanden sich die im oberen Bildteil abgelichteten hohen Grenzanlagen.

Blick Ri.Schauberg von Thüringen. Unmittelbar bei dem Gestrüpp befinden sich die gerade gezeigten Brückenreste und hier führt die heutige Landesgrenze entlang. Die Strecke wurde hier komplett mit dem Grenzbau eingeebnet und führt genau in meine Richtung.

Hier führte die Strecke von links aus Tettau über den Fluß und den damaligen Fuhrmannsweg der von Heinersdorf bzw. Judenbach nach Tettau und weiter nach Gräfenthal führte.

Kurz hinter der Landesgrenze führte die Strecke im weiten Bogen nach Heinersdorf der Haltestelle Räppoldsburg bei km 8,4 entgegen.

Bei der hier befindlichen Haltestelle führte die Strecke in Fahrtrichtung rechts nach Pressig. Hier befanden sich ein Wohngebäude mit Schmelzhütte und Wirtshaus und einigen Bewohnern, ca. 5-10 Personen. Die Räppoldsburg wurden mit der Errichtung der Grenzanlagen "platt gemacht". Die Station wurde bereits schon in den 20er Jahren aus Rentabilitätsgründen aufgegeben.

Zwischen der Räppoldsburg und Heinersdorf erinnert dieses Schild noch an die Strecke. Der heutige Radweg führt unmittelbar parallel an der Strecke entlang.

In der Bildmitte die Strecke Richtung Heinersdorf. Von Schauberg bis Heinersdorf führte die Linie im relativ ebenen Grund mit 6 km Länge hindurch, so das keine großartigen Bau- und Betriebskosten entstanden.

Ca. 2 km vor Heinersdorf erinnert dieser Holzmast noch an die Eisenbahngeschichte im Tettautal.

Kurz vor Heinersdorf befindet sich dieser Durchlass.

Hinter dem Durchlass befand sich ein Wegübergang.

Bis zum Ortseingangsbereich aus Tettau kommend befanden sich die bewachten Grenzanlagen. Parallel zur Strecke wurde der Neubau der "Heinersdorfer Grenzkompanie" errichtet die rundum alles bewachte.

Unmittelbar an der alten Mühle führte die Strecke über die Tettau, was heute noch etwas Eisenbahnromantik erwachen läßt.

Hinter der Mühle am Ortseingang Heinersdorf mußte eine relativ anspruchsvolle Steigung errichtet werden, den der heutige Straßenverlauf zeigt. Da die Strecke nicht durch den Ort verlegt werden konnte wurde in östlicher Richtung die Strecke kurzerhand oberhalb des Ortes weitergeführt. Der künsliche Damm führte vom Ortseingang Heinersdorf bis zum Ortsende Welitsch ca. 2,5 km entlang.

Schild der Heinersdorfer Bahnhofsstraße erinnert an die Tettautalbahn.

Der einzigste Zwischenbahnhof der auf der Strecke besetzt war, war Heinersdorf. Hier fanden Zugkreuzungen, Überholungen statt. Der Bahnhof war mit einem Stationsbeamten besetzt, der der Rbd Nürnberg unterstellt war. Ein Ladegleis und die Güterhalle sorgten für umfangreichen Rangierbetrieb. EG von der Straßenseite.

Blick auf die Heinersdorfer Ortsstraße. Die Strecke befindet vom Fotostandpunkt aus im Rücken.

Vom Ortseingang Heinersdorf aus Pressig kommend führt der Blick zum Heinersdorfer Bahnhof Bildmitte. Unschwer zu erkennen die Höhe der Streckenführung am Berg entlang.

Unmittelbar vor Heinersdorf befanden sich die DDR Grenzanlagen in Mauerform um jeglichen Sichtkontakt in den Westen zu verhindern. Die Bewachung war Eins A, so konnten sämtliche Haustüren auch über Nacht unverschloßen bleiben.

Vor der Baumreihe am Feldrand führte die Strecke von Tettau kommend nach links weiter nach Pressig. Hier ca. 500 Meter hinter der Landesgrenze oberhalb von Welitsch.

Brückengeländer einer alten Bahnbrücke in Welitsch, die 2018 abgerissen wurde.

Hier befand sich die 2018 abgerissene Eisenbahnbrücke in Welitsch. Wo sich auf dem Damm links im Gefälle Die Strecke weiter nach Pressig befand.

Zufahrtsweg zur Haltestelle Welitsch Blick Ri.Tettau. Rechts der Damm.

Links sichtbar der Gefälle Verlauf von Tettau links kommend nach Pressig. Unmittelbar dahinter überquerte die Strecke die Ortsverbindungsstraße nach Pressig.

Das Gefälle parallel zur Straße Heinersdorf - Pressig.

In der Gefällestrecke liegen noch einige Meter Gleis.

Bauform S 14 mit Stahlschwelle für Neben und Localbahnen mit geringer Achslast.

Hier überquerte die Strecke links von Tettau kommend die Ortsverbindungsstraße.

Gleisrest hinter dem Bahnübergang nach Pressig.

In weitem Bogen führte die Strecke unmittelbar am Wiesenrand entlang nach Pressig.

Bevor die Strecke in Pressig einmündete von rechts kommend überquerte sie nochmals die Ortsverbindungsstraße aus Welitsch und führte nach links in den Pressiger Bahnhof hinein.

Hinter dem Bahnübergang in Pressig befinden sich noch Gleisreste die nach rechts in den Bahnhof Pressig führen.

Unverbauter Blick vom Bw Pressig zum Bahnhof. Die Strecke führte rechts hinter dem Gebäude in den Bahnhof und endete hier.

Wenige Meter Gleis erinnern noch an das Frankenwald Bw in Pressig. Damit endet unsere Reise von Tettau nach Pressig.